Kapitän des Barrier TC im Interview Hartje: "Wir kommen aus dem Feiern nicht raus"

Einen 'ziemlich sensationellen Abend' haben die Tennisherren des Barrier TC vergangenes Wochenende auf der Reeperbahn verbracht. Ausgiebig feierten sie dort ihren 4:0-Triumph über den THC Braunschweig II und damit den Aufstieg in die Oberliga. Warum dieser Erfolg historische Ausmaße hat darüber spricht Mannschaftsführer Florian Hartje im Interview.
17.09.2010, 23:50
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Einen 'ziemlich sensationellen Abend' haben die Tennisherren des Barrier TC vergangenes Wochenende auf der Reeperbahn verbracht. Ausgiebig feierten sie dort ihren 4:0-Triumph über den THC Braunschweig II und damit den Aufstieg in die Oberliga. Warum dieser Erfolg historische Ausmaße hat und welche Chancen die Barrier im nächsten Sommer in dieser Spielklasse haben werden, darüber spricht Mannschaftsführer Florian Hartje im Interview mit unserer Mitarbeiterin Christine Leska-Ottensmann.

Nochmals herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg! Hattet Ihr damit gerechnet, dass alles so glatt laufen würde?

Florian Hartje:Nein. Mir ist es immer noch fast ein Rätsel, warum wir so hoch gewonnen haben, obwohl die Einzelspieler aus Braunschweig viel bessere Leistungsklassen hatten als wir.

Was bedeutet der Aufstieg speziell für Sie?

Mein Ziel war immer, überregional zu spielen. Das wollte ich unbedingt mit dem Barrier TC realisieren. Natürlich wäre es für mich einfach gewesen, durch einen Wechsel zu einem höherklassigen Verein überregional anzutreten. Lockere Anfragen hatte ich. Aber konkret wurde so etwas nie. Denn einen Abschied aus Barrien konnte ich mir nie vorstellen. Dafür fühle ich mich hier viel zu wohl. Außerdem habe ich damit ein kleines Trauma überwunden. Im März 2004 hatten wir mit dem BTC das letzte Mal ein Relegationsspiel, damals noch mit Erik und Eike Trümpler. Zuhause hieß der Gegner TV Ost. 3:3 stand es, auch die Sätze waren gleich. Nur weil ich in meinem Match so schlecht war und hoch verloren habe, hatten wir zu wenig Spielgewinne auf dem Konto und sind nicht in die Nordliga aufgestiegen. So etwas prägt. Deshalb war ich dieses Mal umso konzentrierter und absolut fokussiert.

Wie haben die Vereinsmitglieder Euren Erfolg wahrgenommen?

Als Einzelperson habe ich ja schon viel gewonnen, viele Titel eingeheimst. Aber so häufig wie jetzt wurde mir noch nie gratuliert. Als ich nach unserem Aufstieg das erste Mal wieder auf unserer Anlage war, waren alle erfreut und haben uns beglückwünscht. Schon im Vorfeld sind wir häufig angesprochen worden, und während der Partie in Braunschweig gab es sehr viel SMS-Verkehr nach Hause. Allgemein ist der Zusammenhalt im Verein sehr gut. Wenn es zeitlich machbar ist, unterstützen sich die Mannschaften gegenseitig. Beim vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft in der Landesliga haben uns zum Beispiel über 40 Leute zum Bremer TV von 1896 begleitet. Das war schon beeindruckend. Übrigens kommen wir aus dem Feiern gar nicht mehr heraus: Auch unsere drei anderen Herrenteams haben den Aufstieg geschafft!

Das ist mit Sicherheit noch nie einem Verein im Tennisverband Nordwest gelungen. Speziell aber mit Eurem Aufstieg in die Oberliga habt Ihr Klubgeschichte geschrieben.

Ja, darauf können wir sehr stolz sein. Denn das letzte Mal, dass ein Herrenteam des Barrier TC überregional gespielt hat, war 1986. Im Team waren unter anderem Alexander Gosslau, Carsten Schomann und Erwin Dannenberg. Damals ging es von der Nordwest- gleich in die Regionalliga. Sogar nach Berlin mussten sie reisen.

Allerdings stieg die Mannschaft nach nur einem Jahr wieder ab. Wie sind Eure Perspektiven diesmal?

Die Oberliga wird im nächsten Sommer so stark sein wie noch nie. In diesem Jahr war sie zweigleisig, fortan gibt es nur noch eine Gruppe. Beim TV Ost, TV Werder Bremen und Club zur Vahr wissen wir, dass sie sehr gut sind. Der TC GW Rotenburg ist der Ex-Verein unseres Spitzenspielers Mauro Piras. Aktuell würde ich uns einen Sieg gegen den Mitaufsteiger SC SW Cuxhaven zutrauen. Die anderen Teams kann man noch nicht einschätzen.

Wie groß ist denn der Unterschied von der Oberliga zur Landesliga?

Da gibt es ein unglaubliches Gefälle! Die Spieler an den Spitzenpositionen haben ein ganz anderes Niveau. Da geht es fast schon semi-professionell zu. Felix Samsel und Ahmad Hamijou vom Club zur Vahr zum Beispiel sind ständig auf Turnierreise. Jüngere Spieler wie Lukas Rüpke vom TV Ost stehen fünf Mal pro Woche auf dem Platz und spielen 30 Turniere. Überhaupt ist das Gefälle auch innerhalb der Mannschaften nicht groß. Das war bei unseren Gegnern in der Landesliga anders.

Es scheint, dass Ihr es im nächsten Jahr sehr schwer haben werdet. Wollt Ihr trotzdem mit allen Mitteln versuchen, den Klassenerhalt zu schaffen?

Das sicherlich nicht. Natürlich wäre die eine oder andere Verstärkung nicht schlecht. Die Oberliga ist bestimmt ein Argument, zu uns zu kommen, um sich in dieser Spielklasse zu beweisen. Viel wichtiger ist uns aber, dass derjenige auch charakterlich zu uns passt. Denn aktuell haben wir eine gute Mannschaft, eine absolut homogene Truppe beisammen. Diese gute Stimmung wollen wir uns nicht vermiesen lassen.

Schon bald startet die Winterhallenrunde. Seht Ihr diese als Vorbereitung für den Sommer und probiert das eine oder andere aus? Oder strebt Ihr wieder den Titel an?

Ich kenne die Staffeleinteilung. Theoretisch können wir alle schlagen, einfach wird es nicht. Aber auch hier lautet das Ziel: Aufstieg!

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+