Deutschlands U21-Trainer muss bei der EM die Eitelkeiten seines brillant besetzten Teams moderieren Herrn Hrubeschs Gespür für Stolz

Prag. Das Vorhersagen von Aufstellungen ist seit jeher ein beliebtes Hobby unter Fußballfans, während unter Journalisten geradezu verbissene Wettkämpfe in dieser Disziplin stattfinden. Wer rät richtig? Im Fall der deutschen U 21, die an diesem Mittwochabend gegen Serbien ins EM-Turnier in Tschechien einsteigt, ist die Raterei wenig aussichtsreich.
17.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Theweleit

Das Vorhersagen von Aufstellungen ist seit jeher ein beliebtes Hobby unter Fußballfans, während unter Journalisten geradezu verbissene Wettkämpfe in dieser Disziplin stattfinden. Wer rät richtig? Im Fall der deutschen U 21, die an diesem Mittwochabend gegen Serbien ins EM-Turnier in Tschechien einsteigt, ist die Raterei wenig aussichtsreich. Der Kader von Trainer Horst Hrubesch ist derart ausgeglichen besetzt, dass fast jedem der Sprung in die erste Elf zugetraut werden kann. „Mir steht eine unheimlich breite Palette an Spielern zur Verfügung“, sagt Hrubesch, viele der Fußballer seien sogar „weiter als die Europameister von 2009“.

Die Geschichte der legendären 2009er-Generation ist im Vorjahr rund um Deutschlands WM-Sieg 2014 in Brasilien oft erzählt worden. Mats Hummels, Mesut Özil, Jérôme Boateng, Manuel Neuer, Benedikt Höwedes und Sami Khedira gewannen vor sechs Jahren gemeinsam den EM-Titel mit der U 21, und sie haben danach immer wieder erzählt, wie wertvoll diese Erfahrung ist. Wie sie gelernt hätten sich durchzubeißen, Widerstände zu brechen und den Mannschaftsgeist über die langen Turnierwochen zu pflegen. Um am Ende Weltmeister zu werden.

Den Zahlen nach sind die 2015er sogar weiter als damals die 2009er. Die heutigen Spieler bringen nicht nur die Erfahrung von insgesamt 1298 Pflichtspielen als Profis mit ins Turnier (182 Partien mehr als die 2009er), wie das Magazin „Kicker“ ausgerechnet hat, sie haben mit insgesamt 14 Titeln auch doppelt so viele bedeutende Trophäen gewonnen. Maximilian Arnold und Robin Knoche feierten gerade erst mit dem VfL Wolfsburg den DFB-Pokalsieg, Marc-André ter Stegen wurde mit dem FC Barcelona spanischer Meister und Champions-League-Gewinner, und Matthias Ginter war sogar bei der WM dabei. „Viele von uns sind schon richtig gestandene Profis“, sagt Kapitän Kevin Volland.

So konnte Emre Can, der in der Bundesliga schon für Bayern München und Bayer Leverkusen spielte, in den vergangenen Monaten beim FC Liverpool derart überzeugen, dass er in der kommenden Saison das Erbe des legendären Steven Gerrard im defensiven Mittelfeld antreten darf. „Emre ist ein echter Leader“, findet Hrubesch. Nur: Einen Stammplatz in der U 21 ist dem Deutsch-Türken keineswegs sicher. Weil in Johannes Geis, Max Meyer, Maximilian Arnold, Yunus Malli und Moritz Leitner (einem erklärten Hrubesch-Liebling) gleich fünf andere Kandidaten parat stehen.

Am deutlichsten wird die imposante Leistungsdichte aber auf der Torhüterposition, wo in ter Stegen, Bernd Leno und Timo Horn drei Hochbegabte um einen freien Platz buhlen. Immer wieder war davon zu hören, dass Leno und ter Stegen sich nicht besonders leiden können, weil sie seit Jahren in verschiedenen Jugend-Nationalmannschaften um den Status als Nummer eins konkurrieren. „Der Respekt ist am wichtigsten, und den zeigen wir uns, auch wenn die Situation hart umkämpft ist“, sagt ter Stegen dazu. Ein konstruktiver Umgang mit genau solchen Situationen soll in Prag geschult werden. So wie 2009, als Mats Hummels bis weit ins Turnier hinein nur Ersatzspieler war, weil er nicht an Höwedes und Boateng vorbeikam.

Auch wegen dieser zwischenmenschlichen Herausforderung ist es keineswegs selbstverständlich, dass das brillant besetzte Team durch das Turnier spazieren wird. Aber Hrubesch gilt als Mann mit feinem Gespür für den Umgang mit verletztem Stolz, mit der Enttäuschung der Ersatzspieler. Genau die Fähigkeit, solcherlei Widrigkeiten zu beherrschen, wollen Hrubesch und die anderen Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund ja üben.

Die Mannschaft soll sich durchbeißen, sie soll schwere Hürden vorgesetzt bekommen und diese überwinden. Als Team. Mit dem klaren Ziel, das Turnier in Tschechien zu gewinnen und dann im kommenden Sommer an den Olympischen Spielen teilzunehmen. „So viele Olympiasieger im Fußball gibt es in Deutschland nicht“, sagt Hrubesch. Nur eine Auswahl der DDR hat 1976 in Montreal einmal die Goldmedaille gewonnen. Bis es so weit kommt, müsste die U 21 aber erst mal das Abenteuer in Tschechien meistern.

Spielplan U 21-EM

Vorrunde, Gruppe A

Deutschland - Serbien Mi., 20.45

Deutschland - Dänemark Sbd. 20.45

Tschechien - Deutschland Di., 20.45

Gruppe B

Italien Schweden

England Portugal

Halbfinale

1. Gruppe B - 2. Gruppe A

1. Gruppe A - 2. Gruppe B beide Sbd., 27. Juni

Finale

Sieger HF1 - Sieger HF2 Di., 30.Juni

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