Das Pendeln zwischen Badminton-Halle und Altbauwohnung hat bald ein Ende / Hausbesuch bei Dörthe Havemeyer Kalte Füße nur auf den Fliesen

Osterholz-Scharmbeck. Die Puschen sind überlebenswichtig. Rot und flauschig sind sie, warm sicherlich erst recht. Und sie passen eigentlich gar nicht zu dem schicken schwarzen Dress, in dem Dörthe Havemeyer die Tür öffnet. Doch wer die Badminton-Spielerin in ihrem Mietshaus in der Lindenstraße besucht, der erkennt den Sinn der roten Hausschuhe sofort: Wer keine trägt, kriegt kalte Füße.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kalte Füße nur auf den Fliesen
Von Tobias Dohr

Osterholz-Scharmbeck. Die Puschen sind überlebenswichtig. Rot und flauschig sind sie, warm sicherlich erst recht. Und sie passen eigentlich gar nicht zu dem schicken schwarzen Dress, in dem Dörthe Havemeyer die Tür öffnet. Doch wer die Badminton-Spielerin in ihrem Mietshaus in der Lindenstraße besucht, der erkennt den Sinn der roten Hausschuhe sofort: Wer keine trägt, kriegt kalte Füße.

Gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund Hannes Heinsohn bewohnt die 23-Jährige die rund 80 Quadratmeter große Erdgeschosswohnung in dem Altbau. Viele Fliesen, ältere Fenster und natürlich keine Fußbodenheizung. Der Gast wird über einen schmalen Flur zum Wohnzimmer geführt - glücklicherweise von Teppichläufer zu Teppichläufer. Drei Zimmer, dazu ein kleiner Anbau, in dem die angehende Grundschullehrerin ihr Büro eingerichtet hat. "Dort ist es aber ganz besonders frisch", sagt Havemeyer mit einem Lächeln und lässt die Tür, die vom Wohnzimmer abgeht, lieber geschlossen.

In der guten Stube lässt es sich in der Tat deutlich besser aushalten, der Raum ist zweigeteilt, im hinteren Bereich steht ein großer Esstisch. Die Wände sind in einem warmen Orange gestrichen, Holzmöbel runden den fast mediterranen Look ab. Hinter dem Haus haben Havemeyer und Heinsohn zudem einen großen Garten, den sie komplett in Eigenregie verwalten können. Genau das war auch der Grund, in das Haus in der Lindenstraße zu ziehen. Weg von der eher sterilen Wohnung, rein in einen ziemlich individuellen Altbau.

"Erfahrungen sammeln", nennt es Havemeyer und erklärt: "Hier wollen und müssen wir vieles alleine machen, besonders im Garten, aber auch im Haus." Lachend dreht sie sich um und zeigt auf die Gardinenstange. "Ist zwar nicht ganz gerade, aber Hannes hat sie immerhin alleine angebohrt." In ein paar Jahren soll schließlich irgendwann das Eigenheim folgen, und da will sich das Paar, das bereits seit neun Jahren liiert ist, nun optimal vorbereiten.

Eine optimale Vorbereitung ist bei Havemeyer zur Zeit aber nicht nur im häuslichen Bereich wichtig. Im Februar beginnt die angehende Grundschullehrerin ihr Referendariat, möglichst in Osterholz-Scharmbeck. Kunst und Deutsch hat Havemeyer studiert, nun fängt demnächst eine neuer Lebensabschnitt an. Und da noch nicht klar ist, wie viel Zeit das Referendariat in Anspruch nimmt, wird sich Havemeyer vorerst aus dem Badminton-Sport zurückziehen. "Ich habe mein sportliches Testament bereits gemacht", sagt sie lachend. Ihre Amt als Jugendtrainerin beim SV Komet Pennigbüttel gibt sie ebenso ab wie ihre anderen ehrenamtlichen Posten. Künftig müssen Axel Wohltmann und Bastian Kieck die talentierte und ambitionierte Jugendgruppe also alleine coachen. Und der Schnitt fällt wahrlich schwer.

"Es ist gar nicht so einfach, die Sachen aus der Hand zu geben. Es lief ja eigentlich alles über mich", sagt Havemeyer. Seit sieben Jahren ist sie als Trainerin bei den Kometen aktiv. Für die Kinder und Jugendlichen hat sie sogar ihre eigene Karriere hinten angestellt.

Und die war durchaus verheißungsvoll gestartet. Mit acht Jahren hatte Havemeyer mit dem Badminton angefangen, mit elf war sie bereits zum ersten Mal Kreismeisterin. Mit 16 war sie dann in ihrer Altersklasse in Niedersachsen an Position eins gesetzt, schaffte es im Doppel fast einmal zur Deutschen Meisterschaft. Dann kamen die Kids - und Havemeyer entdeckte ihre Trainer-Leidenschaft. "Die Kinder haben mir einfach bedeutend mehr gegeben als meine eigenen Siege", erinnert sich Havemeyer.

So kam es, dass sie in den vergangenen Monaten und Jahren beinahe täglich in den Sporthallen anzutreffen war. Wie praktisch, dass auch Freund Hannes beim TSV Wallhöfen dem weißen Federball hinterherjagt. Und natürlich, so beruhigt Havemeyer, wird es auch von Februar an keinen kompletten Rückzug, sondern lediglich ein Kürzertreten bei den Kometen geben. Denn ganz ohne Badminton kann die sportliche Blondine ohnehin nicht sein.

Im Wohnzimmer neben dem Flachbild-Fernseher fällt der Blick auf einen überdimensionierten Gipsfinger. Es ist eine Maxi-Version von Havemeyers kleinem Finger - eine Erinnerung an die kreative Studienzeit der gebürtigen Pennigbüttelerin. Im Schlafzimmer hängen drei selbstgemalte Aktbilder. "Davon gibt es eigentlich noch viel mehr, aber Hannes findet die nicht alle toll", sagt Havemeyer. Dafür dürfen die diversen Kaffee- und Pfeffermühlen in der Küche stehen bleiben, die Havemeyer seit längerer Zeit sammelt.

Auf dem Weg zurück zur Haustür fällt der Blick auf eine bisher nicht bemerkte Tür. "Da geht?s in den Keller", erklärt Havemeyer. Brrr, denkt sich der Gast, ohne Puschen geh ich da bestimmt nicht runter.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+