Fußballkreis-Chef spricht sich plötzlich gegen die Fusionspläne aus und will keinen Namenssponsor mehr Heinen vollzieht kuriose Kehrtwende

Es sollte diskutiert werden, einige Vereinsvertreter hatten im Vorfeld schon ihren Unmut geäußert, doch auf der Arbeitstagung des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst kam alles ganz anders. Der Vorsitzende Hartmut Heinen sprach sich gegen die Bildung eines Großkreises und gegen einen Namenssponsor der Kreisliga aus. Noch Anfang Februar hatte er sich komplett anders geäußert.
28.02.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Heinen vollzieht kuriose Kehrtwende
Von Christoph Bähr

Es sollte diskutiert werden, einige Vereinsvertreter hatten im Vorfeld schon ihren Unmut geäußert, doch auf der Arbeitstagung des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst kam alles ganz anders. Der Vorsitzende Hartmut Heinen sprach sich gegen die Bildung eines Großkreises und gegen einen Namenssponsor der Kreisliga aus. Noch Anfang Februar hatte er sich komplett anders geäußert.

Hartmut Heinen hat eine Erkältung erwischt. Seine Stimme klang daher etwas heiser, doch der Vorsitzende des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst trat bei der Arbeitstagung am Donnerstagabend im Schützenhof Kirchhatten trotzdem gewohnt bestimmt auf. So bestimmt und selbstsicher, dass Heinens 180-Grad-Drehung par excellence erst bei genauem Hinhören deutlich wurde. Die Fusion mit den Kreisen Ammerland, Friesland, Oldenburg-Stadt, Wesermarsch und Wilhelmshaven, für die er bei der Sitzung am 2. Februar noch geworben hatte? „Dafür sehe ich schwarz“, sagte Heinen plötzlich. Und der Deal mit der Firma „Stark Gebäudereinigung“ über ein Namenssponsoring der Kreisliga, den der Kreis-Chef eingefädelt hatte? „Das Thema ist vom Tisch.“

Eigentlich hatte es als ausgemachte Sache gegolten, dass der geplante Großkreis zur Saison 2016/17 kommen soll. Hintergrund ist der „Masterplan Amateurfußball“ des Deutschen Fußball-Bundes, der Wege vorgibt, um dem demografischen Wandel und der Krise des Ehrenamts zu begegnen. Die vielfältigen Anforderungen des DFB seien ohne Fusionen kaum zu erfüllen, hieß es lange. Das sieht Heinen jetzt anders: „Wir sind als Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst gut aufgestellt und können den Masterplan alleine umsetzen.“

Seine Meinungsänderung habe ihren Ursprung am Montagabend, schilderte der Kreisvorsitzende. Da war Heinen bei einer Versammlung des Fußballkreises Ammerland, auf der die Fusionspläne präsentiert wurden. Dort stimmten die Vereinsvertreter zwar dafür, dass weitere Gespräche in der Sache geführt werden, die große Mehrheit von ihnen enthielt sich allerdings. „Das gab mir zu denken“, sagte Heinen. „Die fünf anderen Kreise haben immer mächtig auf die Tube gedrückt, und ich dachte, bei ihnen wäre alles geklärt, doch das ist offenbar nicht der Fall.“

Anschließend ging Heinen auf die anderen möglichen Fusionspartner ein. Der Kreis Oldenburg-Stadt sei gut aufgestellt und könne alleine weiter existieren. Im Kreis Wesermarsch sei noch gar nicht richtig über die Fusion gesprochen worden. „Dort wurde bisher nur das Modell für den Seniorenbereich vorgestellt. Der Knackpunkt ist aber die Jugend“, unterstrich Heinen. Blieben also noch Wilhelmshaven und Friesland. „Die können den Spielbetrieb nicht mehr allein wuppen. Bevor es einen Großkreis gibt, müssen sie aber erst ihre Hausaufgaben machen“, sagte Heinen. „Oldenburg-Land und Delmenhorst haben sich zusammengeschlossen, das sollten Wilhelmshaven und Friesland auch tun.“

Geärgert hat sich Heinen zudem darüber, dass bei der Sitzung im Ammerland das Sportbüro in Westerstede als „Zentrale des neuen Großkreises“ bezeichnet wurde. „Ich würde nie einen Cent für dieses Sportbüro zahlen. Wir haben in unserem Kreis gute Ehrenamtliche“, betonte er. Ende des vergangenen Jahres hatte Heinen noch herausgestellt, dass das Sportbüro die Ehrenamtlichen erheblich entlasten könne. Damals sagte er aber auch, dass es keine Alternative zum Großkreis gebe.

