Bremer Volleyballstar Julian Hoyer hat alles richtig gemacht

Der junge Volleyballer Julian Hoyer wechselte von Bremen nach Berlin. Jetzt ist es U 18-Europameister und Bundesligaspieler. Bei der Sportgala in Bremen erhält er den Nachwuchspreis.
20.02.2019, 22:03
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Julian Hoyer hat alles richtig gemacht
Von Frank Büter

Julian Hoyer ist ein wenig im Stress. Der Nachwuchs-Volleyballer aus Bremen übt sich zurzeit im Spagat zwischen Leistungssport und Klausurenphase. Mehrmals am Tag pendelt er zwischen Sporthalle und Klassenraum, eilt zwischendurch zur Physiotherapie, geht mal kurz rauf auf sein Zimmer und dann zurück in die Halle. Seit dem Spätsommer 2017 lebt und trainiert Julian Hoyer beim VC Olympia Berlin, dem größten von insgesamt sechs Bundesstützpunkten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV).

Hoyer besucht dort die elfte Klasse des angeschlossenen Sportinternats. Im Moment stehen viele Klassenarbeiten auf dem Programm. Essen. Training. Schule. Wäsche erledigen. Lernen. Viel Freiraum bietet sein Tagesablauf nicht – und doch ist Julian Hoyer zufrieden. Nein, mehr noch: Er ist glücklich. „Mein Wechsel nach Berlin hat sich absolut gelohnt“, sagt der 17-Jährige. Gelohnt wegen seiner sportlichen Entwicklung, wegen seiner sportlichen Erfolge. Und – ebenfalls wichtig – „auch in der Schule läuft es gut.“

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Die Entscheidung, die Komfortzone zu verlassen, dem Elternhaus und den Klassenkameraden an der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße im Alter von 15 Jahren tschüss zu sagen, „war auf jeden Fall richtig“, sagt Hoyer. Als Jugend-Nationalspieler war das Talent von der Weser an die Spree gezogen, inzwischen ist er fester Bestandteil der U 19-Nationalmannschaft, die im August in Tunesien an der Weltmeisterschaft teilnimmt. Überdies hat er auch schon Bundesligaspiele in der ersten Mannschaft des VC Olympia absolviert.

Nachwuchspreis für gute Leistungen bei der U 18 Europameisterschaft

Sein größter Erfolg war indes der Titelgewinn mit der deutschen U 18-Auswahl bei der Europameisterschaft in Tschechien im April vergangenen Jahres. „Das war etwas ganz Besonderes“, sagt Julian Hoyer. Und eben dafür wird der veranlagte Außenangreifer jetzt mit dem Nachwuchsförderpreis der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) Bremen geehrt. Die Verleihung des mit 1000 Euro dotierten Preises findet am Dienstag, 5. März, im Rahmen der Sportgala im GOP-Theater Bremen statt. Ein Termin in der Woche, fernab von Berlin.

Doch Hoyer reist eigens an, er wird diese Auszeichnung persönlich in Empfang nehmen. „Ich habe bereits mit meinem Trainer gesprochen, das geht klar“, sagt Hoyer. Er hat also grünes Licht bekommen für einen Kurztrip in seine Heimat und darf zwei Tage das Training und den Schulunterricht am Mittwoch ausfallen lassen.

In der ersten März-Woche passt das, zumal er mittwochs generell nur zwei Schulstunden hat. An diesem Mittwoch hätte es nicht gepasst. Da nämlich wurde Hoyer in Berlin gebraucht. Weil die aus Stützpunktspielern der Jahrgänge 1999/2000 bestehende Erstvertretung des VCO personelle Probleme hat, musste der Bremer (Jahrgang 2001), der eigentlich für die Reserve in der 3. Liga Nord spielt, oben aushelfen. Einmal mehr. In der laufenden Saison war die Partie am Mittwochabend gegen den TV Rottenburg bereits die fünfte, in der Julian Hoyer in der höchsten deutschen Spielklasse zum Einsatz kam.

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Bundesligaspieler mit 17 – auch das ist bemerkenswert und ein Beleg für die Entwicklung, die der Außenangreifer in den zurückliegenden eineinhalb Jahren genommen hat. Die Kaderschmiede des VCO startet außer Konkurrenz in Liga eins, die Punkte aber fließen in die Wertung ein. Die Talente sollen Wettkampfpraxis auf höchstem Niveau sammeln, das ist die Idee hinter diesem Konzept. Hoyer gefällt das Konzept. Seine Premiere im Oberhaus feierte der Bremer am 1. Dezember im Heimspiel gegen die Volleyball Bisons aus Bühl. Am Ende gab es zwar eine Tiebreak-Niederlage, doch Julian Hoyer war zufrieden mit sich und seiner Leistung. Im ersten Durchgang saß er noch auf der Bank, dann wurde er eingewechselt und spielte vier Sätze durch. „Das hat Spaß gemacht“, sagt er. Und es hat ihm noch einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben.

Hoyer ist gern „bei den Älteren“ dabei, wie er es nennt. Er trainiert und spielt gern in der ersten Mannschaft mit. Das fordert ihn, auch zeitlich. Aber er nimmt diese Herausforderung an. „Ich lerne da unheimlich viel und kann mich noch weiter verbessern“, sagt Julian Hoyer. Und genau das ist sein Ziel. Er will sich stetig verbessern. Er will mithalten, will sich zeigen, auf höchstem Niveau gut präsentieren. Er arbeitet intensiv mit seinem Physiotherapeuten und absolviert nebenher noch ein spezielles Krafttraining für sein Knie, das ihm manchmal Probleme bereitet.

Im August zur U 19-WM nach Tunesien

Das Pensum ist enorm, gerade jetzt, Stichwort Klausurenphase. Doch Julian Hoyer beschwert sich nicht. Er trotzt der Belastung, die ihm mitunter nicht einmal am Wochenende einen Tag Auszeit lässt. Am 23. März endet die Hauptrunde in der Bundesliga und auch die Saison in der 3. Liga. Absehbar ruhiger wird es für ihn danach nicht. Denn im Anschluss rückt die Nationalmannschaft wieder in den Fokus. Dann stehen Lehrgänge an, dann startet die Vorbereitung auf den Jahreshöhepunkt: die U 19-WM in Tunesien. Stand jetzt, wird Julian Hoyer dann zum Aufgebot von Bundestrainer Matus Kalny gehören.

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An den EM-Triumph in Tschechien erinnert er sich gerne, sagt Hoyer. Aber er schwelgt nicht in der Vergangenheit. Der 17-Jährige blickt nach vorn – und hat sich neue, ehrgeizige Ziele gesetzt. Bei der WM erhofft er sich einen Platz unter den Top fünf. Zudem möchte er bis zu seinem Abitur im Frühjahr 2021 beim VCO zu einem echten Bundesligaspieler reifen. Nach der Schule beabsichtigt er, ein Studium aufzunehmen. Was genau, kann Julian Hoyer noch nicht sagen. Aber er sagt, dass er Studium und Leistungssport weiter verbinden möchte. Und natürlich hofft er auch darauf, es später mal bis in die A-Nationalmannschaft zu schaffen.

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