Hockeystützpunkt beim Bremer HC

Top-Trainer für die Top-Talente

Namhafte Hockeytrainer kümmern sich beim Stützpunkttraining in Bremen um die Nationalspieler von morgen. Bis Weihnachten wird es sechs Maßnahmen geben. Jetzt war der Herren-Bundestrainer vor Ort.
22.11.2020, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Top-Trainer für die Top-Talente
Von Frank Büter

Bremen. „Gut gehalten“, ruft Kais al Saadi über den halben Platz. Dazu reckt der Nationaltrainer der deutschen Hockey-Herren den rechten Daumen deutlich sichtbar in die Höhe. Mit einer tollen letzten Parade hat Torfrau Angelina Blietz soeben für die Entscheidung in diesem Torschuss-Contest gesorgt. Das Lob tut ihr sichtlich gut. „Das ist schon ein cooles Gefühl und freut mich sehr“, sagt Angelina Blietz. Sie ist Torfrau beim Bremer HC und spielt in der Jugend B. An diesem Sonnabend aber mischt sie beim Stützpunkttraining der weiblichen und männlichen Jugend-National- und -Perspektivspieler der Jahrgänge 2003 bis 2005 mit; die besten Jungs und Mädchen aus Niedersachsen und Bremen haben sich am Heinrich-Baden-Weg versammelt.

Angelina Blietz ist noch 14 Jahre jung und damit auch die Jüngste im Feld der diesmal 16 Personen starken Gruppe. Ein Länderspiel hat sie bis dato noch nicht bestritten, aber sie hat den Ehrgeiz, das zu erreichen. Sie ist froh, dass sie dabei sein darf bei dieser Stützpunktmaßnahme. Dass sie mittrainieren darf mit diesen starken Talenten. „Ich will mich entwickeln und besser werden“, sagt sie. Dafür sei es gut, sich mit den anderen in der Gruppe messen zu können.

In einer Gruppe, die an diesem Tag angeleitet wird von Kais al Saadi, der seit einem Jahr als Auswahlcoach der DHB-Herren fungiert. In einer Woche wird er seine Nationalspieler wieder für sieben Tage um sich scharen, um die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes fit zu machen für Olympia 2021 in Tokio. An diesem Sonnabend aber kümmert er sich in Bremen um den Nachwuchs von morgen, ums Team Olympia 2028 oder später sozusagen. „Mir bedeutet das ganz viel“, sagt al Saadi. „Ich komme ja aus der Jugend, habe für den UHC und den Hamburger Verband, aber auch für den DHB 20 Jahre Jugendarbeit gemacht. 20 Jahre am Stück – und immer mit großer Begeisterung.“

Als Mensch und als Trainer, sagt al Saadi, sei er daran gewachsen. „Das ist das Herzstück der Arbeit“, betont der 43-Jährige. Mit fertigen Nationalspielern, die alles mitbringen würden, könne ja jeder arbeiten, sagt der Hamburger und schmunzelt ein wenig. „Aber in der Jugend zu wirken, mit vielen unterschiedlichen Charakteren und Entwicklungsstufen, das hat mir immer am meisten Freude bereitet.“ Und das war auch der Grund, sagt er, warum er gleich zugesagt habe, als man ihn bat, in Bremen ein solches Stützpunkttraining zu leiten.

Kais al Saadi tut dies mit der von ihm selbst beschriebenen Begeisterung. Er motiviert die Talente. Er fordert sie. Er erklärt prägnant und klar in der Ansprache. Und er streut immer wieder Übungen in Wettkampfform ein, um die Motivation hochzuhalten. Wie den eingangs erwähnten und von Blietz entschiedenen Torschuss-Contest. Beeindruckend überdies: Binnen einer Stunde schafft es Kais al Saadi, alle Nachwuchsspieler mit dem Vornamen anzusprechen – dabei hat er nicht einen dieser Spieler vorher jemals gesehen. „Naja, ein paar Fehler habe ich am Anfang noch gemacht“, sagt Kais al Saadi lächelnd.

Der DHB-Coach kommt an mit seiner Art. Er trifft den Ton. „Für die jungen Athleten ist es eine super Erfahrung, unterschiedliche Trainertypen kennenzulernen, neuen Input zu bekommen und auch mal eine andere Ansprache zu erleben“, sagt Martin Schultze. Der Cheftrainer und Geschäftsführer des Bremer HC fungiert zugleich als kommissarischer Landestrainer für den weiblichen Jugendbereich in Bremen; er hat maßgeblich daran mitgewirkt, dass den insgesamt 18 Aktiven ein solches Stützpunkttraining geboten werden kann. Die Talente nutzen das gerne und reisen dafür sogar aus Braunschweig bereits am frühen Morgen mit den Zug an.

Mit einer Sondergenehmigung des Sportamtes treffen sich diese Nachwuchsspieler zurzeit einmal wöchentlich am Sonnabend auf der Anlage am Heinrich-Baden-Weg. Und im wöchentlichen Wechsel geben sich dabei prominente Trainer des Deutschen Hockey-Bundes die Klinke in die Hand. U 21-Nationalcoach Valentin Altenburg war schon da; er hat die Auftaktveranstaltung übernommen. Diesmal ist es Kais al Saadi, der Herren-Bundestrainer, der die Einheit leitet. Und demnächst kommt auch die Trainer-Ikone des DHB schlechthin nach Bremen: Markus Weise, der als Cheftrainer mit der Damenmannschaft einmal, 2004 in Athen, und mit der Herrenmannschaft sogar zweimal, 2008 in Peking und 2012 in London, olympisches Gold gewonnen hat, wird ebenfalls eine Einheit leiten.

„Es ist schön, dass Bremen damit auch mal Beachtung findet beim DHB“, sagt Martin Schultze. „Und es ist schön, dass die Talente mal in den Genuss kommen, mit den absoluten Top-Trainern des deutschen Hockeys trainieren zu können.“ Selbstverständlich sei das in dieser Form nicht, da Bremen nun mal nicht zu den fünf großen Stützpunkten im Bundesgebiet zähle. Sechs solcher Termine sind insgesamt geplant, der letzte am Sonnabend vor Weihnachten. „Für den Nachwuchs ist das ein ganz wichtiges Zeichen“, sagt Schultze mit Blick auf die Top-Talente, die auf dem Rasenrechteck trotz kühler Witterung mit vollem Einsatz dabei sind.

Das Gros dieser Talente, gleich 13 an der Zahl, stellt übrigens der Bremer HC, die BHC-Vereinsanlage ist deshalb auch nicht von ungefähr Standort dieser Maßnahme. Ein weiteres Talent ist Gesa Lubinski. Die 16-Jährige spielt beim benachbarten Club zur Vahr, lebt aber in Oldenburg und pendelt in schöner Regelmäßigkeit nach Bremen. Gesa Lubinski hat bereits sieben Spiele in der U 16-Nationalmannschaft bestritten, jetzt ist sie in die U 18 aufgerückt. „Ich möchte weiter meinen Traum leben und mich verbessern“, sagt sie. Maßnahmen wie dieses Stützpunkttraining helfen Gesa Lubinski dabei, „das macht unglaublich viel Bock“.

Bock, also Spaß, hatte auch Bundestrainer Kais al Saadi. „Und die Kids ja offensichtlich auch“, sagt er. „Die sind nicht nur richtig, richtig gut, sondern auch mit megagroßer Begeisterung dabei. Da wird einem trotz niedriger Temperaturen schnell warm.“

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