Die Unentbehrlichen: Daniel Glandorf trainiert zwei Kader und kämpft selbst noch erfolgreich

Judo-Aktivist an gleich drei Fronten

Bremen. Die Vorsitzende verteilte Lobeshymnen. „Daniel Glandorf ist nicht nur ein Judoka mit einer eigenen Geschichte.
09.05.2014, 00:00
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Von Heinz Fricke
Judo-Aktivist an gleich drei Fronten

Unentbehrlich im Bremer Judo: Daniel Glandorf, hier als Trainer des Nachwuchses beim TSV Borgfeld.

Frank Thomas Koch

Die Vorsitzende verteilte Lobeshymnen. „Daniel Glandorf ist nicht nur ein Judoka mit einer eigenen Geschichte. Er steht auch für eine alle ansteckende Judo-Begeisterung“, schrieb uns Anja Näke, die Vorsitzende des Bremer Judo-Verbandes. Und sie erzählte einiges mehr über den 37-Jährigen, dessen aktuelle Judo-Vita aus zumindest drei Kapiteln besteht: Er ist Spartenleiter beim TSV Borgfeld, Landestrainer der männlichen Jugend und immer noch ein Leistungsträger im Bremer Judoteam.

Das jüngste Kapitel begann erst vor gut zwei Jahren. Da hatte Glandorf das Gefühl, seine damals siebenjährige Tochter Sophia habe die Begeisterung und das Talent ihres Vaters für diesen Sport geerbt. Also rief der Neu-Borgfelder den Borgfelder Abteilungsleiter Peter Wendelken an: „Habt ihr kein Interesse an einer Judo-Jugendgruppe?“ Der Anruf kam zur rechten Zeit.

Denn die Borgfelder planten ohnehin einen Hallen-Anbau, in dem die Sportarten Judo und Jiu-Jitsu unterkommen sollten. Also rannte Glandorf offene Türen ein. Vor gut zwei Jahren begann das erste Jugend-Training mit sechs Kindern. Schon ein halbes Jahr später hatte sich die Mitgliederzahl vervierfacht, heute sagte Daniel Glandorf: „Die Kindern rennen uns die Bude ein.“ Dass er damals das Talent seiner Tochter richtig einschätzte, ist auch inzwischen belegt: Sophia Glandorf wurde 2013 Landesmeisterin. Und ihre dreijährige Schwester Mika trägt die Judo-Kluft auch schon.

Nun muss man sagen: Begeisterung und Talent für die Kampfsportarten wird bei den Glandorfs sozusagen vererbt. Schon Daniels Vater war bei der SV Hemelingen ein herausragender Jiu-Jitsu-Kämpfer, Klein-Daniel machte auch schnell sportliche Karriere: Bereits als Jugendlicher wurde er Landes- und Nordmeister, stand zeitweise im Nationalkader. „Damals habe ich drei- bis viermal die Woche hart trainiert“, erinnert er sich. Es war eine Zeit, in der die Bremer Judo-Szene auch überregional mitmischte. Für den JCSB (Judo-Club-Sportschule) mit Trainer und Präsident Dieter Schittkowski kämpfte Glandorf jahrelang in der 2. Bundesliga, später schloss er sich Bremen 1860 an. Und feierte auch außerhalb der Hansestadt noch bemerkenswerte Erfolge: Bei den deutschen Polizeimeisterschaften stand Kriminalkommissar Glandorf dreimal auf dem Treppchen.

Doch inzwischen spielen Wettkampfe nicht mehr die Hauptrolle. Glandorf ist als Abteilungsleiter und Trainer fast missionarisch in Sachen Judo aktiv, er nennt es die „schönste Sportart der Welt“. Und begründet: „Bei uns wird der ganze Mensch geformt, der gesamte Charakter.“ Kameradschaft, Disziplin, Respekt, Fairness, Stress-Bewältigung – alles Eigenschaften, die der 37-Jährige seinen Schülern zu vermitteln sucht, die er selbst vorlebt.

Damit ist er bisher gut durchs Leben gekommen – sieht man einmal davon ab, dass der Judosport seine Vertreter nicht ganz ungeschoren davonkommen lässt. „Mit meinen Blumenkohlohren muss ich leben“, grinst Daniel Glandorf. Dass Judo eine Sportart ist, deren Beherrschung auch außerhalb der Matten von Vorteil sein kann, hat Glandorf auch schon im Beruf erfahren: „Judo hat mir bei der einen oder anderen Festnahme geholfen. Und ich habe dabei keinem wirklich wehgetan.“

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