Nachgefragt: Wildeshausens Trainer Marcel Bragula über die Nordhorn-Niederlage und die Rolle der Jugendarbeit „Ich sehe das große Ganze“

Die Euphorie nach dem Aufstieg in die Fußball-Landesliga war schier endlos. Doch nun erhält eben diese Euphorie durch einen misslungen Saisonstart beim VfL Wildeshausen Risse.
11.08.2015, 00:00
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Die Euphorie nach dem Aufstieg in die Fußball-Landesliga war schier endlos. Doch nun erhält eben diese Euphorie durch einen misslungen Saisonstart beim VfL Wildeshausen Risse. Denn nach dem überraschenden Bezirkspokal-Aus beim TV Dötlingen kassierte die Mannschaft zum Auftakt im heimischen Krandelstadion gleich eine 0:4-Klatsche gegen Vorwärts Nordhorn – ebenfalls ein Aufsteiger. Der Trainer Marcel Bragula konnte sich diese Leistung noch direkt nach dem Spiel am Sonntag nicht erklären. Mit Kim Patrick Puhlmann sprach der 40-Jährige über den verpatzten Saisonstart und das Projekt VfL Wildeshausen.

Herr Bragula, nach der deutlichen Niederlage gegen Nordhorn waren Sie fast sprachlos. Nun ist etwas Zeit vergangen, können Sie sich die Leistung Ihrer Spieler inzwischen erklären?

Marcel Bragula: Nicht so wirklich. Vielleicht war in den Köpfen einiger Spieler doch noch das Pokalaus verankert. Eventuell war die Mannschaft deshalb nicht so gefestigt. Wir hatten ja eigentlich alles im Griff, hätten sogar in Führung gehen müssen. Dann bekommen wir das Gegentor. Die Fehlpass-Quote in der zweiten Halbzeit war unglaublich hoch, normalerweise haben wir einen sicheren Aufbau. Ich bin auch von meinen Führungsspielern enttäuscht, da hätte mehr kommen müssen. Es war einfach ein gebrauchter Tag.

Die Aufgaben in der Landesliga werden nicht einfacher. . .

Das ist mir durchaus bewusst. Dass wir gegen den Abstieg spielen werden, war uns doch allen schon vorher bewusst. Aber wir haben uns sportlich für diese hohe Klasse qualifiziert, und diese Aufgabe nehmen wir gerne an. Oder hätten wir uns abmelden sollen?! Die Ausfälle von Storven Bockhorn (Bandscheibenvorfall, Anm. d. Red.), Majues Gebhardt-Bauer (Rückenprobleme, Anm. d. Red) und jetzt auch noch Janek Jacobs, der sich gegen Nordhorn verletzt hat, sind da selbstverständlich überhaupt nicht hilfreich. Diese Spieler können wir einfach nicht ersetzen. Außerdem befinden wir uns gerade in der Urlaubszeit, und die geht noch bis Ende September. Es ist selbstverständlich, dass wir in dieser Zeit Probleme haben werden. Diese gilt es zu lösen, es geht nicht darum, sich zu beklagen.

Was genau meinen Sie damit?

Unser Kader ist in der Breite so ausgelegt, dass unsere Zugänge aus unteren Ligen und die A-Jugendspieler diese Rollen der fehlenden Spieler erfüllen müssen. Aber die Jungen entwickeln sich noch. Diese Entwicklung findet im Training und nicht in den Landesliga-Partien statt.

Sie sprechen Ihren Kader an. Der VfL Wildeshausen zahlt nach eigener Aussage weder Ablöse noch Gehälter, sodass Sie vermehrt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Ist das der richtige Weg, um in der Landesliga zu bestehen?

Das wird sich zeigen. Aber ich sehe das große Ganze. Der Verein ist nicht davon abhängig, dass die erste Herrenmannschaft im Fußball in ganz hohen Ligen spielt. Dass wir jetzt in der Landesliga antreten, ist traumhaft und ich bin unglaublich stolz, aber meine Mannschaft ist das Produkt der Jugendarbeit beim VfL Wildeshausen. Deshalb müssen wir dafür Sorge tragen, dass der Nachwuchs entsprechend erfolgreich ist. Wir betrachten uns als Ausbildungsverein. Die Kameradschaft und gemeinsame Unternehmungen stehen an erster Stelle. Ich mache den Erfolg des Vereins nicht von der Ligazugehörigkeit meiner Mannschaft abhängig.

Haben Sie nicht Angst, dass Ihr Team durch die jüngsten Misserfolge in einen Negativstrudel gerät?

Angst ist das falsche Wort, die habe ich nicht. Es versteht sich aber von selbst, dass es immer sein kann, dass wir in eine Negativserie geraten. Diese gilt es zu verhindern, ich bin ein optimistischer Mensch. Denn in der Landesliga kann jeder jeden schlagen. Schauen Sie sich doch nur den TuS Bersenbrück an. Als Aufsteiger hat die Mannschaft gleich einmal 5:0 gegen den VfL Oythe gewonnen, damit haben sicherlich die Wenigsten gerechnet.

Wo geht die Reise des VfL Wildeshausen hin?

Das kann ich nur schwer beantworten. Wir sind mittlerweile semi-professionell aufgestellt. Das heißt, dass unsere Anlage schon einmal landesligatauglich ist. Außerdem betreiben wir Videoanalyse und haben eine Physiotherapeutin. Die Rahmenbedingungen stimmen hier.

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