Nachgefragt: Wildeshausens Sven Apostel über Trikotfarben, Fitness und die angepeilte Laufbahn als Trainer „Ich weiß, was ich kann und was nicht“

Herr Apostel, der erste Härtetest der Saisonvorbereitung ist vorbei. Beim Blitzturnier des Ahlhorner SV haben Sie mit dem VfL Wildeshausen am Wochenende Platz vier belegt.
12.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Herr Apostel, der erste Härtetest der Saisonvorbereitung ist vorbei. Beim Blitzturnier des Ahlhorner SV haben Sie mit dem VfL Wildeshausen am Wochenende Platz vier belegt. Zufrieden?

Sven Apostel: Unsere Leistung war okay. Man darf nicht vergessen, dass wir am Vortag auch schon 90 Minuten gespielt haben, was einige Körner gekostet hat (das Team trennte sich zum Auftakt des Huntepokals in Goldenstedt mit 2:2 von Rot-Weiß Visbek, Anm. d. Red.). Zudem haben wir momentan einige verletzte Spieler, sodass wir schauen mussten, was wir in Ahlhorn überhaupt auf den Rasen kriegen.

Im Halbfinale gab es eine 0:2-Niederlage gegen den Landesliga-Rivalen SV Atlas Delmenhorst. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Wir hätten in Führung gehen können, was uns leider nicht gelungen ist. Über die Gegentreffer kann man hinterher immer diskutieren, aber was für mich zählt ist, dass wir in 30 Minuten Spielzeit zwei gute Chancen hatten. Wenn wir im Saisonspiel gegen Atlas auch alle 30 Minuten die Möglichkeit haben, zu treffen, dann ist das schon in Ordnung.

Sie selbst tragen das Trikot des VfL Wildeshausen erst seit diesem Sommer. Haben Sie sich schon an die Farbe Rot gewöhnt?

(lacht) Als Spieler habe ich in meiner Laufbahn schon nahezu alle Farben am Körper getragen, bei all den Stationen, die ich hatte. Jetzt beginnt für mich aber eine neue Ära. Als Trainer möchte ich für mehr Kontinuität stehen. Jedes Jahr den Verein wechseln, geht nicht mehr.

In Wildeshausen bekleiden Sie eine Doppelrolle, sind sowohl Spieler als auch Co-Trainer. Wie lassen sich diese beiden Aufgaben vereinbaren?

Vor meinem Weggang aus Ganderkesee war es mir wichtig, dass ich im neuen Verein auch noch spielen kann. Da ich auch Ambitionen als Trainer habe, war das Angebot aus Wildeshausen perfekt. Reiner Spielertrainer wollte ich nie werden, da ist man zu angreifbar. Außerdem kann man nicht immer alles beurteilen, wenn man selbst auf dem Platz steht. So schildere ich Marcel Bragula (Wildeshausens Cheftrainer, Anm. d. Red.) meine Eindrücke vom Platz, und er hat den Gesamtüberblick von Außen.

Und Ihre neuen Mitspieler? Wie haben die Sie aufgenommen?

Sehr gut. So richtig neu bin ich ja gar nicht, zumindest habe ich viele der Jungs vorher schon gekannt. Mit Sebastian Pundsack (Wildeshausens Torhüter und Kapitän, Anm. d. Red.) habe ich zum Beispiel früher schon in Cloppenburg zusammengespielt. Der VfL hat eine sehr homogene Truppe, vielleicht die Mannschaft im Kreis mit dem stärksten Zusammenhalt. Da war es für mich nicht schwer anzukommen.

Was machen Sie denn, wenn Marcel Bragula den Spieler Sven Apostel mal nicht aufstellt? Legt dann der Co-Trainer Sven Apsotel sein Veto ein?

(lacht) Wenn Marcel das so entscheidet, dann ist das so. Ich behaupte aber, dass ich sehr genau weiß, was ich kann und was nicht. Sie können Marcel ja gerne mal fragen, ob er mich nicht unter den ersten Elf sieht. Körperlich habe ich immer viel getan, um weiter mithalten zu können.

Sie sind jetzt 39 Jahre alt, verheiratet, Vater einer dreijährigen Tochter und eines zweijährigen Sohnes – gibt es da gar keine Gedanken ans Kürzertreten?

Nein. Ich habe gerade erst gesagt, dass ich mir noch ein bis zwei Jahre auf diesem Niveau zutraue. Aber man weiß ja nie, es kann auch schnell zu Ende sein. Wenn ich morgen muskuläre Probleme bekomme und zwei, drei Monate ausfalle, dann komme ich natürlich nicht so schnell zurück wie ein 23-Jähriger. Außerdem will ich keinem Nachwuchstalent, das mit seinen Leistungen in die Mannschaft drängt, den Platz wegnehmen.

Wildeshausen steht vor dem zweiten Jahr nach dem Aufstieg, und gemeinhin heißt es im Fußball, dass das immer das schwerste sei. Was ist für Ihre Mannschaft möglich?

Das mit dem zweiten Jahr sehe ich ähnlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass die neuen Aufsteiger ganz schöne Kaliber sind. Atlas und Bevern werden nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen, weil beide viel investiert haben. Und dann sieht es ja wieder so aus, dass am Ende fünf Mannschaften runter müssen, was in meinen Augen eine Frechheit ist. Woanders wirst du Drittletzter und darfst noch Relegation spielen, und hier bist du sogar schon als Fünftletzter weg.

Wie stark schätzen Sie den Wildeshauser Kader denn ein?

Die Abgänge von Janek Jacobs und Storven Bockhorn tun schon sehr weh. Janek ist in der Offensive eine Waffe, das weiß jeder im Kreis. Gerade bei Kontern ist er brandgefährlich. Storven hat viel Ordnung ins Spiel gebracht. Das müssen wir jetzt als Mannschaft auffangen. Auf der anderen Seite haben wir in Sascha Abraham einen starken Spieler dazubekommen.

Derzeit absolvieren Sie in der Sportschule Hennef bei Köln den Lehrgang zur Trainer-A-Lizenz. Wann sehen wir Sie als Cheftrainer bei einem Verein auf der Bank?

Irgendwann ganz bestimmt, aber es muss eben alles passen. Ich würde gerne einen nahtlosen Übergang nach der aktiven Laufbahn haben, aber nicht auf Zwang.

Das Gespräch führte Daniel Cottäus.

Zur Person

Sven Apostel war während seiner langen Laufbahn schon für etliche Vereine aktiv, nun ist er beim Landesligisten VfL Wildeshausen gelandet – und bekleidet dort eine für ihn neue Rolle: Der 39-Jährige ist spielender Co-Trainer. Parallel dazu absolviert der zweifache Familienvater aus Ganderkesee derzeit den Lehrgang für die Trainer-A-Lizenz in der Sportschule Hennef bei Köln.
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