Der 24-jährige Mittelfeldspieler übernimmt den TuS Heidkrug zur kommenden Saison / Holger Weber hört auf Karaca wird zum jüngsten Kreisliga-Trainer

Noch führt er im Mittelfeld des TuS Heidkrug Regie, ab der kommenden Saison gibt Selim Karaca beim Fußball-Kreisligisten generell die Richtung vor. Der 24-Jährige beendet seine aktive Laufbahn und tritt als Trainer die Nachfolge von Holger Weber an, der aufhört. Dem aktuellen A-Jugend-Coach Karaca wird ein enger Draht zu den Heidkruger Talenten nachgesagt, die er künftig besonders fördern soll.
26.02.2015, 00:00
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Karaca wird zum jüngsten Kreisliga-Trainer
Von Christoph Bähr

Noch führt er im Mittelfeld des TuS Heidkrug Regie, ab der kommenden Saison gibt Selim Karaca beim Fußball-Kreisligisten generell die Richtung vor. Der 24-Jährige beendet seine aktive Laufbahn und tritt als Trainer die Nachfolge von Holger Weber an, der aufhört. Dem aktuellen A-Jugend-Coach Karaca wird ein enger Draht zu den Heidkruger Talenten nachgesagt, die er künftig besonders fördern soll.

Über eine Sache will Selim Karaca am liebsten gar nicht sprechen: über sich selbst. „Es geht nicht um Personen, nur um den Verein“, wiederholt der 24-Jährige mehrmals. Verhindern können wird Karaca wohl trotzdem nicht, dass er künftig öfter im Mittelpunkt steht. Seine Beförderung zum Herrentrainer des TuS Heidkrug bietet einfach zu viele interessante Randnotizen. Karaca wird ab Sommer nicht nur der jüngste Coach der Fußball-Kreisliga sein, er wird auch vom einen Tag auf den anderen seine jetzigen Mitspieler trainieren. „Natürlich wird es für mich etwas ganz anderes sein. Dann bin ich nicht mehr der Kumpel, der mit auf dem Platz steht, sondern der Trainer. Aber in der Mannschaft gibt es nur tolle Jungs. Das wird schon klappen“, sagt Karaca.

Etwas Zeit, sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten, hat der aktuelle Heidkruger A-Jugend-Coach noch: Bis Saisonende bleibt Karaca Spieler. Holger Weber macht bis dahin als Trainer weiter und hört dann auf. Sein Assistent Jorge Jacinto bleibt dagegen über den Sommer hinaus. „Diese Regelung wurde mit allen Beteiligten im Guten getroffen“, betont Heidkrugs Fußball-Abteilungsleiter Christoph Ernst. In der Vergangenheit wurden am Bürgerkampweg schon mehrere Trainer gegen ihren Willen entmachtet, daher legen die Verantwortlichen Wert darauf, dass es dieses Mal anders läuft. Weber selbst hat die Entscheidung des Klubs nach eigenem Bekunden akzeptiert. „Die Jugend ist das große Faustpfand des TuS Heidkrug. Ich stehe dem Umbruch nicht im Weg“, erklärt der 55-Jährige, gibt aber zu bedenken, dass die älteren Spieler nicht vergessen werden dürfen. „Die muss man unbedingt halten.“ Bis Saisonende will Weber noch alles geben. „Aber nur, wenn die Mannschaft mitzieht. Wenn sich die Spieler sagen, der Trainer ist eh bald weg, kann es ein schnelles Ende geben“, betont er.

Die Idee, Karaca zum Herren-Coach zu machen, hatten Christoph Ernst und der stellvertretende Vereinsvorsitzende Guido Schimanski. „Selim hat einen Draht zur Jugend. Er soll unsere Talente im Verein halten“, erklärt Ernst die Beweggründe. Nachdem es jahrelang gar keine A-Jugend in Heidkrug gab, verfügt der Verein aktuell über eine starke Mannschaft, die mit ihrem Trainer Karaca auf dem ersten Platz der Kreisliga liegt. Von den 22 A-Junioren rücken im Sommer gleich zwölf in den Herrenbereich auf. Die talentierten Lukas Mutlu, Marius Hamann und Jonas Yildiz kommen jetzt schon regelmäßig im Herrenteam zum Einsatz. Sollten die großen Heidkruger Talente im Sommer zu anderen Klubs abwandern, wäre das für den Verein ein Desaster.

Dieses soll nun Selim Karaca verhindern, der schon seit fast zehn Jahren Nachwuchstrainer am Bürgerkampweg ist und viele Spieler entsprechend lange kennt. Und der Plan scheint aufzugehen: Von den zwölf A-Junioren des älteren Jahrgangs haben laut Karaca bereits zehn für die kommende Saison zugesagt. „Wir müssen unsere Jugendspieler halten. Die identifizieren sich mit dem Verein und bleiben auch in schlechten Zeiten“, betont der C-Lizenz-Inhaber.

Jahrelang habe der TuS Heidkrug in dieser Hinsicht geschlafen. „Spieler, die zwischen 1990 und 1996 geboren wurden, haben wir kaum. Solch eine große Lücke darf es nicht wieder geben“, verdeutlicht Karaca. Der Verwaltungswirt hat sich Ziele gesteckt, die über Tabellenplätze hinausgehen. Aktuell sind die Heidkruger Achter der Kreisliga. Darüber, wo es tabellarisch in der kommenden Saison hingehen soll, macht sich Selim Karaca keine Gedanken. „Es geht nicht nur um Ergebnisse. Der Trainer muss vielmehr die Mannschaft zusammenhalten. Wir müssen eine Vereinsphilosophie entwickeln und dem TuS Heidkrug eine Struktur geben. Das Soziale ist wichtig und eine familiäre Atmosphäre im Verein.“

Karaca will, dass es am Bürgerkampweg wieder eine richtige zweite Herrenmannschaft gibt, um den A-Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Auch die Zukunft der A- und B-Jugend soll gesichert werden. Gespräche über Karacas Nachfolge als A-Jugend-Coach laufen bereits. „Vieles ist momentan in der Schwebe. Wir haben eine Herkulesaufgabe vor uns. Bis zum 1. Juli muss das Konzept stehen“, sagt Karaca, der in den kommenden Wochen noch vieles zu besprechen hat.

Dass er der neuen Aufgabe gewachsen ist, daran hat der bald jüngste Coach der Kreisliga keine Zweifel. „Ich bin schon lange Trainer und hatte auch selbst viele Trainer, von denen ich viel gelernt habe. Es wird eine Mörderaufgabe, aber ich bin dafür gewappnet“, betont er. Um sich voll auf den Posten als Coach zu konzentrieren, hängt Karaca die Fußballschuhe im Sommer an den Nagel. Dabei ist er erst 24, der Kopf im Mittelfeld und mit acht Treffern der zweitbeste Heidkruger Torschütze. „Mir fällt es nicht schwer, aufzuhören“, sagt er. „Die Kreisliga ist schließlich nicht die Welt.“

Einen Spielertrainer Selim Karaca wird es jedenfalls nicht geben, da ist er sich sicher. „Das werde ich nicht machen. In der Rolle ist man immer angreifbar.“ Jetzt musste er also doch kurz über sich sprechen, das merkt auch Selim Karaca und schiebt sofort hinterher: „Um mich als Person geht es ja sowieso nicht.“

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