Olympische Winterspiele in Vancouver IOC ermutigt Athleten: Twittern ausdrücklich gewünscht

Vancouver. Die Olympischen Winterspiele sollen laut IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams "die ersten Social-Media-Spiele" werden. Für die Athleten gelten aber 13 Regeln in Sachen Twitter, Facebook und Blogs.
08.02.2010, 09:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Weinreich

Vancouver. Die Dienstmeldung von Lindsey Vonn kam überraschend: Hey Leute, teilte die weltbeste alpine Skirennfahrerin auf Twitter und Facebook mit: Es wird hier jetzt eine Weile ruhig. Gemäß den olympischen Richtlinien darf ich mich bis Anfang März nicht melden.

Die Nachricht verbreitete sich Ende vergangener Woche in Windeseile. 25000 bestätigte Fans hat Vonn auf Facebook, dem mit bald 400 Millionen Nutzern größten Online-Netzwerk der Welt. 35000 Menschen folgen ihren Kurznachrichten auf Twitter. Vonn ist bei den Winterspielen in Vancouver eine Hauptrolle zugedacht. Gerade posierte sie auf dem Olympia-Cover von Sports Illustrated. Und nun das. Wow, das IOC verbietet Lindsey Vonn zu bloggen! Im Nu war das Thema ganz groß in den herkömmlichen Medien. Das Problem war nur: Lindsey Vonn hatte die 'IOC Blogging Guidelines' nicht gelesen und sich aufs Hörensagen verlassen. Vom amerikanischen Olympiakomitee USOC und vom IOC wurde sie umgehend aufgeklärt. Standesgemäß via Twitter.

'Lindsey Vonn dachte, sie dürfe während der Spiele nichts posten', erzählt IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams. 'Das stimmt nicht. Wir haben sofort getwittert und ihr die Regeln geschickt. Ich räume ein, dass die Regeln vielleicht etwas schwer zu verstehen sind. Es ist schwer, die Regeln den Entwicklungen im Bereich Social Media anzupassen.'

Das IOC hat die 13 Regeln für Vancouver im September 2009 veröffentlicht. Die 'Blogging Guidelines' gelten für alle Olympia-Akkreditierte - mit Ausnahme von Journalisten. Deren Arbeit ist durch Artikel 49 der Olympischen Charta geschützt. Sportler aber dürfen während der Spiele nicht journalistisch arbeiten, lediglich persönliche Aufzeichnungen veröffentlichen, ob nun in einem Blog oder in diversen Netzwerken. Sie dürfen nur Tagebuch führen und sollen sich auf ihre Erlebnisse beschränken, nicht aber über Konkurrenten schreiben, schon gar keine olympischen Betriebsgeheimnisse verraten. So steht es in den Richtlinien.

Die Regeln wurden im Vergleich zu den Sommerspielen 2008 in Peking verschärft: Sportler dürfen auf ihren Webseiten und Blogs keine Olympischen Ringe und auch nicht das Logo der Vancouver-Spiele benutzen. Die Sportler haben nämlich kein privates Recht an olympischen Symbolen. Die Exklusivrechte der Sponsoren und TV-Stationen müssen gewahrt werden. Nur so können jene Milliarden generiert werden, 'die letztlich allen Sportlern und Verbänden zugute kommen', argumentiert Mark Adams. 'Natürlich dürfen Sportler bloggen. Wir ermuntern sie sogar dazu. Sie sollen twittern und Facebook nutzen.' Irritationen, wie sie nicht nur Lindsey Vonn offenbarte, will das IOC morgen beim Treffen mit allen Delegationsleitern (Chef de Mission) ausräumen.

Die Komplexität der neuen Medienwirklichkeit, die Revolution auf dem Kommunikationssektor lässt sich nicht in dreizehn Regeln fassen. Mark Adams spricht von Grauzonen, in die man sich vortaste. Das Bemühen ist dem IOC nicht abzusprechen. Man hat schnell gelernt, ist in den großen Netzwerken aktiv, seit einem Monat auch auf Facebook, wo das IOC am Wochenende 770.000 Fans hatte. Bis zur Eröffnung der Winterspiele, rechnet Adams mit einer Million. 'Auf Facebook wird viel aktiver kommuniziert als auf unserer Webseite.'

Sich dieser Dynamik anzupassen, 'fällt jedem Apparat schwer, auch dem IOC', sagt Adams. 'Wir sollten versuchen, mit unseren Fans und auch mit unseren Kritikern zu diskutieren. Sich nicht zu beteiligen, ist keine Option. Denn die Diskussion findet sonst ohne uns statt.' Das IOC hat mit Alex Huot einen 'Social Media Manager' benannt. Eigentlich bräuchte es einige Dutzend Angestellte, doch unter Präsident Jacques Rogge ist Sparsamkeit befohlen.

Aus Sicht des IOC waren die Sommerspiele 2004 in Athen die ersten richtigen Internetspiele, weil dank Breitbandverbindungen erstmals großflächig Online-Übertragungen möglich waren. Die Sommerspiele 2008 in Peking werden als erste digitale Spiele geführt und haben den Mythos ausgelöscht, dass die Online-Medien angeblich den TV-Anstalten das Geschäft vermiesen. Nein, die Geschäftsfelder profitieren voneinander, schreiben IOC-Medienmanager in ihrer Peking-Auswertung. 'In Vancouver erleben wir nun die ersten Social-Media-Spiele', sagt Direktor Adams.

2012 will das IOC in London in diesem Bereich richtig Geld verdienen, um drohende Mindereinnahmen aus dem herkömmlichen TV-Geschäft auszugleichen. 'Die digitalen Medien sind die beste Erfindung seit der Erfindung des Fernsehens', lässt IOC-Präsident Rogge vermelden. Da wird Lindsey Vonn nicht widersprechen.

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