Kleinere Lösungen sind denkbar

Inzwischen besteht aus Heinens Sicht kein Handlungsbedarf mehr in Sachen Fusion. „Wir müssen uns lediglich an den Gesprächen beteiligen und uns einbringen“, hielt er fest. Bei einem Treffen am 5. März mit Karl Rothmund, dem Präsidenten des Niedersächsischen Fußballverbands, sowie den Vorsitzenden der Kreise und Bezirksvertretern will Heinen kleinere Lösungen vorschlagen. Eine Kooperation zwischen Oldenburg-Land/Delmenhorst und Oldenburg-Stadt sei denkbar.

Nachdem er seine Ausführungen zum Großkreis dann beendet hatte, wurde Hartmut Heinen fast schon theatralisch, als es um das zweite große Streitthema ging: den Kauf der Kreisliga-Namensrechte durch die Firma Stark aus Stuhr. Der Kreis-Chef hielt ein weißes Blatt Papier in die Höhe. „Alle Absprachen, die es zwischen Stark und dem Kreis gibt, stehen auf diesem Papier“, rief Heinen und versuchte sich als Trapattoni-Imitator: „Das Blatt ist leer wie eine Flasche. Was erlauben Stark?“

Am 2. Februar hatte er den geplanten Stark-Deal noch stolz vorgestellt, doch seitdem hat es laut Heinen Irritationen gegeben. Zum einen las er im DELMENHORSTER KURIER, dass Firmeninhaber Olaf Stark die Kosten für die Werbelogos auf den Trikots aller Klubs von den 10 000 Euro Sponsorengeld abziehen will. „Das war so nie abgemacht“, sagte Heinen. Dass die Firma Stark auf ihrer Internetseite bereits damit wirbt, dass sie die Kreisliga sponsern werde, stieß ihm ebenfalls sauer auf. „Das schlägt dem Fass den Boden aus“, wetterte Heinen. „Es gab keine feste Zusage vom Kreis an Stark. Das Thema ist erledigt.“

Heinens überraschenden Sinneswandel verursachte wohl auch ein Brandbrief, den der VfL Wildeshausen, der TSV Ganderkeesee, der Harpstedter TB, der VfL Stenum und der Ahlhorner SV zusammen verfasst hatten. Darin lehnten sie den Stark-Deal und die Fusionspläne ab (wir berichteten). Danach hatte Heinen sogar an Rücktritt gedacht, davon war nun nicht mehr die Rede. Stattdessen räumte er Fehler ein: „Ich war für das Sponsoring zuerst Feuer und Flamme, doch habe das nicht zu Ende gedacht.“ Ottmar Jöckel (Wildeshausen) und Dieter Bunzel (Harpstedt) begrüßten die Absage an Stark. Sie äußerten zudem, dass sie ein Namenssponsoring der Kreisliga generell nicht sinnvoll fänden.

Ursprünglich sollten die Klubvertreter Heinen am Donnerstag übrigens per Votum dazu berechtigen, weitere Verhandlungen über die Bildung eines Großkreises aufzunehmen. Dazu kam es aber nicht. „Wir brauchen keine Abstimmung. Erstmal werden nur Gespräche geführt“, sagte Heinen. Alle Ergebnisse würden den Klubs vorgelegt werden, damit diese darüber entscheiden können. „Das letzte Wort habt ihr.“

Eine Diskussion über die Fusionspläne, die etwa vorsehen, dass alle sechs Kreise eine gemeinsame Kreisliga bilden, gab es ebenfalls nicht. Jöckel (VfL Wildeshausen) und Ludger Stratmann (Ahlhorner SV) äußerten lediglich den Wunsch, auch Kooperationen mit den Kreisen Vechta und Cloppenburg zu prüfen, die laut Heinen jedoch beide eigenständig bleiben wollen. Die meisten Klubvertreter sagten dagegen gar nichts und blieben ob der überraschenden Kehrtwende ihres Kreisvorsitzenden erstaunt zurück. Marco Castiglione (TV Jahn Delmenhorst): „Ich hatte mich auf Diskussionen gefreut, doch die Chance dazu wurde verpasst. Ich verlasse die Versammlung mit einem seltsamen Gefühl.“

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