Beim Volksbank-Cup treten morgen frühere Fußballgrößen an, die interessante Geschichten zu erzählen haben Hoffnungsträger und Skandalprofis

Eine Auswahl mit Ex-Profis bekommt es morgen beim Volksbank-Cup in der Delmenhorster Stadionhalle mit deutlich jüngeren Gegenspielern aus der Regional- und Oberliga zu tun. Dennoch ist dem Team einiges zuzutrauen, denn zum Aufgebot zählen Akteure, die schon auf der ganz großen Fußballbühne gestanden haben.
16.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Hoffnungsträger und Skandalprofis
Von Christoph Bähr

Eine Auswahl mit Ex-Profis bekommt es morgen beim Volksbank-Cup in der Delmenhorster Stadionhalle mit deutlich jüngeren Gegenspielern aus der Regional- und Oberliga zu tun. Dennoch ist dem Team einiges zuzutrauen, denn zum Aufgebot zählen Akteure, die schon auf der ganz großen Fußballbühne gestanden haben.

Turnierorganisator Murat Kalmis hat gestern noch die letzten Flüge gebucht und Bestätigungen eingeholt. Jetzt steht das Allstar-Team, das morgen unter dem Namen „Onuk Sportsmanagement“ beim Volksbank-Cup in der Delmenhorster Stadionhalle antritt. Mit dabei sind Uefa-Cup-Sieger, türkische Meister und sogar ein aktueller Galatasaray-Spieler. Sie sorgten in der Vergangenheit für viele Schlagzeilen, nicht alle waren positiv.

Engin Baytar

Er gilt an guten Tagen als einer der besten Mittelfeldspieler d

er Türkei, aber auch als Skandalprofi. Nicht wenige Experten trauten Engin Baytar eine ganz große Karriere zu, doch der gebürtige Bielefelder stand sich immer wieder selbst im Weg. 2010 gewann er mit Trabzonspor den türkischen Pokal und war der überragende Mann beim 3:1-Finalsieg gegen Fenerbahce. Kurz darauf aber überwarf sich Baytar mit Trainer Senol Günes und wurde suspendiert. Der Streit gipfelte 2011 in Baytars Abgang, und Galatasaray schlug zu. Beim Rekordmeister avancierte der kampfstarke Mittelfeldmann zum Leistungsträger und gewann 2012 die Meisterschaft. Wenige Monate nach dem großen Erfolg erlaubte sich der heute 31-Jährige jedoch einen fatalen Aussetzer: Während des Supercup-Spiels gegen Fenerbahce packte Baytar den Schiedsrichter am Kragen, sah die Rote Karte und wurde für elf Partien gesperrt. Galatasaray verhängte eine hohe Geldstrafe gegen den einmaligen Nationalspieler, der danach nicht wieder Fuß fasste. Der Klub plant jetzt nicht mehr mit Baytar. Das Enfant terrible soll aktuell vor einem Wechsel zu Eskisehirspor stehen, wo Michael Skibbe seit Kurzem Trainer ist.

Sean Dundee

Es war das Jahr 1997, als die Hoffnung der ganzen Fußball

nation auf Sean Dundee lastete. Im Land des aktuellen Weltmeisters herrschte damals akute Stürmernot. Dundee hatte für den Karlsruher SC gerade 33 Tore in zwei Jahren erzielt. Also war der Südafrikaner der erste Spieler, den der DFB im Schnellverfahren einbürgerte, damit er für das Nationalteam auflaufen kann. Der Torjäger war danach jedoch öfter verletzt und brachte es lediglich auf einen Einsatz für die A2-Nationalmannschaft. 1998 verließ er Karlsruhe und ging zum FC Liverpool, doch in der Premier League spielte Dundee nur dreimal. Es folgten vier gute Jahre beim VfB Stuttgart, ehe der Mann mit dem Spitznamen „Tor-Krokodil“ seine Laufbahn in unteren Ligen ausklingen ließ. In der vergangenen Saison spielte der 42-Jährige noch einige Male für den VSV Büchig in der Kreisklasse A. Primär arbeitet Dundee jetzt aber als Trainer in einer Fußballschule bei Karlsruhe.

