Die Achimer Nicole und Alexander Balz führen die Geschicke bei den Bremen Firebirds – auf und neben dem Platz

Ihr Lebenswerk heißt Football

Es klingt fast nach einem Klischee: Die Cheerleaderin kommt mit dem Star aus der Football-Mannschaft zusammen. Genauso lernten sich Nicole und Alexander Balz vor knapp 23 Jahren kennen. Mittlerweile trainieren die beiden Achimer den Oberligisten Bremen Firebirds – sowohl die Cheerleader als auch das Football-Team. Und das mehr als erfolgreich.
05.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kim Patrick Puhlmann
Ihr Lebenswerk heißt Football

Alexander und Nicole Balz kümmern sich inzwischen gemeinsam um die Cheerleader der Bremen Firebirds – der 39-Jährige ist zudem Head-Coach des Footballteams.

Focke Strangmann

Es klingt fast nach einem Klischee: Die Cheerleaderin kommt mit dem Star aus der Football-Mannschaft zusammen. Genauso lernten sich Nicole und Alexander Balz vor knapp 23 Jahren kennen. Mittlerweile trainieren die beiden Achimer den Oberligisten Bremen Firebirds – sowohl die Cheerleader als auch das Football-Team. Und das mehr als erfolgreich.

„Mach deine Jacke richtig zu. Wir haben doch nicht Sommer“, befiehlt Alexander Balz mit einem Schmunzeln. Gemeint ist Ronja, eine Cheerleaderin der Bremen Firebirds. Auf dem Weg in die Turnhalle der Grundschule Osterholz in Bremen lächelt sie ihren Trainer an und tut, was ihr gesagt wurde. „Eigentlich bin ich kein strenger Coach. Aber beim Football ist das etwas anderes“, gibt der 39-Jährige zu. Der Achimer trainiert die Oberliga-Mannschaft und zusammen mit seiner Frau Nicole Balz ist er zudem für die Cheerleader-Truppe des Vereins verantwortlich – und das mit Erfolg.

Mittlerweile gehören die Stimmungsmacher aus Bremen zu einer der besten Formationen in ganz Deutschland. „Wir haben bereits einige Deutsche Meisterschaften gewonnen. Bei den Europameisterschaften sprechen wir auch immer ein Wörtchen mit“, betont Nicole Balz. Die 41-Jährige war selbst Cheerleaderin. Base, Flyer oder Heelstretch hatten eigentlich nicht zu ihrem Wortschatz gehört. „Ich habe Fußball gespielt. Als mein Onkel zum Footballteam der Mahndorfer Scorpions ging, habe ich mir das auch mal angeguckt“, erklärt die Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte. „Dann wurden mir einfach ein Buch und ein paar Videos über Cheerleading in die Hand gedrückt und gesagt: Ich soll das Team jetzt trainieren.“

Gesagt, getan. Schnell war Nicole Balz von der Sportart begeistert und wurde selbst aktiv. Sie war eines der Gründungsmitglieder der Bremen Firebirds im Jahre 1992 und stand dort in der Cheerleader-Formation. Während einer Partie ihrer Mannschaft sorgte Nicole Balz am Spielfeldrand für Stimmung und blieb dabei nicht unbeobachtet. Alexander Balz, damals für den Erzrivalen Bremen Wolverines als Linebacker gefordert, entdeckte seine künftige Frau und sprach sie bei der anschließenden Grill-Party an. „Das war damals quasi wie Romeo und Julia. Wir kamen jeweils aus verfeindeten Lagern“, erzählt Alexander Balz lachend und blickt dabei seine Lebensgefährtin an. „Wenn ich mich an die Rivalitäten zurückerinnere, muss ich schmunzeln. Wie sich einige Spieler oder Verantwortliche zu dieser Zeit benommen haben, war kindisch.“

Im Jahr 1996 übernahm Alexander Balz das Jugendteam der Firebirds, während er selbst noch bei den Wolverines aktiv war. Ein Jahr später wechselte er dann auch als Spieler zum Konkurrenten. „In der Kabine war mein früherer Verein kein Thema. Aber auf dem Platz wurde ich oft härter rangenommen als die anderen“, erinnert sich der Polsterer. Einen entscheidenden Vorteil hatte der gebürtige Bremer aber: Nicole Balz. Als Cheerleaderin hatte er seine Freundin und Befürworterin stets an seiner Seite.

Schnell avancierte der Linebacker zu einer festen Größe im Team. Da verwundert es nicht, dass Alexander Balz immer mehr Verantwortung übernahm. Seit einem Jahr ist er als Head-Coach der Firebirds aktiv. Gleich in seiner Premierensaison feierte er den Titel in der Oberliga-Klasse. In den folgenden Playoffs scheiterten die Firebirds dann an den Hamburger Ravens. „Das war sehr ärgerlich. In diesem Spiel habe ich mir dann endgültig das Knie kaputt gemacht“, berichtet Balz. „Mein Arzt erzählte mir schon vorher, was in meinem Knie noch nicht beschädigt war. Das ging schneller. Er hätte es besser gefunden, wenn ich gleich aufgehört hätte.“ Nicole Balz fällt ihm bei dieser Aussage ins Wort: „Nein, er hat ganz klar gesagt, du sollst gar nicht mehr spielen!“ Alexander lenkt ein und stimmt ihr zu. Auch beim Cheerleading hat seine Frau das letzte Wort. Schließlich ist Nicole schon länger im Geschäft. Alexander Balz stieß im Jahr 1998 eher zufällig dazu. „Bei einem Turnier brauchten wir noch jemanden, der die Formationen von der Seite aus beobachtet“, sagt die 41-Jährige.

Auch der einstige Linebacker musste sich erst einmal in der Welt der Bases und Flyer zurechtfinden, „aber ein wenig Vorkenntnisse hatte ich schon“, sagt Alexander Balz. Seit nun knapp 17 Jahren trainieren die beiden schon gemeinsam die Firebirds-Cheerleader, sowohl den Nachwuchs als auch die Erwachsenen. Das alleinige Sagen hat der 39-Jährige indes bei den Footballern „Da rede ich ihm nicht hinein“, betont Nicole Balz. So teilen sich die beiden ihre Passion Football – jeder weiß, was der andere besser kann.

Genauso läuft es bei den beiden auch neben dem Sport. Die Bremer suchten nicht lange nach einem gemeinsamen Heim, vor fünf Jahren fanden sie ein Haus in Achim. „Wir haben zwar zusammen gesucht, aber mit den Malerarbeiten an der Fassade wollte ich nichts zu tun haben“, betont Alexander Balz. „Im Nachhinein eventuell ein Fehler“, fügt der 39-Jährige hinzu. Nicole Balz übernahm das Kommando. Das Ergebnis: Das Haus in der Uphuser Heerstraße wurde komplett in der Farbe blau gestrichen. „Jeder in der Umgebung kennt unser Heim“, berichtet die 41-Jährige mit einem Schmunzeln.

Das Ehepaar wirbt hier und da mit Flugblättern für ihre Firebirds. „Natürlich in Jogginghose. Ich glaube, anders kennen mich die Menschen hier gar nicht“, sagt Alexander Balz. Die kleine Familie lebt ihren Sport. Doch so langsam denken die beiden auch an eine Zeit nach dem Football beziehungsweise Cheerleading. „Ich verteile schon langsam mehr Verantwortung im Verein“, sagt der Head-Coach. Während dieser Aussage ihres Mannes wirkt Nicole Balz nachdenklich und fügt hinzu: „Schließlich wollen wir uns nicht unser Lebenswerk kaputt machen lassen.“

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