Nach Tod von Velyky Europas Handball trägt Trauer

Innsbruck. Europas Handball trägt Trauer. Der frühe Krebstod von Oleg Velyky hat weit über die deutsche Nationalmannschaft hinaus einen Schock hinterlassen und für Bestürzung gesorgt.
24.01.2010, 13:30
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Innsbruck. Europas Handball trägt Trauer. Der frühe Krebstod von Oleg Velyky hat weit über die deutsche Nationalmannschaft hinaus einen Schock hinterlassen und für Bestürzung gesorgt.

Im Mannschafts-Quartier bei der Europameisterschaft in Innsbruck rangen insbesondere dessen Hamburger Mitspieler um Fassung und um Worte. «Oleg war ein guter Freund, ein toller Handballer und hat durch seinen Kampf gegen Verletzungen und die schwere Krankheit uns allen imponiert», sagte der sichtlich bewegte polnische Auswahlspieler Marcin Lijewski.

Der deutsche Nationalspieler Oleg Velyky war am 23. Januar in Kiew im Alter von nur 32 Jahren an Krebs gestorben. «Oleg Velyky hat den europäischen Handball wesentlich bereichert und er wird von Jedermann in der Handball-Familie aufrichtig vermisst werden», erklärte Tor Lian (Norwegen), Präsident der Europäischen Handball-Föderation (EHF).

Der gebürtige Ukrainer Velyky, der seit 1. April 2004 die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, hatte sich zuletzt in sein Heimatland zurückgezogen. Der pausierende Nationalspieler und Club-Kollege Pascal Hens berichtete, dass Velyky zuvor alle Behandlungen abgebrochen hatte. «Ich bin schockiert», gestand Frankreichs Olympiasieger Guillaume Gille, «ich habe Oleg noch vor einigen Monaten gesehen, da hatte ich aber schon das Gefühl - wie soll ich sagen: Seine Zeit kommt. Oleg hat immer gekämpft und uns damit tief beeindruckt.»

Mit Willensstärke und Disziplin und für Frau Kataryna und Sohn Nikita hatte Oleg Velyky sich sieben Jahre lang gegen den nicht zu besiegenden Hautkrebs gewehrt. «Im Endeffekt war wohl von Anfang an keine Chance da, den Krebs zu besiegen. Ich gehe davon aus, dass es jetzt auch eine Erlösung für ihn war wegen all der Schmerzen. Er hatte keine Kraft mehr zum Telefonieren oder Laufen», berichtete Pascal Hens.

Bundestrainer Heiner Brand hatte Tränen in den Augen, als Ulrich Strombach in Innsbruck mit brüchiger und belegter Stimme bekanntgegeben hatte, «dass unser Nationalspieler und Freund Oleg Velyky seinen Kampf gegen die tückische Krankheit verloren hat». Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) würdigte ihn als «untadeligen Sportsmann» und «Kämpfer im Handball und um sein Leben». «Man hat gehofft, dass es ein Wunder gibt. Aber wenn man dann mit der Realität konfrontiert wird, ist das ein Schock», sagte der emotional bewegte Brand, «man denkt über Situationen mit ihm nach.»

Wie Blei lastete die Trauer über dem deutschen Lager. Trotzdem absolvierten die Spieler bewundernswert tapfer den an spielfreien Tagen obligatorischen Treff mit Medienvertretern. «Selbst die, die nicht mit ihm zusammen gespielt haben, sind total traurig», erzählte Kapitän Michael Kraus, «es ist sehr schwer, in so einer Situation Worte zu finden. Das geht mir sehr nahe.»

Der Handball kam nur zögerlich in den Fokus der Nationalspieler zurück. Und dann auch nur in Verbindung mit Velyky, zu dessen Gedenken sie zum Auftakt der EM-Hauptrunde gegen Frankreich Trauerflor anlegen wollten. «Er war unser Freund. Wir werden versuchen, den Kopf frei zu bekommen und auch für ihn zu spielen», sagte Kraus. «Sport ist immer auch eine Möglichkeit zur Ablenkung. Vielleicht können wir das so besser verarbeiten als wenn jeder allein auf seinem Zimmer sitzt», meinte der Bundestrainer.

Lediglich vier Spiele hatte Velyky wegen Verletzungen und seines Krebsleidens seit 2008 für den HSV Hamburg bestritten. Im DHB-Dress war er nach 59 Länderspielen für die Ukraine 38 Mal aufgelaufen, zuletzt im EM-Eröffnungsspiel 2008 in Norwegen gegen Weißrussland, in dem er nach wenigen Minuten zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss erlitt. «Wir haben Hochachtung vor dem HSV Hamburg, der seinen Spieler nie fallengelassen hat», sagte Strombach. Und HSV-Präsident Andreas Rudolph erklärte «tief erschüttert»: «Die gesamte Handballwelt verliert mit Oleg Velyky eine große Persönlichkeit.» (dpa)

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