Fußball

Heiligenfeldes Drama gegen Sulingen

Es war ein spannungsgeladener Pokalabend, an dessen Ende nur der TV Stuhr in die dritte Runde einzog. Dabei hätte es auch der SV Heiligenfelde verdient gehabt, der dem TuS Sulingen eine Pokalschlacht lieferte.
06.08.2019, 22:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Heiligenfeldes Drama gegen Sulingen

Der SV Heiligenfelde zeigte gegen den TuS Sulingen eine ganz starke Leistung. Auch Marvin Godesberg (hier im Duell mit Sebastian Elvers) machte im Mittelfeld eine tolle Partie.

Thorin Mentrup

Landkreis Diepholz. Der TV Stuhr steht als einziges Team unseres Verbreitungsgebiets in der dritten Runde des Bezirkspokals. Der Bezirksligist setzte sich beim Kreisligisten TVE Nordwohlde mit 6:1 (3:0). Ausgeschieden sind dagegen der TSV Okel, der beim TuS Drakenburg mit 1:6 (0:2) verlor, und der SV Heiligenfelde, der dem Landesligisten TuS Sulingen einen großen Kampf lieferte, aber im Elfmeterschießen nicht das Glück auf seiner Seite hatte und mit 3:4 unterlag.

SV Heiligenfelde - TuS Sulingen 3:4 n. E. (0:0). Die große Überraschung lag in der Luft, am Ende aber belohnte sich der SV Heiligenfelde für eine ganz starke Leistung nicht mit dem Weiterkommen, das durchaus verdient gewesen wäre. Das gab auch Walter Brinkmann, Sulingens Trainer, zu, der sich im Gespräch mit seinem Heiligenfelder Pendant Torben Budelmann natürlich einerseits freute, ein ganz schwieriges Spiel doch noch gemeistert zu haben, aber andererseits auch deutlich machte, dass es schade sei, dass der SVH, bekanntlich einer der Ex-Klubs des Coaches, ausgeschieden sei. Dieses Kompliment konnte Budelmann nur an seine Mannschaft weitergeben. „Wir waren nahe an der Perfektion“, sagte er nach einer überragenden taktischen, kämpferischen und läuferischen Leistung seiner Elf, die während des Spiels auch noch die Ausfälle von Joshua Brandhoff und Tobias Dickmann verkraftete.

Heiligenfelde erlaubte dem klassenhöheren Landesligisten während der 90 Minuten nur eine klare Torchance, als es nach einem Foul an Sebastian Elvers Elfmeter gab. Jörn Wachtendorf parierte jedoch stark gegen Sönke Bremermann (67.). Ansonsten liefen die Heiligenfelder den TuS phasenweise sehr hoch an, zwangen ihn zu unkontrollierten langen Schlägen und agierte auch bei den wichtigen zweiten Bällen stark. „Viel besser können wir nicht spielen. Ich bin einfach nur stolz, stolz, stolz auf die Jungs“, war Budelmann voll des Lobes für sein Team, das seinerseits durch Brandhoff die beste Chance aus dem Spiel heraus hatte: Der Stürmer lief auf und davon, doch kurz vor dem Abschluss schoss ein Schmerz in den Oberschenkel - die Chance verpuffte (19.), der Angreifer musste raus. Heiligenfelde war danach unbeeindruckt und agierte im dritten Vergleich innerhalb von 33 Tagen mit den Gästen auf Augenhöhe - und war in einigen Phasen sogar stärker. Der SVH bestand seine Reifeprüfung und hatte sich nach 90 torlosen Minuten das Elfmeterschießen mehr als verdient. In diesem wurde Wachtendorf zum tragischen Helden: Er hielt den ersten Schuss von Tim Rieckhof, verschoss aber den fünften und letztlich entscheidenden Versuch. Zuvor war Tristan Godesberg für die Gastgeber am Pfosten gescheitert. Millimeter fehlten Heiligenfelde zum Coup. Für Budelmann spielte das aber eine untergeordnete Rolle: „Mich interessieren die 90 Minuten“, sagte er. Und mit Blick auf diese musste sich beim SVH wahrlich niemand grämen.

TVE Nordwohlde - TV Stuhr 1:6 (0:3). Nur zwei Tage nach dem 1:5 gegen den SV Bruchhausen-Vilsen setzte es für die Nordwohlder erneut eine klare Niederlage. Die Gemütslage aber war eine ganz andere. „Natürlich hat Stuhr verdient gewonnen“, sagte Trainer Martin Werner, schränkte aber auch ein: „Das Ergebnis ist zu hoch. Ein 1:3 wäre auch gerecht gewesen.“ Damit spielte er auf die letzten Minuten an, in denen seine Mannschaft noch drei Gegentreffer kassierte. Somit wurde aus einem vermeintlich normalen Ergebnis ein Resultat, das nach einer Klatsche aussieht.

