Nachgefragt: Andreas Müller über die Meisterschaft und die Zukunft der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg „Ich werde Sven nicht kopieren“

Herr Müller, sind die Klamotten nach den diversen Bierduschen, die Sie und Sven Engelmann nach der gewonnenen Meisterschaft in der Kabine bekommen haben, wieder getrocknet?Andreas Müller: Ja, die sind wieder trocken (schmunzelnd). Ich war sogar schon vor der Kabine nass.
09.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ich werde Sven nicht kopieren“
Von Patrick Hilmes

Herr Müller, sind die Klamotten nach den diversen Bierduschen, die Sie und Sven Engelmann nach der gewonnenen Meisterschaft in der Kabine bekommen haben, wieder getrocknet?

Andreas Müller: Ja, die sind wieder trocken (schmunzelnd). Ich war sogar schon vor der Kabine nass. Als ich zur Tür reinwollte, hatte ich schon die ersten Flaschen über den Kopf geschüttet bekommen. Meine Tasche habe ich dann lieber draußen gelassen. Und später habe ich dann noch ein paar Bierduschen bekommen. Irgendwann habe ich dann gesagt: Jetzt reicht‘s, jetzt will ich auch mal eins trinken (lachend).

Ein Punkt hatte der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg noch zur Meisterschaft gefehlt. Und auch nur einen Punkt haben Sie und Ihr Team beim TV Georgsmarienhütte geholt. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Es war sehr, sehr aufregend. Drei Minuten vor Anpfiff war es mucksmäuschenstill. Die Jungs waren sehr konzentriert. Sie hatten alle einen gehörigen Respekt vor der Meisterschaft, gerade die Jüngeren. Das erlebt man ja auch nicht allzu häufig in seiner Laufbahn. Auch im ganzen Spiel hat man es ihnen angemerkt. Dadurch haben wir auch den Georgsmarienhütter Torwart zum besten Spieler des Spiels geworfen. Aber man merkte auch, dass diese Truppe einfach gut zusammenpasst, sie hat nie die Köpfe hängen lassen und noch den Ausgleich geschafft.

Doch das erst kurz vor Schluss...

Ja, die letzten zwölf Sekunden konnte ich mir auch nicht mit anschauen. Ich habe mich hinter die Bank in eine Ecke gestellt.

Was ging Ihnen in diesen zwölf Sekunden durch den Kopf?

Dass wir so gut wie Meister sind, aber es doch noch vergeigen können. Dann hätten wir noch eine Woche warten und uns noch mal 60 Minuten quälen müssen. Zudem dachte ich, dass es für die rund 30 mitgereisten Fans auch ganz bitter gewesen wäre.

Und als der Abpfiff ertönte?

Das war pure Freude. Aber ich bin nicht wie das gesamte Team aufeinander zugelaufen, ich habe erst mal unseren Torwarttrainer Manfred Meyer umarmt, dann den Gegner abgeklatscht, und dann erst habe ich jeden eigenen Spieler umarmt. Es hätte auch das eine oder andere Tränchen kullern können, aber ich konnte es gerade noch unterdrücken (schmunzelnd).

Ab der kommenden Saison werden Sie für den aus beruflichen Gründen scheidenden Trainer Sven Engelmann übernehmen...

Wir werden Sven am Samstag beim letzten Spiel gebührend verabschieden. Er hat viel bewirkt in den vier Jahren, spielerisch wie auch menschlich. Mir tut es leid, dass er geht. Ich hätte gerne noch ein Jahr neben ihm als Co-Trainer gearbeitet, die Chemie zwischen uns passte einfach. Aber er hat mir zugesichert, dass er mir mit Rat und Tat zur Seite stehen wird, wenn ich ihn brauche.

Haben Sie Bammel vor dieser Herausforderung?

Nein, Bammel nicht, ich bin ja auch nicht neu als Trainer. Respekt habe ich aber schon, die Verbandsliga ist für mich auch Neuland. Ich freue mich darauf, es ist eine große Herausforderung. Und ich werde großen Rückhalt durch Manfred Meyer und unseren Routinier Werner Dörgeloh bekommen.

Was wird sich mit Ihnen im Vergleich zu Sven Engelmann bei der HSG ändern?

Ich werde Sven nicht kopieren, aber auch nicht die ganze Mannschaft auf links drehen. Ein bisschen was ändern werde ich schon. Denn in unserer Art und Weise unterscheiden wir uns dann doch etwas. Da wir eine Liga höher spielen, werden wir die Trainingsintensität erhöhen müssen. Mit zweimal die Woche Training werden wir nicht konkurrenzfähig sein. Der Kader hat seine Zusage für die kommende Saison gegeben. Ich halte es aber für gut, wenn noch der eine oder andere von außerhalb dazustoßen würde, das belebt den Konkurrenzkampf. Zudem will ich die A-Jugendlichen, die ja nicht die Schlechtesten sind (schmunzelnd), weiter mit einbauen, eine enge Verbindung knüpfen.

In trockenen Tüchern ist aber noch kein Spielerwechsel?

Nein, wir wollten auch erst mal die Meisterschaft perfekt machen. Ein paar Telefonate habe ich aber bereits geführt, und der eine oder andere potenzielle neue Spieler wird sich in den kommenden Wochen auch mal zu unserem Training verirren.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihres Teams in der Verbandsliga ein?

Wir haben eine harte Saison vor uns. Sollte die HSG Delmenhorst runterkommen, ist sie für mich der absolute Favorit, zudem kommt auch Hatten-Sandkrug runter. Barnstorf und Wilhelmshaven sind auch sehr stark. Wenn man sich diese Mannschaften anschaut, dann muss man sich schon fragen: Wo soll man die Punkte holen? Leichte Kaliber gibt es in dieser Liga nicht. Wir werden uns strecken müssen, aber der Kader ist dafür bereit, den Klassenerhalt zu schaffen.

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Zur Person

Andreas Müller ist seit vier Jahren der Co-Trainer von Sven Engelmann bei dem Handball-Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg. Ab der kommenden Saison übernimmt Müller den Posten als Chef-Coach der HSG, die dann in der Verbandsliga antritt. Am vergangenen Spieltag machten die Bookholzberger die Meisterschaft mit einem 23:23-Unentschieden beim TV Georgsmarienhütte perfekt.
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