Die Fischtown Pinguins verlieren ihre DEL-Premiere gegen Wolfsburg knapp mit 2:3

Kampf auf Augenhöhe

Bremerhaven. Die DEL soll eine Nummer zu groß sein für die Fischtown Pinguins? Beim ersten Auftritt der Vereinsgeschichte im Oberhaus des deutschen Eishockeys sind die Bremerhavener diesem Verdacht schon mal nicht gerecht geworden: Denn sie zeigten am Freitag eine beherzte Partie und boten den favorisierten Grizzlys Wolfsburg, dem Vizemeister der Vorsaison, einen Kampf auf Augenhöhe. Am Ende setzten sich die Wölfe in der ausverkauften Eisarena dennoch mit 3:2 durch.
17.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Kampf auf Augenhöhe
Von Marlo Mintel
Kampf auf Augenhöhe

Wild entschlossen: Pinguins-Profi Atte Pentikäinen (links) beim DEL-Auftakt gegen die Grizzlys Wolfsburg.

Sven Peter (hansepixx.de), hansepixx.de

Bremerhaven. Die DEL soll eine Nummer zu groß sein für die Fischtown Pinguins? Beim ersten Auftritt der Vereinsgeschichte im Oberhaus des deutschen Eishockeys sind die Bremerhavener diesem Verdacht schon mal nicht gerecht geworden: Denn sie zeigten am Freitag eine beherzte Partie und boten den favorisierten Grizzlys Wolfsburg, dem Vizemeister der Vorsaison, einen Kampf auf Augenhöhe. Am Ende setzten sich die Wölfe in der ausverkauften Eisarena dennoch mit 3:2 durch.

Wie im Vorfeld von Trainer Thomas Popiesch gefordert, begannen die Pinguins sehr aggressiv. Sie scheuten keine Zweikämpfe – ganz zur Freude ihrer Fans. Die erste Torchance für die Pinguins hatte Brock Hooton (4.), der seinen Gegenspieler austanzte und aus Nahdistanz an Torwart Sebastian Vogl scheiterte. In der siebten Minute musste Atte Pentikäinen, der finnische Neuzugang, die erste Strafe in der Pinguins in der DEL absitzen – die Unterzahl überstanden die Gastgeber, gerieten aber wenig später durch den Treffer von Pfohl in Rückstand (10.). Der nächste Rückschlag für den Liga-Neuling folgte in der 13. Minute durch Wurm – 0:2. Es sah nicht gut aus. Der Stimmung in der mit 4647 Zuschauern ausverkauften Eisarena tat das keinen Abbruch. Die Bremerhavener Fans peitschen ihre Mannschaft nach vorne – auch wenn das erste Drittel eindeutig den Gästen gehörte. Die Partie begann im Mittelabschnitt zäh, beide Teams tasteten sich ab. Das aber fand in der 29. Minute abrupt ein Ende, als Jordan Owens ein historischer Treffer gelang. Der Angreifer erzielte per Stochertor den ersten DEL-Treffer für Bremerhaven. Und die Eisarena stand Kopf.

Die Pinguins gaben sich damit nicht zufrieden, drängten auf den Ausgleich – der in der 37. Minute dann auch gelang. Torschütze war wieder Owens. Owens, der Doppelpacker. Doch die Freude währte nicht lange. In der 39. Minute musste Pinguins-Torwart Nieminen hinter sich greifen – der Finne reklamierte zwar Abseits, doch das Tor zählte. Mit einem 2:3-Rückstand gingen die Bremerhavener in die Kabine.

Im Schlussdrittel hatte zunächst Wolfsburg die größeren Torgelegenheiten. Nieminen verhinderte in der 45. Minute mit einer Glanzparade gegen Pfohl das mögliche, das vorentscheidende 2:4. Und Bremerhaven wehrte sich, kam durch den freistehenden Jeremy Welsh zu einer guten Gelegenheit (50.). Der Angreifer verhinderte im Gegenzug den Gegentreffer durch Voakes. Dem Publikum gefiel das Spiel. „Nie mehr 2. Liga“, skandierte es. Der Ausgleich sollte aber nicht mehr gelingen. Dennoch: Die Fans waren zufrieden mit diesem historischen Abend. Und das hatte sich schon lange vorher abgezeichnet.

Rückblende: 17.25 Uhr, knapp eine Stunde vor Einlass. Noch ist es leer, knapp 30 Menschen stehen vor der Halle. Darunter: Sven Bade und Herbert Schumann. Sie stehen hier schon seit einer Stunde. Dass sie Pinguins-Fans sind, ist nicht zu übersehen. Beide im Pinguins-Trikot, mit Pinguins-Mützen, Schumann trägt noch zwei Pinguins-Schals um den Hals. Sie haben seit 20 Jahren eine Dauerkarte, haben sich bei den Pinguins kennengelernt. Während der Partie werden sie wieder in der Kurve stehen und ihre Pinguine anfeuern. So wie immer. Aber jetzt eben erstklassig.

„Also, ich bin nachher heiser. Von meiner Stimme hörst du später nichts mehr“, sagt Bade. Er kommt wie sein Kumpel aus Bremerhaven. Ihr Klub spielt nun in der höchsten deutschen Eishockey-Liga. Für Bade ist das immer noch unbegreiflich. „Wahnsinn“, sagt er. Er freut sich in der DEL auf „viel schnelleres Eishockey, härtere Checks“. Für das Spiel gegen Wolfsburg ist er optimistisch gestimmt. „Die werden heute nach Hause geschickt“, sagt der 41-Jährige, „wir sind alle heiß auf die DEL.“ Sein Kumpel stimmt ihm nickend zu. Für den 67-jährigen Herbert Schumann haben die Pinguine eine besondere Bedeutung. „Wenn du frei hast, dann gehst zu den Pinguinen. Die Frau kann ins Kino gehen – und du zum Eishockey“, sagt er und lacht. So ist es, so soll es sein. So wie auch am Sonntag, wenn die beiden Kumpels die Pinguine zum Auswärtsspiel nach Schwennigen begleiten. Bremerhaven ist angekommen in der DEL.

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