Reaktionen auf neuen Hertha-Trainer Huder Torhüter erinnern sich an Rehhagel

Hude. Die Presse schreibt von der "Rückkehr des Königs" und dem "Retter Rehhagel". Das überraschende Engagement von Trainer-Legende Otto Rehhagel beim abstiegsgefährdeten Bundesligisten Hertha BSC Berlin sorgt in der Fuißballszene für Verwunderung.
22.02.2012, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Huder Torhüter erinnern sich an Rehhagel
Von Christoph Bähr

Hude. Die Presse schreibt von der "Rückkehr des Königs", dem "Retter Rehhagel" und der "Ottokratie als Berliner Gesetz". Das überraschende Engagement von Trainer-Legende Otto Rehhagel beim abstiegsgefährdeten Bundesligisten Hertha BSC Berlin sorgt in der Fußballszene für Verwunderung und reichlich Gesprächsstoff. Auch bei zwei früheren Bundesliga-Torhütern aus der Gemeinde Hude, die mit Rehhagel ihre ganz besonderen Erfahrungen gemacht haben: Hans-Jürgen Gundelach und Ralf Eilenberger.

Als Hans-Jürgen Gundelach von Otto Rehhagels Rückkehr auf die Trainerbank erfuhr, musste er sofort an ein altes Musikvideo denken. Es zeigt die Werder-Mannschaft aus dem Jahr 1995, wie sie ihrem scheidenden Übungsleiter im Tonstudio ein Abschiedsständchen singt. Gundelach steht in der ersten Reihe, genauso wie Thomas Schaaf. Lauthals singen die Fußballer den Refrain: "König Otto von Bremen, hast so lang und gut regiert". "Das alte Video habe ich mir jetzt mal wieder angeschaut und danach noch weitere von Ottos Zeit in Bremen. Ich habe viele schöne Erinnerungen an damals", sagt Gundelach, der einen Computerladen in Hude besitzt.

Von 1992 bis 1995 trainierte der Torhüter unter Rehhagel. "Er war der beste Trainer, den ich hatte", betont Gundelach, der zu Rehhagel seit dessen Abschied Richtung München keinen Kontakt mehr hat. Dass der Altmeister nun zurückkehrt, sei gut für die Bundesliga, findet der 48-jährige Ex-Profi. Dennoch sieht er das Engagement des inzwischen 73-Jährigen bei Hertha BSC Berlin skeptisch. "Er wird es schwer haben. Früher war doch alles anders. Wir haben nicht so trainiert und auch nicht so gespielt wie die Profis heute. Das Tempo ist jetzt höher, der körperliche Einsatz auch. Dazu gibt es einen Trainerstab, der fast größer ist als der Spielerkader", meint Gundelach. Zu seiner aktiven Zeit hatte es der Schlussmann bei Werder lediglich mit Trainer Rehhagel und Assistent Karl-Heinz Kamp zu tun. "Der Co-Trainer hat auch das Torwarttraining übernommen. Mehr Leute hat Otto nicht an die Mannschaft herangelassen", berichtet Gundelach, der glaubt, dass Rehhagel auch in Berlin einen kleinen Kreis

von Vertrauten rund um das Team aufbauen wird. "Er wird diesen Kreis auf drei oder vier Leute beschränken. Otto muss einfach der absolute Chef sein. Damit wird er anecken. In Bremen gab es niemanden, der ihm im sportlichen Bereich reinredete. In Berlin wollen sicherlich viele mitmischen. Daran ist Rehhagel damals auch schon bei Bayern München gescheitert", erinnert Gundelach.

Beim Debüt ein Sieg gegen Werder

Wenn Ralf Eilenberger über den 11. August 1990 spricht, gerät der sonst so ruhige Trainer des Frauenfußball-Regionalligisten SF Wüsting-Altmoorhausen ins Schwärmen: "Das war einfach fantastisch", sagt der 46-jährige Ex-Torhüter, der an ebenjenem Sommertag sein Bundesliga-Debüt mit dem Aufsteiger SG Wattenscheid 09 feierte - gegen Werder, gegen Rehhagel. "So ein Erlebnis vergisst du nie", betont Eilenbeger, dessen Mannschaft damals gleich am ersten Spieltag der Saison 1990/1991 für eine faustdicke Überraschung sorgte und Werder im Lohrheidestadion vor rund 12000 Zuschauern mit 2:0 bezwang. Bis zum Abstieg der Wattenscheider am Ende der Saison 1993/1994 spielte Eilenberger noch zwei weitere Male gegen Rehhagels Werder - am 1. Mai 1993 2:2 in Wattenscheid, am 25. September 1993 0:0 in Bremen. Im Gedächtnis geblieben ist dem Ex-Profi (insgesamt 54 Bundesligaspiele) dabei vor allem ein ganz besonderes Geräusch: "Rehhagel hat am Spielfeldrand immer sehr laut gepfiffen.

