Die hochgelobte Dzsenifer Marozsan soll bei der EM das Spiel der DFB-Frauen prägen In der Hauptrolle

Sint-Michielsgestel. Dzsenifer Marozsan könnte das Gesicht der Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden werden. Die Rolle des kommenden EM-Stars scheint kurz vor dem Turnierstart an diesem Sonntag in Utrecht für die deutsche Spielführerin
16.07.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulli Brünger

Sint-Michielsgestel. Dzsenifer Marozsan könnte das Gesicht der Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden werden. Die Rolle des kommenden EM-Stars scheint kurz vor dem Turnierstart an diesem Sonntag in Utrecht für die deutsche Spielführerin
reserviert. Noch ehe der Ball rollt, für die deutschen Damen erstmals am Montag mit dem Vorrundenspiel gegen Schweden, wird die 25 Jahre alte Edeltechnikerin vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon von allen Seiten mit Lob überschüttet.

Für Bundestrainerin Steffi Jones, die sie zwei Monate nach dem Olympiasieg in Rio gegen Schweden im vergangenen Oktober zur Kapitänin des Rekord-Europameisters beförderte, ist Marozsan „das Herz der Mannschaft“: „Sie ist Dreh- und Angelpunkt unseres Spiels und im vergangenen Jahr sportlich und menschlich wahnsinnig
gereift“, betonte Jones: „Sie ist eine großartige Spielführerin, die unser Spiel lenkt und den Jungen hilft. Auf dem Platz hat sie alle Freiheiten.“

Ähnlich überschwänglich äußerte sich auch Deutschlands Co-Trainer Markus
Högner über die in ihrer ersten Saison zur besten Spielerin der französischen Liga
gekürte Marozsan. Die deutsche Nummer 10 gewann mit Olympique Lyon nicht nur die Champions League, sondern holte auch das französische Double aus Meisterschaft und Pokal.

Bei einer Pressekonferenz im Team Base Camp „De Ruwenberg Hotel“ in Sint-
Michielsgestel saß Marozsan am Freitag neben Högner auf dem Podium. „Ich kenne sie ja schon länger aus ihrer Zeit in Frankfurt. Sie ist eine außergewöhnliche Spielerin, Weltklasse“, schwärmte der Ex-Chefcoach des Bundesligisten SGS Essen. Noch dazu sei sie ein „bescheidener Mensch und absoluter Teamplayer. Ich genieße es jeden Tag, mit ihr zu arbeiten.“

Die in Budapest geborene Marozsan galt schon vor Jahren als Megatalent des deutschen Frauenfußballs. Allein ihr zuweilen aufblitzendes Phlegma und mangelnde Schnelligkeit verhinderten zunächst einen noch schnelleren Aufstieg der U 20-Weltmeisterin von 2010. Doch der Wechsel im vorigen Sommer vom 1. FFC Frankfurt
beschleunigte den Reifeprozess der Fußball-Künstlerin, die zudem über einen präzisen und harten Schuss verfügt.

Als Jones anrief, um ihr die DFB-Kapitänsbinde anzubieten, habe sie mit ihrem Ja nicht gezögert, berichtete Marozsan am Freitag. Sie habe aber kurz geglaubt, Jones habe sich in der Nummer vertan. „Ich habe dann noch mal nachgefragt, ob sie sich nicht vielleicht geirrt hat.“

Hatte sie nicht. Die Anführerrolle und
damit übertragene größere Verantwortung beflügelten Marozsan. „Mit dem Wechsel ins Ausland habe ich den nächsten Schritt gemacht, und jetzt darf ich in der DFB-Elf die Spielführerbinde tragen. Diese beiden Faktoren in Kombination haben mich noch mal weitergebracht“, meint Marozsan,
deren Vater einst ungarischer Nationalspieler war. Auch die Teamkolleginnen schwärmen von Marozsans Qualitäten, auf und neben dem Platz. Linda Dallmann, noch
relativ frisch im Team, hatte so großen Respekt vor ihrer Team-Leaderin, dass sie sich anfangs nicht traute, sie anzusprechen. Doch schnell gewann die 22-Jährige aus Essen die Erkenntnis, dass Marozsan kein abgehobener Star ist. „Ich bin wohl der größte Maro-Fan. Sie füllt ihre Rolle als Spielführerin perfekt aus“, sagte Dallmann.

Marozsan sieht das Team für das Auftaktmatch am Montag (20.45 Uhr/ARD und Eurosport) gegen Schweden bestens gerüstet. Sie findet es gut, dass es gleich gegen den vermeintlich schwersten Gruppen-Gegner und EM-Mitfavoriten geht. „Da müssen wir sofort hellwach und voll konzentriert sein. Es wir ein großer Kampf“, prophezeite sie. Dass ihr zuletzt gegen Schweden häufig wichtige Tore gelangen, spornt Marozsan zusätzlich an. „Es stimmt, gegen sie treffe ich ganz gut. So kann es gerne weitergehen.“

Freiburger Duo voller Vorfreude Die beiden Nationalspielerinnen Carolin Simon und Lina Magull können das EM-Auftaktmatch gegen Schweden am Montag kaum noch abwarten. „Von mir aus könnte es auch morgen schon losgehen“, sagte Magull am Sonnabend. Wie die 22 Jahre alte Mittelfeldspielerin, die gute Chancen für einen Platz in der Startelf hat, spielt auch Linksverteidigerin Simon für den Bundesligisten SC Freiburg. Das badische Duo verfügt im Kader des achtmaligen Europameisters noch nicht über große Erfahrung. Für Beide ist es das ersten große Turnier bei den Frauen. Auf ihrer Position links in der Viererkette dürfte Bundestrainerin Steffi Jones allerdings gegen Schweden zum Auftakt Isabel Kerschowski (VfL Wolfsburg) den Vorzug geben.
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