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«Kleiner» Lijewski ganz groß: Siegtor mit Haken

Hamburg. Erst war er außer Gefecht gesetzt, dann fast ohnmächtig und am Ende einfach nur glücklich: Krzyzstof Lijewski war der Held des Hamburger Pokalsiegs.
12.04.2010, 12:33
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Hamburg. Erst war er außer Gefecht gesetzt, dann fast ohnmächtig und am Ende einfach nur glücklich: Krzyzstof Lijewski war der Held des Hamburger Pokalsiegs.

Mit letztem Einsatz hatte der polnische Handballer 50 Sekunden vor Ende der Verlängerung den Ball zum entscheidenden 34:33 für den HSV Hamburg gegen die Rhein-Neckar Löwen ins Tor gewuchtet - und konnte anschließend nicht mehr allein das Spielfeld verlassen. «Ich habe eine Faust abbekommen. Das war wie ein Leberhaken. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich wusste nicht einmal, ob der Ball nun im Tor war oder nicht», berichtete der 26 Jahre alte Linkshänder.

Der Siegtreffer im Endspiel um den DHB-Pokal war der neunte Treffer des «kleinen» Lijewski, dessen sechs Jahre älterer Bruder Marcin den HSV mit zehn Treffern im Halbfinale ins Endspiel geführt hatte. «Es geht nicht um die Lijewskis, es geht um Handball und um die Zuschauer. Ich bin sehr stolz auf Marcin und freue mich über meine Leistung. Aber wichtig war, dass wir gewonnen haben», erklärte Krzysztof Lijewski, der den Spitznamen «Zloty» trägt.

Sein Einsatz im Finale hatte am seidenen Faden gehangen. Wegen einer Sehnenentzündung in der Schulter des Wurfarmes hätte kaum jemand einen Cent auf «Zloty» gesetzt, denn der ärztliche Rat lautete, der Schulter Ruhe zu gönnen. Doch er ließ sich 30 Minuten vor Spielbeginn eine Spritze geben - und holte schon beim Warmmachen zum großen Wurf aus. «Als Krzysztof Lijewski beim Aufwärmen einen Ball mit 150 km/h an das Lattenkreuz nagelte, wussten wir, es geht bei ihm. Das hat er dann mit neun Toren eindrucksvoll unterstrichen», berichtete Hamburgs Sportlicher Leiter Christian Fitzek.

In der rechten Hand eine Bierflasche, auf der linken Schulter einen Eisbeutel, vor der nackten Brust die Pokalsieger-Medaille und mattes Gold in der Kehle: Pokalheld Lijewski war nach dem Erfolg aller Sorgen ledig und wie seine Kollegen schon in der Kabine in ausgelassener Sangesstimmung. «Alle Lieder aus den Top Ten von Viva» wurden nach Aussage von Krzysztof Lijewski zum Besten gegeben. «Jetzt sind die Schmerzen egal», sagte er.

Doch beseitigt sind die Probleme nicht. Eine neuerliche Auszeit tut not. «Ich muss die Schulter fit machen», sagte Krzysztof Lijewski. Deswegen wird er auch beim Benefizspiel für seinen Anfang des Jahres gestorbenen Teamkollegen Oleg Velyky fehlen. Velyky war im Alter von 32 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Der Erlös der Partie gegen die deutsche Nationalmannschaft soll der Witwe und den beiden Kindern des gebürtigen Ukrainers zugute kommen.

Trainer Martin Schwalb dachte bereits über das Privatspiel hinaus und richtete das Augenmerk auf die neuen Herausforderungen. «Wir haben Dienstag ein Spiel und dann bereiten wir uns auf den SC Magdeburg vor», verkündete er. Zwar hatte er seinen Spielern das Training am Montag vor dem Empfang im Rathaus erlassen. Sonst aber habe der Pokalsieg keine Auswirkungen und keine Relevanz. «Das macht für die Jungs vielleicht einen Unterschied, dass sie mit einer Goldmedaille vom «Final Four» spielen. Aber man sollte nicht meinen, dass das ein Schritt zur Meisterschaft war», sagte Schwalb. (dpa)

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