Nachgefragt: Handball-Routinier des FTSV Jahn Brinkum nimmt Stellung zur aktuellen Situation Herr Schröder, wie geht Abstiegskampf?

Sie haben das Gewinnen doch nicht verlernt, die Handballer des FTSV Jahn Brinkum. Nach fünf Spielen ohne Sieg setzte sich der Verbandsligist im Kellerduell gegen TuRa Marienhafe mit 33:31 durch. In Gänze sorgenfrei sind die Brinkumer damit aber noch lange nicht. Schon in der kommenden Heimpartie gegen den Vorletzten HSG Osnabrück sind sie wieder gefordert, um nicht wieder stärker in den Tabellenkeller zu rutschen. Dennis Schott sprach mit dem 43-jährigen Routinier Stefan Schröder über die aktuelle Situation, die er noch aus ehemaligen Brinkumer Oberliga-Zeiten kennt.
04.02.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Herr Schröder, wie geht Abstiegskampf?
Von Dennis Schott

Sie haben das Gewinnen doch nicht verlernt, die Handballer des FTSV Jahn Brinkum. Nach fünf Spielen ohne Sieg setzte sich der Verbandsligist im Kellerduell gegen TuRa Marienhafe mit 33:31 durch. In Gänze sorgenfrei sind die Brinkumer damit aber noch lange nicht. Schon in der kommenden Heimpartie gegen den Vorletzten HSG Osnabrück sind sie wieder gefordert, um nicht wieder stärker in den Tabellenkeller zu rutschen. Dennis Schott sprach mit dem 43-jährigen Routinier Stefan Schröder über die aktuelle Situation, die er noch aus ehemaligen Brinkumer Oberliga-Zeiten kennt.

Herr Schröder, nach zuvor fünf sieglosen Spielen in Folge haben Sie mit Ihrem Team mal wieder gewonnen. Als wie wichtig erachten Sie diesen Sieg?

Stefan Schröder: Sehr, sehr, sehr wichtig. Alleine für die Moral der Mannschaft war es natürlich super wichtig, gerade wenn man bedenkt, wer bei uns in den vergangenen Wochen alles gefehlt hat oder angeschlagen war. Schon der Punktgewinn vorher beim TuS Haren war wichtig für die Moral. Das hat die Motivation und den Kampfeswillen doch sehr gestärkt.

Mit zunehmender Saisondauer ist das Team immer weiter nach unten gerutscht. Dabei lautete das Ziel: oberes Tabellendrittel, und auch Trainer Sven Engelmann hat immer wieder gesagt, dass die Mannschaft eigentlich zu viel Qualität besitzt, um gegen den Abstieg zu spielen.

Das ist auch definitiv so. Aber alleine von den Spielplänen her ist es so, dass wir in der Hinrunde – gefühlt – nur vier Heimspiele hatten und wir in der Rückrunde fast nur zu Hause spielen. Das schlägt sich nieder, weil wir zu Hause wesentlich besser spielen als auswärts. Das ist wohl unser größtes Manko. Wir müssen uns tabellarisch zwar erstmal ganz klar nach unten absichern, aber die Mannschaften liegen relativ eng beisammen. Gewinnen wir zwei, drei Mal hintereinander, dann stehen wir wieder auf Platz sechs oder sieben. Wir sind noch nicht abgeschlagen, und wir haben es auch noch nicht aufgegeben, da oben hinzukommen.

Es heißt aber: Die Tabelle lügt nicht. Dort ist das Team Elfter von 14 Mannschaften. Deshalb noch einmal gefragt: Ist Brinkum ein Abstiegskandidat?

Nein, nein und nochmals nein. Definitiv nicht!

Das klingt sehr überzeugt. Warum?

Alleine, weil die Qualität der Mannschaft besser ist und wir einige Spiele hatten, die wir einfach blöd verloren haben. Da fehlte manchmal das nötige Quäntchen Glück, weil wir einige Spiele auch nur mit einem Tor Unterschied verloren haben. Hätten wir die gewonnen, was ja möglich gewesen wäre, wären wir oben mit dabei.

