Ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase kämpft der VfL Wildeshausen mit Verletzungen und Formtiefs Im Loch

Wildeshausen. Marcel Bragula ist der Inbegriff eines Motivators. Wild entschlossen, mitreißend und stets optimistisch tritt der Trainer des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen normalerweise auf.
22.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Im Loch
Von Christoph Bähr

Marcel Bragula ist der Inbegriff eines Motivators. Wild entschlossen, mitreißend und stets optimistisch tritt der Trainer des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen normalerweise auf. Momentan allerdings droht er seinen Optimismus zu verlieren. Das gibt Bragula offen zu, und das verwundert zunächst sehr. Haben die Wildeshauser doch gerade eine Serie von zehn Spielen ohne Niederlage hingelegt, die am vergangenen Sonntag erst der Spitzenreiter SV Bad Rothenfelde beenden konnte. Unabhängig von dem langen Positivlauf sieht Bragula sein Team aktuell jedoch in einer kritischen Phase.

Da ist zum einen die Personalnot, hervorgerufen durch Verletzungen. Und zum anderen ist da die Formschwäche, die der Coach bei einigen seiner Leistungsträger ausgemacht hat. Besonders betroffen sind die Akteure, die bisher fast immer dabei waren. „Einige Spieler sind in ein Loch gefallen, das merkt man auch im Training“, schildert Bragula. Damit meint er zum Beispiele Verteidiger Lennart Flege, der alle 22 Partien absolvierte und beim jüngsten 0:3 gegen Bad Rothenfelde zweimal nicht gut aussah. Oder Linksverteidiger Lukas Schneider, der ebenfalls 22 Mal auf dem Platz stand. Oder Mittelfeldspieler Jan Lehmkuhl, der es auf 21 Einsätze bringt.

Einen Vorwurf will Bragula seinen Schützlingen deswegen gar nicht machen. Dass es nach den großen Belastungen dieser Saison zu schwächeren Leistungen kommen könne, sei völlig normal, betont er. „Das liegt auch daran, dass mir die Alternativen fehlen, um manch einem Spieler mal eine Pause zu gönnen.“ Trotzdem muss der Trainer nun irgendwie darauf reagieren, dass beim Aufsteiger ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase nicht mehr alles läuft wie gewünscht.

Jacobs und Seidel weiter fraglich

Bragulas erste Maßnahme war, das Training am Dienstag ausfallen zu lassen. „Wir werden die Einheiten jetzt vernünftig dosieren. Wir müssen die richtige Mischung finden“, kündigt er an. Für etwas Unruhe sorgen allerdings die regelmäßigen Trainingsgäste. Zuletzt testete Bragula einige potenzielle Zugänge. „Es waren auch gute Leute dabei, aber zu uns kommen wollte bisher keiner, weil wir nichts bezahlen. Das kriegen die Jungs natürlich auch mit“, schildert der Coach. Somit ist Sven Apostel vom TSV Ganderkesee, der als spielender Co-Trainer fungieren soll, bisher der einzige Zugang für die neue Serie. Aus der A-Jugend und der zweiten Mannschaft sind derzeit keine Spieler eingeplant. Die Abgänge von Kai Meyer (tritt kürzer) und Jan Gusfeld-Ordemann (berufliche Gründe) müssen also mit Bordmitteln kompensiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Youngster Niklas Heinrich in der kommenden Spielzeit einige Monate wegen eines Auslandsaufenthaltes fehlt.

Erst einmal stehen die Wildeshauser aber jetzt vor knallharten Wochen in der aktuellen Saison. Aufgrund der vielen Spielausfälle im Winter absolvieren sie ihre restlichen zehn Partien in den kommenden sechs Wochen. Dabei machen sich schon jetzt Verschleißerscheinungen bemerkbar. Die wichtigen Offensivspieler Janek Jacobs und Maximilian Seidel fehlten gegen Bad Rothenfelde wegen Zerrungen, auch für die kommende Begegnung beim Tabellensechsten Vorwärts Nordhorn am Sonntag (15 Uhr) sind ihre Einsätze ungewiss. Alexander Kupka fällt wegen seiner Schulterverletzung definitiv aus, sodass Heinrich wieder in der Startelf steht (Bragula: „Er ist ein Lichtblick, sportlich und charakterlich top“). Jan Gusfeld-Ordemann muss ebenfalls passen (Sprunggelenksprobleme). Dazu haben sich Sascha Görke und Ole Lehmkuhl während des Spiels gegen Bad Rothenfelde Blessuren zugezogen.

Wegen der vielen Verletzten und Angeschlagenen gibt Bragula für das Duell mit Nordhorn – entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten – lediglich einen Punkt als Ziel aus. Im Hinspiel kassierten die Wildeshauser gegen den Mitaufsteiger sogar eine 0:4-Heimpleite. „Die haben eine starke Mannschaft und zählen zu den Topteams“, betont Bragula. Überhaupt trifft seine Mannschaft in der Endphase der Saison noch auf mehrere Kontrahenten aus dem vorderen Tabellenbereich, allen voran auf den Vierten Kickers Emden und gleich zweimal auf den Dritten TuS Bersenbrück. „Auf uns warten noch einige Spiele, in denen man schon einmal leer ausgehen kann“, verdeutlicht Bragula.

Da ist es nur gut, dass die Wildeshauser bereits 35 Punkte gesammelt haben und als Achter derzeit deutlich vor der Abstiegszone stehen. Sicher sei seine Elf trotzdem noch nicht, stellt Bragula klar. Mindestens sechs Zähler aus den verbleibenden zehn Partien müssen nach seiner Rechnung noch her, um den Klassenerhalt perfekt zu machen. In dieser Hinsicht ist Bragula aber wieder ganz der große Optimist und Motivator. „Sechs Punkte zu holen packen wir ganz sicher noch.“

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