Bayer Leverkusen droht nach dem 1:2 gegen den FC Ingolstadt eine Winterpause voller unangenehmer Debatten Höhnische Gesänge

Leverkusen. Es war eine reichlich schräge Version von „Jingle Bells“, die den Zuschauern in der BayArena sechs Tage vor Heiligabend serviert wurde. Als vorweihnachtlicher Freudenhappen bei Treffern der Heimmannschaft war die Version vorbereitet, aber die Regie musste nur einmal aufs Knöpfchen drücken.
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Von Andreas Morbach

Leverkusen. Es war eine reichlich schräge Version von „Jingle Bells“, die den Zuschauern in der BayArena sechs Tage vor Heiligabend serviert wurde. Als vorweihnachtlicher Freudenhappen bei Treffern der Heimmannschaft war die Version vorbereitet, aber die Regie musste nur einmal aufs Knöpfchen drücken. Denn bei den Toren der Gäste vom FC Ingolstadt blieb die Lautsprecheranlage stumm. Den Leverkusener Fans war das erkennbar zu wenig, vier Minuten vor Schluss fingen sie deshalb selbst an zu singen. „Oh, wie ist das schön”, erklang es etwas wundersam aus der Nordkurve. Das allerdings war nur der höhnische Kommentar zum 1:2 des Champions-League-Vertreters gegen die abstiegsbedrohten Oberbayern.

Mit dem hochverdienten Auswärtserfolg krabbelte das Team von Maik Walpurgis hinauf auf den Relegationsplatz. Der Plan der Leverkusener, den Rivalen Köln beim Derby am Mittwoch am Ende einer komplizierten Hinrunde doch noch zu überflügeln, ist bei nun vier Punkten Rückstand für das Jahr 2016 passé. Wie es im Januar weitergehen soll, dazu machten vereinzelte Bayer-Fans einen erwartbaren Vorschlag. „Roger raus”, riefen sie um 19.04 Uhr, „Schmidt raus” um 19.11 Uhr – und als die dritte Heimniederlage der Saison aktenkundig war, sagte Innenverteidiger Jonathan Tah zum Thema Trainerentlassung: „Das beachte ich gar nicht.”

Sportchef Rudi Völler betonte, Schmidt stehe nicht zur Disposition. Man habe schließlich, vor allem in der Champions League, zuletzt auch gute Spiele abgeliefert. „Wir haben einen sehr, sehr guten Trainer”, befand Völler. Im Pokal aber ist Schmidts Ensemble ausgeschieden, in der Liga sind die Königsklassenplätze sieben Punkte entfernt. Bei einer Niederlage in Köln erwartet den Vorjahresdritten eine unangenehme Winterpause. Die erste Halbzeit gegen Ingolstadt hatte ein erbarmungswürdiges Niveau, das 0:1 durch Alfredo Morales (26.) war die Quittung. Roger Schmidt reagierte mit zwei Wechseln zur Pause, für Danny da Costa und Julian Baumgartlinger kamen Wendell und Julian Brandt. Den Jung-Nationalspieler wollte der Bayer-Coach eigentlich erst gegen Ende der Partie als Joker bringen, die akute Notlage erforderte aber eine rasche Gegenmaßnahme. Der Plan war aber schon vier Minuten nach Wiederbeginn durchkreuzt – mit der Gelb-Roten Karte gegen den Chilenen Charles Aranguiz. In Unterzahl hatten die Gastgeber ihre beste Phase. Einen Aussetzer von Ingolstadts Verteidiger Roger nutze Brandt zu einem Pass auf Admir Mehmedi, der zum Ausgleich traf.

Doch Ingolstadt fand mit Mut zurück in die Partie – und kam in der 73. Minute durch Almog Cohen zum Siegtreffer. „Das war ein total schlechtes Spiel von uns, so kann es einfach nicht weitergehen”, schnaubte Bayer-Abwehrmann Tah und forderte für das Spiel in Köln: „Wir müssen mental da sein, Männer sein.” Trainer Schmidt hatte Verständnis für den Frust des 20-Jährigen, brachte aber zugleich die Qualität des Gegners mit ins Spiel. „Ingolstadt war in absoluter Topform, wir nicht”, sagte er und bekannte: „Unsere Enttäuschung ist riesengroß, weil wir mit einem Sieg einen großen Schritt nach oben hätten machen können.”

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