Neue Regeln, elektronischer Spielbericht, reformierte Ligen – in der kommenden Saison wird vieles anders Handballer erleben Zeit des Wandels

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Schon bald beginnt der Schulungsmarathon in der Handballregion Oldenburg (HRO), und drücken kann sich niemand. „Wer nicht geschult wurde, bekommt seinen Schiedsrichter-Ausweis nicht verlängert“, betont der Regions-Vorsitzende Wolfgang Sasse.
23.03.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Handballer erleben Zeit des Wandels
Von Christoph Bähr

Schon bald beginnt der Schulungsmarathon in der Handballregion Oldenburg (HRO), und drücken kann sich niemand. „Wer nicht geschult wurde, bekommt seinen Schiedsrichter-Ausweis nicht verlängert“, betont der Regions-Vorsitzende Wolfgang Sasse. Seine Vehemenz ist begründet, denn ab der kommenden Saison ändert sich im Handball so viel wie lange nicht: Neue Regeln, die Einführung des elektronischen Spielberichts und Veränderungen in einigen Ligen stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. „Wir sitzen im Moment oft zusammen und reden uns die Köpfe heiß“, erzählt Detlef Teubner, der stellvertretende HRO-Vorsitzende für Spieltechnik. Ein Überblick über die geplanten Neuerungen.

Elektronischer Spielbericht

Spätestens 2018 muss der elektronische Spielbericht nach Anweisung des Deutschen Handball-Bundes überall eingeführt werden, der Handball-Verband Niedersachsen tut dies in seinen Spielklassen bereits zur kommenden Saison. Mit der Software „nuScore“ sollen in jedem Browser die Daten zum Spiel wie etwa die Aufstellungen und das Protokoll eingegeben werden können. „Online-Verbindungen und die Speicherung der Spieldaten in Echtzeit wären zwar wünschenswert, sind aber nicht zwingend erforderlich. Werden die Grunddaten der Spiele zu Hause installiert, kann die Protokollierung in der Halle auch offline erfolgen“, wird Dieter Hummes, der nuLiga-Administrator des Handball-Verbandes Niedersachsen, auf der HVN-Internetseite zitiert. Er empfiehlt wegen der besseren Handhabung, die Daten per Laptop und nicht per Tablet einzugeben. Wenn Vereine neue Hardware beschaffen müssten, seien Neugeräte schon für unter 300 Euro erhältlich, sagt Hummes.

Im Mai will der Arbeitskreis Schiedsrichterwesen des HVN mit den Schulungen der Zeitnehmer und Sekretäre beginnen. In der HRO sei geplant, dass vier oder fünf Referenten in die Vereine gehen und dort ausbilden, berichtet Teubner. „Bis in welche Ligen runter es den digitalen Bericht gibt, müssen wir noch sehen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. Klar ist aber: Wenn der elektronische Spielbericht eingeführt ist, sind die Vereine auch verpflichtet, die Daten möglichst zeitnah nach Spielende einzupflegen. „Das hört sich alles recht einfach an, aber man muss mal abwarten, wie es klappt“, meint Teubner. Er selbst reist nun erst einmal am 9. April nach Hannover, um sich über „nuScore“ zu informieren.

Veränderte Ligen

Aktuell sind die Weser-Ems-Ligen der Frauen und Männer die höchsten Spielklassen unter dem Dach der Handballregion Oldenburg, zur kommenden Saison allerdings wechselt die Zuständigkeit zum HVN. Dadurch ändert sich zuallererst der Name, denn die Weser-Ems-Ligen heißen künftig Landesklassen. Zudem wird die Zahl der Mannschaften von 14 auf zwölf reduziert, weshalb es in der laufenden Weser-Ems-Liga-Saison vier Absteiger gibt.