Das konnte ich auch im Tor gut hören. Es gibt nur wenige, die das so können."

Dass "König Otto", der mit der griechischen Nationalelf 2004 Europameister wurde, nun auf die Bühne Bundesliga zurückkehrt, hält Eilenberger für den richtigen Schritt. "Ich war überrascht, als die Nachricht kam, aber der Erfolg spricht ganz klar für ihn", sagt der Wüsting-Coach - und führt ein prominentes Beispiel an: "Giovanni Trapattoni ist auch schon 72 und fährt im Sommer mit Irland zur EM." Schließlich sei Rehhagel kein alter Greis, "er sieht doch 15, 16 Jahre jünger aus, als er ist", schmunzelt Eilenberger.

Auch Hans-Jürgen Gundelach hat festgestellt, dass Rehhagel "sein Alter nicht anzumerken ist". Dennoch sieht der Ex-Werderaner auf den Trainer-Veteran ein großes Problem zukommen: die Medienvielfalt in der Hauptstadt. "Rehhagel konnte nie gut mit der Presse. Kommt er in Berlin einigen Journalisten quer, dann zerlegen sie ihn. Das ist dort doch ganz anders als in Bremen", befürchtet Gundelach. Was die Taktik angeht, erwartet er, dass Rehhagel auf die Defensive setzt. "Hinten zu null spielen, und vorne hilft der liebe Gott, hat er immer gesagt. So wird er auch bei Hertha verfahren." Dass die Trainer-Legende in Berlin den Libero wieder aufleben lässt, glaubt Gundelach jedoch nicht. "Das geht heutzutage nicht mehr. Er wird mit einer Viererkette spielen, jedoch die zwei Innenverteidiger sehr defensiv agieren lassen." Zudem könne Rehhagel Spieler motivieren "wie kein anderer".

Dennoch geht der Huder davon aus, dass die Hertha selbst mit dem erfahrenen Erfolgstrainer aus der Bundesliga absteigt. Die Mannschaft sei einfach zu schwach. "Otto wird in Berlin aufräumen. Wenn Spieler durch Egoismus auffallen, fliegen sie raus. Da ist Rehhagel konsequent, doch der Kader ist dafür nicht breit genug aufgestellt", sagt Gundelach. Er weiß noch, dass es früher bei Werder äußerst unangenehm werden konnte, wenn Spieler Mannschaftsinterna nach außen trugen. "Da versteht Rehhagel keinen Spaß. Probleme sollte man mit ihm persönlich klären, nicht über die Öffentlichkeit. Wenn Spieler sich nicht daran hielten, gab es ein sehr ernstes Gespräch. Danach hat sich jeder dreimal überlegt, ob er so etwas nochmal macht."

Mit Beate und Otto am Flughafen

Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Berufskollegen räumt Ralf Eilenberger den Berlinern gute Chancen auf den Klassenerhalt ein. "Ich traue Otto zu, dass er die Mannschaft in der Liga hält. Der Kader hat das Potenzial dazu." Die Spieler würden einem solch erfahrenen und erfolgreichen Trainer schließlich schnell vertrauen. "Zu meiner Zeit war er auf jeden Fall ein Kandidat, unter dem ich gerne gespielt hätte."

Auch Gundelach hebt die familiäre Atmosphäre hervor, die zu Rehhagels Zeiten rund ums Weserstadion geherrscht habe. "Otto hat jedem Spieler das Gefühl gegeben, dass er gebraucht wird." Gerne erinnert sich der Torhüter an seine ersten Telefongespräche mit Rehhagel, der ihn unbedingt an die Weser holen wollte. "Ich hatte mich damals schon mit dem 1. FC Saarbrücken geeinigt, doch Otto überzeugte mich davon, zu Werder zu wechseln." Also sagte Gundelach in Saarbrücken ab und flog nach Bremen, wo ihn Otto und Beate Rehhagel am Flughafen abholten. "Ich denke gerne daran zurück, wie die beiden dort auf mich gewartet haben. Sofort hatte ich einen sehr guten Eindruck von ihnen, der sich bestätigen sollte." Auf den Trainer, mit dem er 1993 die Deutsche Meisterschaft und 1994 den DFB-Pokal gewann, lässt Gundelach nichts kommen. "Als Otto damals Werder verließ, war die ganze Mannschaft sehr traurig. Wir wussten alle, dass nun andere Zeiten anbrechen", blickt der frühere Torhüter zurück.

Für die Aufgabe bei Hertha BSC drückt der Huder seinem alten Trainer die Daumen. Die kommenden Partien der Berliner will er aufmerksam verfolgen. "Für das ein oder andere schöne Spiel wird Otto sorgen, auch wenn die Mannschaft am Ende absteigen sollte. Zu verlieren hat Rehhagel sowieso nichts. Er hat ja schon alles erreicht."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+