Handball-EM DHB-Team: Volle Konzentration auf Platz fünf

Innsbruck. Den Sprung ins Halbfinale können Deutschlands Handballer bei der EM in Österreich nicht mehr schaffen, dennoch ist die Motivation heute vor dem Spiel gegen Spanien hoch. Platz fünf wäre ein "schöner Erfolg" sagt Keeper Johannes Bitter.
26.01.2010, 10:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Erik Eggers

Innsbruck. Ach? Aus dem Turnier ausgeschieden? 'Wusste ich noch gar nicht', bekannte Torsten Jansen am nächsten Morgen im Innsbrucker Mannschaftshotel 'Grauer Bär', noch etwas verschlafen wirkend. Der Linksaußen vom HSV Hamburg hatte die vielen arithmetischen Varianten ignoriert, welche die Hauptrundengruppe II der 9. Handball-Europameisterschaft tags zuvor noch bot.

Nach der deutschen 22:24-Niederlage gegen Frankreich hätte Slowenien gegen Tschechien (35:37) Remis spielen müssen, nur dann hätte der Weltmeister von 2007 auch vor der heutigen Partie noch eine theoretische Chance besessen, mit 5:5-Punkten das Halbfinale in Wien zu erreichen. So hielt sich die Trauer in Grenzen. 'Das Halbfinale oder Platz Drei wäre ein utopisches Ziel für uns gewesen', sagte Torwart Johannes Bitter.

Die Partie gegen den erstaunlich wackligen Olympiasieger hätte man getrost als Blaupause über das ganze Turnier legen können. Erneut leistete sich das Team von Bundestrainer Heiner Brand fatale technische Fehler. 'Selten war die Chance so hoch, gegen Frankreich zu gewinnen', resümierte Jansen. 'Frankreich ist derzeit keine Übermannschaft', meinte Bitter. Auch Kreisläufer Christoph Theuerkauf (SC Magdeburg) sinnierte dann doch über die verpassten Chancen, die das deutsche Team um eine bessere Platzierung gebracht haben: 'Hätten wir nicht all diese Fehler gemacht, dann wäre sogar das Halbfinale möglich gewesen.'

So aber geht es heute gegen Spanien (17.45 Uhr) laut Jansen 'um die goldene Ananas'. Ein Freundschaftsspiel auf hohem Niveau aber werde es nicht geben, versprach der mit 174 Länderspielen erfahrenste Internationale. 'Das hier ist kein Wunschkonzert, das ist eine EM, und wir werden versuchen, das beste Ergebnis zu erzielen', spornte der 33-Jährige seine Kollegen an. 'Wir wollen uns rehabilitieren für die teils unkonzentrierten Leistungen.' Zwei Siege und der noch mögliche Platz Fünf, das ist auch ein Ziel für Bitter, der in Österreich zu den stabilsten deutschen Profis zählt. 'Das wäre ein schöner Erfolg für uns.'

Brand kündigte an, die verbleibenden Partien gegen Spanien (3:3 Punkte) und Tschechien (2:4) mit der gleichen Intensität anzugehen. 'Es gibt keinen Grund, irgendwo nachzulassen', betonte der 57-Jährige. Er werde auch 'entsprechende Zeichen setzen', damit die Konzentration nun nicht nachlasse. Die Spieler wüssten, 'dass sie Verantwortung für den deutschen Handball haben.' Das sind Statements, die durchaus als Warnung zu verstehen sind: Brand hasst es, wenn in Länderspielen nicht die nötige Einstellung an den Tag gelegt wird. Noch in eindrücklicher Erinnerung ist Brands brüske Maßnahme nach der EM 2008, die Nationalspieler Lars Kaufmann, Rolf Hermann und Michael Kraus zu suspendieren.

Brand machte sich bereits Gedanken über die Ursache der viele einfachen Fehler, die den Gesamteindruck bei der EM bislang prägten. 'Viele Profis spielen zwar schon lange in der Bundesliga, aber ihnen fehlt die Erfahrung bei einem solchen Turnier', analysierte der Bundestrainer. Außerdem diagnostizierte er 'technische und taktische Defizite' bei einigen Akteuren.

Der nahe liegenden Frage, inwiefern die Liga für diese Mängel verantwortlich sei, ging er lieber aus dem Weg. Er müsse mit den Spielern arbeiten, die da seien, brummelte Brand in seinen riesigen Schnauzbart. Der Bundestrainer wollte die Diskussion mit der Liga, die schon seit Jahren über die Ausbildung der deutschen Profis geführt wird, nicht erneut anheizen. Zumindest noch nicht. Auch er will sich konzentrieren auf die letzten Spiele in Österreich.

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