Acht Spieltage vor dem Ende einer unbefriedigenden Saison droht dem FC Schalke sogar der Abstiegskampf Ideenlos und zögerlich

Gelsenkirchen. Benedikt Höwedes ist ein durch und durch realistischer Kerl, das hat er auch in den letzten Tagen wieder unter Beweis gestellt. So stimmte der 29-Jährige alle weniger nüchternen Naturen beim FC Schalke sanft darauf ein, dass eine Meisterschaft für die Königsblauen in den nächsten Jahren „utopisch“ sei.
04.04.2017, 00:00
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Von Andreas Morbach

Gelsenkirchen. Benedikt Höwedes ist ein durch und durch realistischer Kerl, das hat er auch in den letzten Tagen wieder unter Beweis gestellt. So stimmte der 29-Jährige alle weniger nüchternen Naturen beim FC Schalke sanft darauf ein, dass eine Meisterschaft für die Königsblauen in den nächsten Jahren „utopisch“ sei. Schon vor den beiden Kraftakten im Achtelfinale der Europa League gegen Borussia Mönchengladbach hakte er die laufende Saison Anfang März als „Übergangsjahr“ ab. Zugleich gemahnte der S04-Kapitän die Verantwortlichen des Klubs, den Umbau auf dem Berger Feld nicht zu einem Dauerzustand werden zu lassen.

Schon den Rauswurf von André Breitenreiter nach nur einer Saison – abgeschlossen auf Rang fünf – missfiel Höwedes. Deshalb warnt er nun, da der Tabellenneunte acht Spieltage vor Schluss unter dem neuen Chefcoach Markus Weinzierl zwischen Baum und Borke hängt: „Jedes Jahr einen neuen Trainer und zehn neue Spieler holen, das kann nicht funktionieren.“ Zumal dem aktuellen Umbruch eine weitere Belastung droht: Verliert Weinzierls Ensemble am Dienstag bei den inzwischen bestens geölten Bremern, dürfte den Viertelfinalisten der Europa League in diesem Frühjahr bald auch der kalte Hauch möglicher Relegationsspiele begleiten.

Beim Remis im Revierderby gegen Dortmund rückte die neueste Masken-PR des Dortmunder Paradiesvögelchens Pierre-Emerick Aubameyang in den Mittelpunkt. Der anhaltende Maskenball der Gastgeber ging daneben etwas unter. Das Malocher-­Image, das Manager Christian Heidel der Schalker Mannschaft in alter Klubtradition verpassen wollte, leben die Spieler auf dem Platz zwar mittlerweile aus. Viel mehr aber auch nicht.

Vor allem eine klar erkennbare Idee beim Spielaufbau vermisst man nach einem Dreivierteljahr unter dem Führungs-Duo Heidel und Weinzierl noch immer. Entsprechende Sticheleien der Konkurrenz bleiben nicht aus. „Die Schalker Fans haben ihre Mannschaft gefeiert, als hätte sie gerade einen Titel geholt. Man kann also einschätzen, wie das Unentschieden dort eingeordnet wird“, kommentierte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Wochenende süffisant. Und Markus Weinzierl räumte indirekt ein, das extrem abwartende Spiel seiner Elf sei nach aktueller Lage alternativlos. „Wir wollten früh attackieren, aber angesichts von Dortmunds Qualität gehört dazu auch Risikobereitschaft. Die Mannschaft hat sich nicht getraut, das herauszufordern“, musste der ehrgeizige S04-Coach einsehen.

Kein Wunder, dass der gebürtige Straubinger gerade seinen Zuarbeiter Heidel aufforderte, mit etwas Geschick auch mal Extrakönner vom Schlag eines Robert Lewandowski oder Aubameyang aus dem internationalen Transferbecken zu fischen. Spieler wie Nabil Bentaleb (in Bremen wegen der zehnten Gelben Karte gesperrt), Benjamin Stambouli, Evgen Konoplyanka oder Coke, die Heidel nach dem Verkauf von Supertalent Leroy Sané nach Gelsenkirchen holte, gehören für Weinzierl jedenfalls nicht in diese Kategorie.

Am Weserstrand muss der 42-Jährige neben Bentaleb vermutlich auf Coke (leicht angeschlagen, plus Trainingsrückstand) und weiterhin auf den eminent wichtigen Sead Kolasinac (Muskelverletzung) verzichten, dafür könnte der Ex-Bremer Franco Di Santo wieder mal in den Kader rutschen. Definitiv mit dabei ist neben der Sorge, im Tableau in die unangenehmen Regionen abzugleiten, der Respekt vor dem jüngsten Aufschwung beim Gegner. „Werder ist die Mannschaft der Stunde. 16 Punkte aus sechs Spielen, das ist sehr stark“, lobte Weinzierl am Montag die Norddeutschen, die im Erfolgsfall sogar an den Schalkern vorbeiziehen würden.

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