Japanischer Fernsehsender finanziert eine Studie für den unterschenkelamputierten Weitspringer Markus Rehm Hilfe aus Fernost

Köln. Aus Japan, dem Land, in dem die Olympischen Spiele 2020 stattfinden werden, bekommt der Leverkusener Weitspringer Markus Rehm nun die Hilfe, die er dringend braucht, um vielleicht nicht nur bei den Paralympics 2016, sondern auch bei den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro starten zu dürfen. Ein japanischer Fernsehsender, der den unterschenkelamputierten Athleten seit mehreren Monaten im Training und bei Wettkämpfen begleitet, finanziert eine internationale wissenschaftliche Studie.
20.04.2016, 00:00
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Von Susanne Rohlfing

Aus Japan, dem Land, in dem die Olympischen Spiele 2020 stattfinden werden, bekommt der Leverkusener Weitspringer Markus Rehm nun die Hilfe, die er dringend braucht, um vielleicht nicht nur bei den Paralympics 2016, sondern auch bei den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro starten zu dürfen. Ein japanischer Fernsehsender, der den unterschenkelamputierten Athleten seit mehreren Monaten im Training und bei Wettkämpfen begleitet, finanziert eine internationale wissenschaftliche Studie. Diese soll klären, ob Rehm durch seine Unterschenkelprothese einen Vorteil gegenüber Weitspringern mit zwei gesunden Beinen hat.

„Das ist toll und ein bisschen verrückt“, sagt Rehms Trainerin Steffi Nerius. „Aber es ist auch traurig für den deutschen Sport, dass die das in Japan schaffen und hier ist so etwas nicht möglich.“ Markus Rehm selbst war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach einer Woche wissenschaftlicher Untersuchungen in Köln steht für ihn nun eine weitere Testreihe in Tokio an. Denn neben dem Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln sind auch das National Institute of Advanced Industrial Science and Technology/Human Informatics Research Institute in Tokio und das Department of Integrative Physiology der University of Colorado Boulder in den USA an der Studie beteiligt. Die Ergebnisse sollen Anfang Juni in Köln präsentiert werden, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Presseerklärung Rehms, der Sporthochschule und des Deutschen Behinderten-Sportverbandes (DBS).

Der Fernsehsender will die Untersuchungen offenbar dazu nutzen, um in einer Sendung über Rehm der Frage nachzugehen, wieso der 27-Jährige so viel weiter springt als andere Athleten mit einer vergleichbaren Behinderung und wieso er selbst mit nicht behinderten Weitspringern mithalten kann. Zuletzt stellte Rehm Ende Oktober 2015 bei der WM der Behindertensportler in seiner Klasse mit 8,40 Metern wieder mal einen Weltrekord auf und siegte mit 1,14 Meter Vorsprung vor dem Holländer Ronald Hertog. Weltweit sprangen nur drei Männer mit zwei gesunden Beinen im vergangenen Jahr weiter als diese 8,40 Meter von Rehm.

An den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2016 in Peking durfte der Orthopädiemechanik-Meister wegen eines vermeintlichen Vorteils durch seine Carbon-Prothese jedoch nicht teilnehmen. Nachdem Rehm 2014 mit einem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften der Nichtbehinderten für einigen Wirbel gesorgt hatte und vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) dennoch nicht mit zu den Europameisterschaften in Zürich genommen worden war, verhinderte man einen weiteren Gewissenskonflikt dieser Art mit der Einführung einer neuen Regel: Behindertensportler dürfen in der deutschen Leichtathletik zwar an den Wettkämpfen der Nichtbehinderten teilnehmen, aber nur in einer getrennten Wertung.

Markus Rehm kämpfe seither dagegen an, dass seine sportliche Leistung allein auf seine Prothese reduziert werde, erklärt seine Trainerin Steffi Nerius. „Trainingsqualität und Talent spielen in der öffentlichen Wahrnehmung oft gar keine Rolle, deshalb will er unbedingt wissen, was los ist, ob er wirklich einen Vorteil hat.“ Erst im zweiten Schritt werde man sich dann mit einer möglichen Olympiateilnahme in Rio auseinandersetzen. Klar ist aber wohl: Sollten die Untersuchungen ergeben, dass Rehm keinen Vorteil hat, wird er hart darum kämpfen, in Rio starten zu dürfen. Nerius sagt: „Er will fair behandelt werden.“

Vonseiten des DBS erhält Rehm zwar keine finanzielle Unterstützung, aber zumindest „volle Rückendeckung“, so formuliert es DBS-Präsident Julius Beucher. Die im vergangenen Jahr eingeführte Regel des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), dass ein Behindertensportler beweisen muss, keinen Vorteil zu haben, wenn er bei den Nichtbehinderten starten will, hält er für „schäbig und unsportlich“. Beucher sagt: „Wenn jemand, dem ein Bein fehlt, eine vergleichbare Leistung bringt wie die besten Weitspringer mit zwei Beinen, unterstreicht das nur seine sportliche Weltklasse.“

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