Film "Gibsy" Jahn-Boxer Caner und Cihan Aric vor der Kamera

Delmenhorst·Bremen. Caner Arici hat viel Erfahrung im Boxring, vor der Kamera ist er ein Neuling. Für seinen Film "Gibsy" suchte der Bremer Produzent und Regisseur Eike Besuden jedoch nicht nur nach Schauspielern, sondern auch nach echten Boxern.
06.07.2011, 05:00
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Jahn-Boxer Caner und Cihan Aric vor der Kamera
Von Christoph Bähr

Delmenhorst·Bremen. Caner Arici hat viel Erfahrung im Boxring, vor der Kamera ist er ein Neuling. Für seinen Film "Gibsy" suchte der Bremer Produzent und Regisseur Eike Besuden jedoch nicht nur nach Schauspielern, sondern auch nach echten Boxern. So kam es dazu, dass Caner Arici, Boxer beim TV Jahn Delmenhorst, und sein Vater Cihan Arici, Trainer beim TV Jahn, im kommenden Jahr in einem Kinofilm zu sehen sein werden.

"Gibsy" ist ein Dokudrama über das Leben des Boxers Johann "Ruekeli" Trollmann. 1933 gewann Trollmann die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Da er aus einer Sintifamilie stammte, erkannten die Nazis ihm den Titel unter fadenscheinigen Begründungen ab. Weil Trollmann tänzelte und im Ring viel in Bewegung war, wurde ihm vorgeworfen, sich nicht an die "Regeln des Deutschen Faustkampfes" zu halten. Dessen Antwort auf die Ungerechtigkeit war mutig: Im nächsten Kampf stieg er mit hell gefärbten Haaren und weiß gepuderter Haut in den Ring, um sich über die Rassenlehre der Nazis lustig zu machen. 1944 endete Trollmanns Leben tragisch: Er starb im KZ-Außenlager Wittenberge - erschlagen von einem Aufseher, den er im Boxen bezwungen hatte.

"Die Geschichte ist unheimlich spannend und hat mich sofort berührt", berichtet Cihan Arici. Er hörte den Namen Johann Trollmann erstmals im Bremer Flamingo Gym, in dem die Aricis regelmäßig trainieren. Dort hatte die Filmcrew nach Boxern gesucht, die in dem Film mitspielen wollen. "Mein Sohn und ich haben sofort zugesagt. Wir waren erstaunt, dass wir als Boxer Trollmanns Geschichte noch nicht kannten", erinnert sich Cihan Arici. Und so wurde aus dem 19-jährigen Caner während der Dreharbeiten der Boxer Adolf Witt, den Trollmann im Kampf um die Deutsche Meisterschaft besiegte. Die Aufgabe sei schwierig gewesen, denn der statische Stil aus den 30er-Jahren liege ihm nicht, sagt Arici. Der 45-jährige Cihan spielt im Film den Trainer des Boxers Gustav Eder, gegen den Trollmann mit gefärbten Haaren und gepuderter Haut antrat. Arici bekam hierfür eine Perücke aufgeklebt und wurde in Kleidung der 30er-Jahre gesteckt, sprechen brauchte er jedoch nicht, nur während des Kampfes am Ring stehen.

Noch gefragter als die Schauspielfähigkeiten waren ohnehin die Boxkenntnisse der beiden Jahn-Sportler. Sie wirkten bei der Gestaltung der Kampfszenen mit und sollten diese möglichst realistisch aussehen lassen. Zudem stellte die Jahn-Boxabteilung einige Requisiten wie eine Ringglocke für die Dreharbeiten zur Verfügung. "Für die Boxszenen musste viel trainiert werden. Denn es wurde nicht richtig zugeschlagen, aber trotzdem sollte alles echt aussehen. Die Boxer mussten sich also berühren, ohne sich wirklich zu treffen", beschreibt Cihan Arici. Mit dem Ergebnis ist der Jahn-Trainer sehr zufrieden: "Es sind wirklich gute Kampfszenen geworden." Für den Hauptdarsteller Hannes Wegener hat er daher viel Lob parat: "Er hatte zuvor einige Wochen mit Boxern trainiert und hat das wirklich gut hinbekommen."

Insgesamt drei Tage lang waren Caner und Cihan Arici bei den Dreharbeiten zu "Gibsy" in einer Lagerhalle in der Bremer Überseestadt dabei. Außerdem wurden in Niedersachsen, Berlin und Brandenburg Szenen aufgenommen. Die Dreharbeiten sind erst kürzlich zu Ende gegangen. Der Film soll 2012 in die Kinos kommen und danach im NDR Fernsehen zu sehen sein. Caner und Cihan Arici sind bereits gespannt: "Wir sollen Bescheid bekommen, wenn der Film fertig ist und ihn dann ansehen können." Eins ist für Cihan Arici aber bereits klar: "Die Dreharbeiten waren für uns ein sehr spannendes Erlebnis. Mir war vorher gar nicht klar, was an so einem Set alles passiert. Es hat großen Spaß gemacht."

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