IOC IOC-Ohnmacht im Fall Ullrich - Lee begnadigt

Vancouver. Ohnmacht im Fall Jan Ullrich, Gnade für den verurteilten Steuersünder und Wirtschaftsbetrüger Ken-Hee Lee: Die IOC-Granden gaben gleich zu Beginn der Sitzungswoche in Vancouver eine unglückliche Figur ab.
08.02.2010, 11:21
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Vancouver. Ohnmacht im Fall Jan Ullrich, Gnade für den verurteilten Steuersünder und Wirtschaftsbetrüger Ken-Hee Lee: Die IOC-Granden gaben gleich zu Beginn der Sitzungswoche in Vancouver eine unglückliche Figur ab.

Ullrich darf sein Olympia-Gold von Sydney vorerst behalten, weil die IOC-Exekutive auch nach ausgiebiger Akteneinsicht bisher keine unumstößlichen Doping-Beweise gegen die gestürzte Rad-Ikone produzieren konnte. «Momentan können wir nichts machen. Der Fall liegt auf Eis», musste Denis Oswald, Vorsitzender der IOC-Disziplinarkommission, kleinlaut zugeben. Dagegen darf der milliardenschwere Ex-Samsung-Chef Lee wieder als normales IOC- Mitglied wirken - und Pyeongchangs Ambitionen im Bewerbungsduell mit München um die Winterspiele 2018 tatkräftig vorantreiben.

Verkehrte Welt in Vancouvers feudalem Westin Hotel: Lee war 2008 in seiner Heimat wegen Steuerhinterziehung in Höhe von drei Milliarden Dollar zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden und hatte daraufhin freiwillig auf seine IOC-Rechte verzichtet. Am 30. Dezember 2009 wurde er von der südkoreanischen Regierung begnadigt, keine sechs Wochen später hob auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Suspendierung des 68-Jährigen wieder auf. Offizielle Begründung: «In der Begnadigung durch die Regierung wurde Pyeongchang nicht erwähnt», sagte Oswald.

Dabei tritt Lee schon jetzt als entscheidender Strippenzieher und Stimmenfänger auf, um Pyeongchang im dritten Anlauf zum Olympia- Gastgeber zu machen. Die erfolglosen Kandidaturen um die Spiele 2010 und 2014 wurden zu einem großen Teil von Samsung finanziert. Wenigstens gab es «Diskussionen im Raum bei der Frage nach der Motivation der Amnestie für Lee», offenbarte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der einen «Interessenskonflikt» erklärte und dann den Saal verließ. Als er zurückkehrte, war Lee im exklusiven IOC-Club wieder eingesetzt - mit einer öffentlichen Verwarnung und der Einschränkung, fünf Jahre kein IOC-Amt übernehmen zu dürfen. Lee habe den Ruf der olympischen Bewegung beschmutzt.

«Wir freuen uns sehr über die Nachricht seiner Rehabilitation» meinte dagegen Park Yang-chun, Vorsitzender der internationalen Beziehungen im Nationalen Olympischen Komitee Südkoreas. «Es gibt noch nichts Offizielles, aber so oder so wird Herr Lee Pyeongchangs Bewerbung unterstützen.» Lee, seit 1996 im IOC, gilt mit einem geschätzten Vermögen von fünf Milliarden Dollar als reichster Mann Südkoreas, das zudem durch Athletenvertreter Moon Dae-sung in der Weltregierung des Sports vertreten ist. Das französische Annecy ist neben Pyeongchang und München der dritte Bewerber für Olympia 2018. Die IOC-Vollversammlung fällt im Juli 2011 im südafrikanischen Durban die Entscheidung über den Ausrichter.

In der Causa Ullrich fehlen dem IOC unterdessen auch nach eingehender Aktenprüfung die Beweise, dass der Olympiasieger von 2000 und seine Teamkollegen systematisches Doping betrieben haben. Sämtliche Erkenntnisse aus den ausgewerteten Unterlagen der Bonner Staatsanwaltschaft, der Universität Freiburg und der «Operación Puerto» gegen den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes beziehen sich erst auf einen Zeitraum nach 2000. Der ehemalige Radprofi der Teams Telekom und T-Mobile hat bei den Sydney-Spielen Gold im Straßenrennen gewonnen, Doping aber stets bestritten. «Wir werden sicher eines Tages mehr wissen», meinte Oswald, «am ehesten sollte noch etwas aus Spanien kommen.» Abgeschlossen sei der Fall noch nicht. (dpa)

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