Missbrauchsvorwürfe gegen Jugendtrainer

Fußballszene in und um Bremen unter Schock

Die Staatsanwaltschaften in Bremen und Verden ermitteln gegen zwei Jugendtrainer wegen sexuellen Missbrauchs und Kinderpornografie. Die Fußballszene ist geschockt.
18.11.2020, 19:05
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Frank Büter und Dennis Schott
Fußballszene in und um Bremen unter Schock

Die Fußballszene ist geschockt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Jugendtrainer.

Jens Wolf/dpa

Sexueller Missbrauch und Kinderpornografie: Diese Vorwürfe beschäftigen die Fußballszene in und um Bremen. Die Staatsanwaltschaften in Bremen und Verden ermitteln gegen zwei Jugendtrainer. In dem einen Fall geht es um den Verdacht des sexuellen Missbrauchs an einem Nachwuchsfußballer des TuS Komet Arsten, im anderen Fall um heimliche Film- und Fotoaufnahmen Minderjähriger bei der TuSG Ritterhude.

„Es besteht ein Anfangsverdacht“, sagt Frank Passade, der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, und bestätigt den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an einer minderjährigen Person. Die Tat soll sich bereits im Oktober 2019 auf dem Vereinsgelände des TuS Komet Arsten zugetragen haben, so Passade weiter. Die Eltern des mutmaßlichen Opfers hätten Anzeige erstattet, Beschuldigter ist ein langjähriger Jugendtrainer des Vereins. Zum vermeintlichen Tathergang oder zu Alter und Geschlecht des mutmaßlichen Opfers machte Frank Passade keine Angaben. Ebenso wenig könne er sagen, ob und gegebenenfalls wann es zu einem Prozess kommen werde.

Arsten erteilt Hausverbot

Fakt ist indes, dass der Beschuldigte inzwischen nicht mehr beim TuS Komet Arsten aktiv ist. „Nach dem Anruf der Polizei haben wir noch am selben Tag ein Gespräch mit dem betreffenden Jugendtrainer und unserem Abteilungsleiter Serdal Tümkaya geführt“, schildert der Vereinsvorsitzende Andreas Vroom. Dabei habe man sich an diesem Montagabend im Oktober vergangenen Jahren im Interesse und zum Schutz aller Beteiligten mit sofortiger Wirkung auf ein Haus-, Platz- und Kontaktverbot verständigt. Zudem wurde ein Elternabend einberufen, um zeitnah zu informieren, da auch Mitspieler aus dem Mannschaftskreis im Rahmen der Ermittlungen als Zeugen geladen wurden. Darüber hinaus seien sowohl der Bremer Fußball-Verband (BFV) als auch der Landessportbund (LSB) umgehend über den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs in Kenntnis gesetzt worden, sagt Vroom.

All das sei zum Schutz aller Beteiligten geschehen, auch zum Schutz des Beschuldigten, „das ist mir wichtig zu betonen“, sagt Andreas Vroom. Schließlich stünde zunächst einmal Aussage gegen Aussage, es gelte die Unschuldsvermutung. Wie der Ermittlungsstand ist, sei ihm nicht bekannt, so Vroom weiter. „Es ist eine sehr sensible Angelegenheit und für alle Beteiligten ein extrem unbefriedigender Zustand. Die Ermittlungen laufen seit 13 Monaten, das ist eine fürchterliche Hängepartie“, sagt Klub-Chef Vroom, der gemeinsam mit den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Bernward Frühlingsdorf und Bernd Nehrhoff auch mit dem betroffenen Nachwuchsspieler regelmäßig im Gespräch ist und Hilfestellung bietet.

Der Bremer Fußball-Verband hat ebenso wie Komet Arsten seit mehr als einem Jahr Kenntnis von den Ermittlungen gegen den Jugendtrainer. „Die Gremien werden sich an diesem Abend mit dem Fall beschäftigen“, sagt Verbandssprecher Oliver Baumgart. Danach werde man zu allen Fragen Stellung beziehen.

Auch bei einem Verein aus dem niedersächsischen Umland gibt es einen ähnlich gelagerten Fall. Einem ehemaligen Jugendtrainer der TuSG Ritterhude wird vorgeworfen, über mehrere Jahre hinweg Film- und Fotoaufnahmen aus der Dusche und der Umkleidekabine angefertigt zu haben. „Ich kann bestätigen, dass gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen ermittelt wird“, erklärt Martin Schanz, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Es handele sich dabei um Datenträger, die in einem anderen Verfahren sichergestellt worden seien, so Schanz. Einen Zusammenhang zu den Ermittlungen der Bremer Staatsanwaltschaft im oben geschilderten Fall konnte er nicht bestätigen. „Unsere Ermittlungen richten sich nur gegen einen Beschuldigten, nicht gegen weitere.“

Ritterhude unterstützt Behörden

Mitte dieses Jahres wurde der Vorstand der TuSG Ritterhude von den Ermittlungsbehörden kontaktiert und arbeitet seitdem vollumfänglich mit den zuständigen Stellen in diesem laufenden Verfahren zusammen. Laut einer Vereinsmitteilung geht der Klub nach aktuellem Stand davon aus, dass es von Seiten des ehemaligen Trainers keinerlei körperliche Übergriffe gegeben hat. Die Ermittlungsbehörden haben nach Sichtung des sichergestellten Materials demnach in den vergangenen Wochen und Monaten die Eltern von betroffenen Kindern bereits kontaktiert.

„Wir verurteilen solch ein Verhalten auf das Schärfste!“, heißt es in besagter Mitteilung. Gleichzeitig bricht der Verein eine Lanze für seine Übungsleiter: „Wir möchten betonen, dass die ehrenamtlichen Übungsleiter … das volle Vertrauen in der Arbeit mit unseren Mitgliedern genießen.“ Mit Blick auf das laufende Verfahren gab es darüber hinaus keine weitergehende Stellungnahme von Vereinsseite und Staatsanwaltschaft. Allerdings legt der Verein Wert auf die Feststellung, dass der beschuldigte Trainer bereits seit Sommer 2018 nicht mehr in der Vereinsarbeit des Klubs tätig ist. Bis kurz vor den Sommerferien 2020 war er aber noch auf Verbandsebene im Bremer Raum als Übungsleiter aktiv.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+