Bei den Schiedsrichtern könne es durch die Umstellung Probleme geben, befürchtet Teubner. Die HRO muss nämlich mehr Unparteiische für den HVN abstellen, um auch die neuen Landesklassen abzudecken. „Wir haben viele Schiris, die nebenbei noch ein bisschen in den Weser-Ems-Ligen pfeifen, aber nicht mehr in den HVN-Kader wollen“, schildert Teubner. Kürzlich hat der stellvertretende HRO-Vorsitzende allen Schiedsrichtern geschrieben und sie gefragt, ob sie für den HVN pfeifen möchten. Das Ergebnis der Abfrage steht noch aus. Klären musste die HRO außerdem, ob die zweite und dritte Mannschaft der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, die aktuell beide in der Weser-Ems-Liga spielen, auch in der Landesklasse gemeinsam antreten dürften. „Das ist weiterhin erlaubt“, berichtet Teubner.

In der A-Jugend wird der Spielbetrieb zur neuen Serie ebenfalls dem HVN und nicht mehr den Handballregionen unterstellt. Eine Tatsache, die dem HRO-Chef Wolfgang Sasse nicht gefällt. „Wir von der HRO haben dadurch keinen Zugriff mehr auf die Altersgruppen an den Gymnasien, von denen die FSJler fast ausschließlich kommen. Ich war gegen diese Entscheidung, aber jetzt muss der HVN auch etwas für diese Altersgruppen tun.“

Neue Regeln

Die Internationale Handballföderation hat sich einiges ausgedacht, was bald auch in Deutschland gilt. Erst sollten die Änderungen 2017 in Kraft treten, jetzt geht es schon am 1. Juli los. Fünf Dinge ändern sich dann.

Erstens: Wenn eine Mannschaft anstelle des Torwarts einen siebten Feldspieler einsetzt, muss dieser nicht mehr zwingend durch ein andersfarbiges Trikot kenntlich gemacht werden. Der siebte Feldspieler darf allerdings nicht den eigenen Torraum betreten und die Torhüterposition übernehmen.

Zweitens: Nach einer Behandlung muss ein Spieler zunächst das Feld verlassen und darf erst zurückkehren, wenn sein Team drei Angriffe abgeschlossen hat. Durch diese Änderung soll dem Zeitschinden vorgebeugt werden. Wenn der verletzte Akteur zuvor von einem Gegenspieler gefoult wurde und dieser dafür eine Verwarnung, Zeitstrafe oder Disqualifikation bekommt, gilt die neue Maßgabe allerdings nicht. Genauso wird sie nicht angewendet, wenn der Torhüter einen Ball ins Gesicht bekommen hat.

Drittens: Wenn der Schiedsrichter wegen passiven Spiels den Arm hebt, hat die angreifende Mannschaft danach künftig noch maximal sechs Pässe zur Verfügung, um auf das Tor zu werfen. Dadurch soll es weniger Diskussionen um die Auslegung des passiven Spiels geben.

Viertens: Begeht ein Spieler in den letzten 30 Sekunden einer Partie eine grobe Regelwidrigkeit oder verhindert einen Ab-, An-, Ein- oder Freiwurf, erhält er eine Rote Karte – ohne Bericht – und die gegnerische Mannschaft einen Siebenmeter.

Fünftens: Die Blaue Karte kommt, und sie soll für Klarheit bei Feldverweisen sorgen. Wenn der Schiedsrichter einem Spieler künftig nach der Roten auch die Blaue Karte zeigt, heißt das, dass ein schriftlicher Bericht zu dem Vergehen erstellt wird.

„Ob das alles gleich bis in die untersten Ligen umgesetzt wird, müssen wir mal abwarten“, sagt Detlef Teubner zu den Regeländerungen. Erst einmal hat der HVN nun die Schiedsrichterwarte und Verantwortlichen für die Ausbildung im Schiedsrichterwesen für Anfang April zu einer Tagung nach Halberstadt eingeladen, um sie dort in die neuen Regeln einzuweisen. „Danach werden wir einheitliche Ausbildungsunterlagen erhalten und auch an die Regionen verteilen. Die Inhalte werden auf allen Weiterbildungen zur Vorbereitung der neuen Saison geschult“, erklärt der HVN-Schiedsrichterwart Hans-Jürgen Gottschlich. In der HRO sollen die Schulungen zu den Regeländerungen im Juni beginnen. „Für die Schiedsrichter wird das eine große Herausforderung“, unterstreicht Teubner.

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