So fühlte es sich aus Sicht der Gastgeber aber nicht an. „Wir haben vieles besser gemacht als gegen Vilsen“, erkannte Werner einen deutlichen Aufwärtstrend. Gegen die Stuhrer, die mit einer ordentlichen Portion Respekt zum Kreisligisten gereist waren, reichte es allerdings nicht, auch weil die Gäste in den richtigen Momenten die Tore machten. Bevor die Begegnung zu einem richtigen Pokalfight werden konnte, schlug der TVS dreimal zu. Im Mittelpunkt stand Dimitri Steen, dessen Laufintensität und Spielintelligenz den TVE vor größere Probleme stellte. In der 30. Minute löste der Angreifer den Knoten, lauerte zwei Minuten später im Rücken von Manuel Köster, der den Ball ins eigene Tor bugsierte. Innerhalb weniger Augenblicke hieß es 2:0 für die Stuhrer, die durch Steen wenige Sekunden vor der Pause nachlegten. „Das waren natürlich Tore in den richtigen Momenten für Stuhr“, wusste Werner um die psychologische Komponente der Treffer. Meyer, der die Gäste gemeinsam mit Stephan Stindt trainiert, war zufrieden mit der ersten Hälfte. „Wir haben es ganz gut gemacht, aber Nordwohlde hat es uns auch nicht leicht gemacht. Wir mussten Geduld haben, und die hatten wir.“

Die klare Führung beruhigte natürlich die Gemüter auf Stuhrer Seite. Sie kontrollierten die Partie, waren vielleicht etwas weniger konzentriert als vor der Pause. Die Nordwohlder, die Felix Kattau (Kreislaufprobleme) und Dennis Wagner, der mit Daniel Horeis zusammenrasselte - beide mussten raus und ins Krankenhaus - zwei weitere Offensivkräfte verloren, hielten aber auch gut dagegen. Durch Lukas Schlötcke gelang ihnen der Anschlusstreffer (85.). Das schien die Stuhrer noch einmal zu wecken. Zweimal Riccardo Azzarello (88., 90.+1) und einmal Adrian Herrmann machten das halbe Dutzend voll.

TuS Drakenburg - TSV Okel 6:1 (2:0). So deutlich, wie das Ergebnis aussieht, hatte Lutz Schröder, Trainer der Okeler, die Unterschiede zwischen beiden Mannschaften nicht gesehen. „Wir hatten eine schlechte erste und letzte Viertelstunde, aber 60 Minuten haben wir eigentlich ein gutes Spiel gemacht“, sagte er. Als Jan Kramer-Hoffmann in der achten und elften Minute schon früh auf 2:0 für die Gastgeber stellte, schienen die Okeler auf eine ähnliche Klatsche wie beim 0:8 in Twistringen zuzusteuern. Doch der Bezirksliga-Aufsteiger riss sich zusammen. Der TSV spielte sich frei, arbeitete nun wesentlich konzentrierter gegen den Ball und hatte vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte auch viele Aktionen in der Drakenburger Hälfte. „Wir haben es allerdings versäumt, den richtigen Pass zur richtigen Zeit zu spielen“, sah Schröder ein Manko im Spiel seiner Elf.

Der TSV ließ sich auch nach dem dritten Gegentreffer, den Kai Rieckhof nach einem Konter markierte, nicht hängen (56.), antwortete sogar direkt durch Rico Volkmann, der einen Strafstoß nach einem Foul an Hasan Sabehaioun verwandelte (57.). Die Wende gelang den Gästen allerdings nicht mehr, obwohl sie die richtige Einstellung an den Tag legten. Mit dem 4:1 durch Till Paczkowski (75.) war die Partie gelaufen. Dass Lucas Teichmann (76.) und erneut Kramer-Hoffmann (79.) in Windeseile zwei weitere Treffer nachlegten, trübte den besseren Eindruck, den die Okeler im Vergleich zum Twistringen-Spiel hinterlassen hatten, ebenso wie die Gelb-Rote Karte gegen Sabehaioun kurz vor dem Ende (85.). „Insgesamt aber war es von der Einstellung her ein anderer TSV Okel als in der letzten Woche“, sah Schröder das Positive.

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