Karate verlangt viel Körpergefühl / Erika Boger und Max Friesen von Bushido Verden wollen Titel verteidigen Kämpfen – ohne harte Treffer

Karate ist ein Kampfsport. Doch wer seinen Gegner hart trifft, verliert Punkte. Absolute Körperbeherrschung ist bei den Tritten, Schlägen und Drehungen gefragt. Genau das fasziniert Erika Boger und Max Friesen an diesem Sport. Für Erika Boger geht’s am Wochenende zudem zu den Deutschen Meisterschaften.
13.06.2013, 05:00
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Von Juliane Preiss

Karate ist ein Kampfsport. Doch wer seinen Gegner hart trifft, verliert Punkte. Absolute Körperbeherrschung ist bei den Tritten, Schlägen und Drehungen gefragt. Genau das fasziniert Erika Boger und Max Friesen an diesem Sport. Für Erika Boger geht’s am Wochenende zudem zu den Deutschen Meisterschaften.

Verden. Aus der Turnhalle der Nicolaischule dringen Schreie nach draußen. Laute Schreie. Drinnen tänzeln 16 Kinder und Jugendliche in weißen Karateanzügen und Sportkleidung über eine dünne Matte. Jeder Schlag in Richtung Gegner wird durch ein markerschütterndes Brüllen begleitet. Das ist der Kiai, der Kampfschrei. Er gehört zu Karate wie der farbige Gürtel am weißen Anzug. Es heißt, dass er Stärke und Entschlossenheit der Bewegung unterstützt. Im Wettkampf ist der Kiai Pflicht, wer ihn vergisst, bekommt keine Punkte, auch wenn er trifft. Als die Trainerin Ulrike Maaß den Knopf an ihrer Stoppuhr drückt, herrscht augenblicklich Ruhe. Die kleinen Kämpfer stellen sich gegenüber auf und verbeugen sich. Trinkpause.

Erika Boger und Max Friesen gehören zu den Erfahrensten der Gruppe. Ihre Bewegungen sind so schnell, dass das Auge ihnen kaum folgen kann. Erika Boger ist amtierende Deutsche Meisterin in der Juniorenklasse U18, außerdem kämpft die 17-Jährige im Bundeskader. Max Friesen ist der beste Deutsche in seiner Gewichtsklasse der U16-Junioren und für den Bundestalentkader einberufen. Vor rund acht Jahren ist er einmal zum Schnuppertraining bei Bushido Verden gegangen, dann ist er bei dem Sport geblieben. "Karate bedeutet Disziplin und Körperbeherrschung, das finde ich gut", sagt der 13-Jährige.

Mehr Punkte mit Tritten

Schläge, Tritte, Stöße, Blöcke – diese Techniken werden beim Karate mit hoher Geschwindigkeit ausgeführt. Das japanische Schriftzeichen für Karate bedeutet "leere Hand", gekämpft wird ohne Waffen. Die Kunst liegt darin, Millimeter vor dem Kinn oder dem Rumpf des Gegner zu stoppen oder ihn nur leicht zu berühren. "Harte Treffer sind nicht erlaubt", erklärt Trainerin Ulrike Maaß. "Rote Flecken sind verboten." Für Treffer mit dem Fuß gibt es mehr Punkte als mit der Hand. Erika Bogers Lieblingstechnik ist der "Mawashi geri". Ein Fußtritt bei dem zuerst das Knie angewinkelt wird. Dann schnellt das Bein mit einer Hüftdrehung gerade hoch. Das Gesicht des Gegners wird mit der Unterseite der Zehen oder dem Spann touchiert. Bei der vergangenen Deutschen Meisterschaft hat Erika Boger drei Mal mit einem solchen Tritt gepunktet und ihre Gegnerin mit 9:0 besiegt.Sie verdankt die Karate-Karriere ihrem ängstlichen Opa. Der hatte seine Enkelin zum Training angemeldet, damit sie sich verteidigen kann. Mit Prügel hat Karate aber gar nichts zu tun, das hat Erika Boger dann auch ihrem Großvater gesagt. "Ich habe ihm mal ein Karate-Video gezeigt und erklärt, was ich da wirklich mache. Er fand das aber trotzdem gut", sagt sie. Jungs hätten aber schon Respekt, wenn sie hören, dass sie Karate macht.

Erika Boger und Max Friesen stehen drei Mal die Woche auf der Matte, außerdem haben beide einmal im Monat Kadertraining, Erika Boger in Duisburg, Max Friesen im thüringischen Waltershausen. Karate ist aber nicht ihr einziges Hobby. Erika Boger trainiert noch im Leichtathletikverein und tanzt Zumba. Max Friesen spielt Fußball beim TSV Dauelsen.

Das Hobby Karate ist allerdings teuer und aufwendig. Auch die Ausrüstung kostet. Zu der gehören neben den weißen Anzügen und Gürteln noch Faustschützer, Schienbein- und Spannschützer, Mundschutz, Maske, ein Brustschutz für die Frauen und ein Tiefschutz für die Männer. Eine kleine finanzielle Unterstützung ist die Sportförderung "2 be a Champ".

Die Trinkpause in der Turnhalle ist beendet. Trainerin Ulrike Maaß lässt die jungen Karatekämpfer wieder gegenüber aufstellen. In ruhigem Ton erklärt sie die nächste Übung, sie muss nicht brüllen, alle Kinder hören aufmerksam zu. Neben den Kampftechniken lernen ihre Schüler vor allem Disziplin, Respekt vor dem Gegner und Selbstvertrauen. "Stellt euch gerade auf, macht euch groß und stark", erklärt Ulrike Maaß schon den jüngsten Karatekämpfern, wie sie selbstbewusst auftreten. Die Trainerin besitzt den fünften Dan, einen der schwarzen Gürtel der Meister, ist Deutsche Meisterin und ehemaliges Mitglied der Karate-Nationalmannschaft. Sie hat den Verein Bushido in Verden 1997 gegründet. Bushido ist japanisch und heißt übersetzt: der Weg des Kriegers.

Eine Regel im Karate besagt: "Erkenne zuerst dich selbst, dann den anderen." Wenn man mal keinen guten Tag hat, sollte man sich das nicht anmerken lassen, vor allem nicht im Wettkampf. "Das sollte keiner mitbekommen. Ich verpacke das dann möglichst", sagt Erika Boger. Am 15. und 16. Juni will sie ihren Titel bei der Deutschen Karatemeisterschaft der Jugend und Junioren in Chemnitz verteidigen. Um Pokale kämpfen auch Max Friesen, Daniel Scheerer und Kubilaj Ucan, die alle bei Bushido Verden trainieren.

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