Sie sind der erfahrenste Spieler und kennen den Abstiegskampf insbesondere aus ehemaligen Oberliga-Zeiten. Wie funktioniert Abstiegskampf überhaupt?

Abstiegskampf funktioniert so, dass man sich auf einfache Sachen konzentrieren muss. Dass man Sachen, die man kann, auch durchzieht und nicht versucht, mit irgendwelchen Experimenten die Spiele zu gewinnen. Da geht es ums Kämpfen, dass die Mannschaft eine Einheit bildet und sie sich vielleicht noch einen Tick mehr anfeuert, als es sonst der Fall ist. Einfach den einen Schritt mehr machen, als wenn man auf einer Erfolgswelle schwimmt und es von alleine läuft. Wenn du oben stehst und triffst den Innenpfosten, geht der Ball ins Tor. Stehst du unten und triffst den Innenpfosten, geht der Ball nicht ins Tor. So ist das im Abstiegskampf.

Beherzigt die Mannschaft die angesprochenen Tugenden denn auch?

In letzter Zeit würde ich das definitiv bejahen. Wir haben in Haren vor zwei Wochen ohne vier oder fünf Leute gespielt, die sonst immer dabei sind. Dann ist Carsten von der Heyde nach 20 Minuten verletzt ausgefallen, so dass wir kaum noch irgendwelche Wechselmöglichkeiten hatten. Meik Schäfer, der sonst immer am Kreis spielt, hat auf einmal im Rückraum gespielt und hat da ein Bomben-Spiel gemacht. Also die Mannschaft wehrt sich schon, nicht noch weiter abzurutschen.

Die Mannschaft pendelte in den vergangenen Jahren stets zwischen Ober- und Verbandsliga, nun spielt sie im zweiten Jahr in der Verbandsliga und scheint – Stand jetzt – ihr Ziel erneut zu verpassen. Ist daraus eine mittelfristige Tendenz abzuleiten, sprich, dass in Brinkum allenfalls nur noch Verbandsliga-Handball zu sehen ist?

Das ist schwierig. Wir haben mit dem VfL Edewecht natürlich eine Mannschaft in der Liga hat, die viel mehr Möglichkeiten hat als wir. Finanziell und auch vom Personal her. Dann gibt es noch die HSG Delmenhorst, die will schon seit Jahren in die Oberliga und tut auch sehr viel dafür. Da wird im Umfeld deutlich mehr getan. Bei anderen Mannschaften ist es ähnlich, also ist die Konkurrenz nicht klein. Brinkum ist zudem ein schwieriges Pflaster. Wir haben ein hohes Durchschnittsalter, müssen uns unbedingt verjüngen. Es ist aber auch sehr schwierig geworden, junge Leute nach Brinkum zu holen. Wir waren ja an mehreren dran, das hat aber aus den verschiedensten Gründen nicht geklappt. Wenn du keine jungen Leute bekommst, ist es schwer, perspektivisch zu arbeiten. Ziel ist natürlich, irgendwann wieder in die Oberliga aufzusteigen. Aber dafür brauchen wir eben junge Leute, und auch solche, die man nicht erst groß ausbilden muss, sondern die gleich eine Verstärkung sind.

Wie lange kann der Verein noch auf Ihre Dienste bauen?

Da bin ich mir noch gar nicht sicher. Ich spiele, solange es der Körper mitmacht und es mir Spaß macht. In der Verbandsliga unten rumzukrebsen, macht aber keinen Spaß. Und wenn man teilweise mit nur acht, neun Mann zu den Spielen fährt, dann wird es auch schwierig. Ich möchte irgendwo schon eine Perspektive sehen. Ist die nicht da, überlege ich ganz ehrlich, ob ich da noch Lust zu habe.

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