Ali Günes

Die Saison 1998/99 war der große Durchbruch: Ali Günes rückte in den Profikader des SC Freiburg auf und erkämpfte sich sofort einen Stammplatz.

In 32 Bundesliga-Spielen traf er viermal. 2000 verließ der Offensivakteur Freiburg in Richtung Türkei, wo er für Fenerbahce spielte und mit Besiktas Pokalsieger wurde. Einmal durfte Günes auch für die Nationalmannschaft auflaufen. Aktiv ist der 36-Jährige heute immer noch: für den FC Villingen 08 in der Oberliga. Zuvor spielte er bereits für einige andere Amateurklubs, fiel dabei allerdings öfter unangenehm auf und wurde unter anderem wegen Bedrohung eines Unparteiischen für ein Jahr gesperrt. „Einst gefeierter Fußballer, heute ein Raufbold“ betitelte die Badische Zeitung im November 2013 eine Geschichte über Günes, in Villingen machte er seit Saisonbeginn aber vor allem sportlich von sich reden und schoss bereits zwei sehenswerte Tore.

Ümit Karan

Der „Eiskalte“ nannten ihn die Fans von Galatasaray ehrfurchtsvoll. In der Saison 2006/06 traf Ümit Karan nahe

zu aus jeder Lage für den Traditionsklub – in 39 Pflichtspielen gelangen ihm 24 Tore. Dreimal wurde der Stürmer, der zehn Länderspiele für die Türkei bestritt, Meister mit „Gala“. Der gebürtige Berliner war in Istanbul einer der beliebtesten Spieler. Nach dem Karriereende im Jahr 2011 sorgte der inzwischen 38-jährige Karan allerdings für Negativschlagzeilen: Der türkische Fußballverband suspendierte ihn für zwei Jahre, weil er in seiner letzten Saison als Spieler ein Ligaspiel seines Klubs Eskisehirspor manipuliert hatte.

Kerem Inan

Als Nummer zwei hinter dem brasilianischen Weltmeister-Torwart Taffarel erlebte er den Uefa-Cup-Sieg von Galatasaray im Jahr 2000 mit. Insgesamt vier Jahre lang blieb dem talentierten Schlussmann nur die Rolle des Ersatzkeepers. Immerhin sammelte er Titel und wurde dreimal Meister sowie zweimal Pokalsieger. 2003 verließ der 34-Jährige dann Galatasaray und tingelte von Klub zu Klub, ehe seine Laufbahn 2013 endete.

Koray Avci

Sechsmal trug Koray Avci das Trikot der türkischen Nationalelf. In der Liga fiel der Abwehr- und Mittelfeldspieler vor allem in seiner Zeit bei Besiktas auf, große Titel blieben ihm aber versagt.

Cem Karaca

In Deutschland schaffte er den großen Durchbruch nicht: Beim 1. FC Kaiserslautern stand Cem Karaca zwar von 1994 bis 1997 im Profikader, kam aber nicht zum Einsatz. Danach war der Offensivmann beim Zweitligisten FC St. Pauli zumeist der Joker. In der Türkei lief der 38-Jährige unter anderem für Fenerbahce auf und spielte für verschiedene Jugendnationalteams.

Außerdem im Kader der Auswahl stehen Fatih Cerci (ehemals Galatasaray), Sedat Yesilkaya (ehemals Genclerbirligi), Sefket Fikretov Mustafov (ehemals Profi in Bulgarien), Burhan Saatcioglu (ehemals Antalyasport) und Ekrem Onuk, Ex-Profi und jetzt Inhaber von Onuk Sportsmanagement.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+