Jennifer Meyer Immer auf Ballhöhe

Den Schiedsrichter-Schein hat Jennifer Meyer erst seit etwas mehr als einem Jahr, doch sie hat einen schnellen Aufstieg hingelegt.
10.05.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Das war's mit Fußball. Diese Erkenntnis traf Jennifer Meyer hart. „Damals“, sagt die 28-Jährige ehrlich, „ist ein Traum kaputt gegangen.“ Mittlerweile an beiden Knien operiert, schloss sie mit dem Fußball ab, „eine ganz, ganz lange Zeit“, wie sie selbst feststellt. Doch sie ist zurückgekehrt. Nicht als Spielerin, sondern als Schiedsrichterin des SC Weyhe und als Schiedsrichterobfrau der SG Findorff.

Seit mehr als einem Jahr hat Meyer ihren Schiedsrichter-Schein in der Tasche. Dass sie mal Unparteiische werden würde, hatte sie nie gedacht. Sie wollte immer nur spielen – und tat das auch. Sie begann in Ahausen, stand lange gemeinsam mit den Jungs auf dem Platz. Doch schon im Jugendalter begannen die gesundheitlichen Probleme. „Zur Schiedsrichterei bin ich durch meinen Lebensgefährten gekommen, der in Riensberg in der ersten Herrenmannschaft spielt“, verrät sie. Bei dessen Spielen habe sie sich immer über die Schiedsrichter aufgeregt, vor allem über die – und das ist offenbar nicht nur ein Kreisklassen-Klischee –, die an der Mittellinie stehen und aus dieser Position heraus Abseitsentscheidungen treffen und genau gesehen haben wollen, ob es nach einem Zweikampf nun Abstoß oder Eckball geben muss. Warum es also nicht selbst machen? Warum es also nicht besser machen?

Also griff Meyer zur Pfeife, beim SC Weyhe, bei dem sie einst spielte. Schnell hat sie sich nach oben gearbeitet. Mittlerweile leitet sie Verbandsligaspiele der Frauen und kommt im Juniorenbereich zum Einsatz. Vor wenigen Wochen pfiff sie zudem eine Ü32-Partie zwischen Arsten und Sebaldsbrück. Meyer ist in ihrer Schiedsrichterrolle aufgegangen. Natürlich, selbst Fußball in einer Mannschaft zu spielen, wäre immer noch toll, doch so richtig würde sie in die meisten Teams nicht mehr passen, findet Meyer. „Die meisten Spielerinnen sind 16 oder 17 Jahre – da fühle ich mich mit 28 fast wie eine Oma“, sagt sie und lacht. Das sei nicht mehr ihre Welt, deshalb konzentriere sie sich aufs Pfeifen. Also spricht sie mit Blick auf Vorbilder nun von Bibiana Steinhaus. „Die finde ich toll, weil ich einfach anerkenne, was sie geleistet hat.“

Doch auch für Meyer selbst läuft es bestens. Ihr Erfolgsrezept? Auf Ballhöhe sein. „Ich versuche immer, höchstens drei Meter vom Geschehen entfernt zu sein“, hat sie einen hohen Anspruch an sich selbst. Unterkriegen lasse sie sich schon gar nicht. „Ich glaube, das Durchsetzungsvermögen ist mir von Gott gegeben“, lacht sie. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass sie in Riensberg Kinderfußballtrainerin ist. Auch da muss sie sich Gehör verschaffen. Sicher ist: Jennifer Meyer kann sich gegen kleine und große Fußballer behaupten. „Wenn man mal einen Spruch gedrückt bekommt, darf man sich das nicht zu Herzen nehmen. Man kann ja genauso schlagfertig antworten.“

Diese Aussage zeigt es schon: Meyer ist kein eiserner und unantastbarer Spielleiter. „Mit mir kann man Spaß haben auf dem Feld“, sagt sie. Ihre Hauptaufgabe verliert sie aber nicht aus den Augen: „Es gibt Grenzen. Das müssen alle begreifen.“ Wenn das nicht der Fall ist, dann muss Meyer durchgreifen. Im Verbandsliga-Spiel zwischen dem SC Borgfeld und dem TuS Schwachhausen zum Beispiel musste sie nach einem Elfmeterpfiff in der Schlussphase wütende und beleidigende Zuschauer zur Räson rufen, die sich aber auch nach Spielende nicht beruhigen wollten. „Das finde ich unverschämt und dreist“, ärgert sie sich über ein solches Verhalten, das allerdings keinesfalls an der Tagesordnung sei – und selbst wenn: „So etwas habe ich noch nie mit nach Hause genommen. Ich kann das ganz gut wegstecken und lasse mich davon nicht unterkriegen.“ Schließlich gebe es auch genügend Situationen, in denen sie Lob erhalte.

Oft genug wird Jennifer Meyer aber auch fragend angeschaut. Das liegt daran, dass sie sich im Bremer Raum nicht nur einen Namen als Schiedsrichterin gemacht hat, sondern auch als Schiedsrichterobfrau – allerdings in unterschiedlichen Vereinen: Sie pfeift für Weyhe, wo Obmann Ralf Schneider einer ihrer wichtigsten Ansprechpartner und Helfer ist, und kümmert sich seit September zudem um die Belange der Unparteiischen bei der SG Findorff. Eine ungewöhnliche Konstellation. „Da wundern sich schon einige. Aber es funktioniert. In Weyhe habe ich eine große Unterstützung, die bekomme ich in Findorff aber auch“, sagt sie zu ihrem Vereins-Doppelleben.

Meyer musste sich in die Aufgabe der Obfrau erst einmal reinfuchsen, wie sie sagt. Sie gibt den Unparteiischen im Verein ein Gesicht. Mehrere Jahre lang habe es keinen Obmann gegeben, also gründete sie erst einmal eine Whatsapp-Gruppe, „um überhaupt mal zu sehen, wie viele Schiedsrichter wir haben“. Die Unparteiischen hätten sich zuvor selbst organisiert, nun haben die neun festen Schiedsrichter und die sechs Jungschiedsrichter wieder eine Ansprechpartnerin – genauso wie die Vereinsführung. Darüber hinaus wirbt Meyer um Lehrgangsteilnehmer und übernimmt Partnerschaften für die Talente mit der Pfeife. „Mittlerweile läuft es“, freut sich die 28-Jährige, die zuletzt im Rahmen der bundesweiten Aktion „Danke Schiri“ als Landessiegerin im Bremer Fußballverband ausgezeichnet wurde. Sie hat alles im Griff. Am Ende ist ihr Weg aber noch nicht. „Ich würde gern im Männerbereich und dann auch mit Linienrichtern pfeifen“, sagt sie. Diese Ziele dürften nicht mehr in allzu weiter Ferne sein.

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