Noch wichtiger als drei Punkte gegen die Bayern ist für den BVB der Umbau der Mannschaft für die Zukunft Kein Duell auf Augenhöhe – und doch elektrisierend

Dortmund. Die Worte, die Hans-Joachim Watzke wählt, klingen in diesen Tagen etwas anders, im Prinzip aber bleibt seine Botschaft unverändert. „Bei aller gebotenen Demut, wenn Du an zehnter Stelle stehst, glaube ich schon, dass das Spiel des BVB gegen Bayern die deutsche Fußballgemeinde deutlich mehr interessiert, als wenn Wolfsburg gegen Bayern spielt“, sagt der Geschäftsführer von Borussia Dortmund vor dem Klassiker zwischen seinem kriselnden Klub und dem Rekordmeister.
04.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Theweleit

Die Worte, die Hans-Joachim Watzke wählt, klingen in diesen Tagen etwas anders, im Prinzip aber bleibt seine Botschaft unverändert. „Bei aller gebotenen Demut, wenn Du an zehnter Stelle stehst, glaube ich schon, dass das Spiel des BVB gegen Bayern die deutsche Fußballgemeinde deutlich mehr interessiert, als wenn Wolfsburg gegen Bayern spielt“, sagt der Geschäftsführer von Borussia Dortmund vor dem Klassiker zwischen seinem kriselnden Klub und dem Rekordmeister. Im Prinzip betrachten sich die Dortmunder also immer noch als Nummer Zwei in der deutschen Bundesliga-Landschaft, wie in den guten Zeiten, als Watzke das Bild vom BVB als „zweitem Leuchtturm“ prägte.

Dafür gibt es gute Gründe. Zwar stehen der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen oder auch Schalke 04 in der Tabelle deutlich besser da – der mit Abstand aufregendste Klub im großen Bundesligatheater war aber auch in dieser Saison der BVB. Viele Spiele wurden zu atemberaubenden Dramen, und der Absturz war mitreißend, spektakulär, rätselhaft. Mit einem Sieg gegen die Bayern könnte der BVB endgültig den Klassenerhalt schaffen und das Ziel Europa League ins Auge fassen. „Wir sind uns alle im Klub im Klaren darüber, dass jeder Punkt, den wir gegen Hinten sammeln, wenn es denn rechtzeitig geschieht, uns diese Möglichkeit gibt“, sagt Jürgen Klopp. Und über den Pokal kann der BVB, der übrigens zu den vier besten Teams der Rückrunde zählt, ebenfalls den internationalen Wettbewerb erreichen. Noch bedeutsamer für die Zukunft sind aber die Entscheidungen, die in diesen Tagen hinter den Kulissen getroffen werden.

Watzke, Klopp und Sportdirektor Michael Zorc stellen die Weichen für die kommenden Jahre, und das ist eine viel größere Herausforderung als so ein Spitzenspiel gegen den FC Bayern. Beschlossen haben sie bereits, dass es keinen Trainerwechsel geben wird. Nun wird an der Mannschaft der Zukunft gebastelt. Der Kicker hat ausgerechnet, dass die Dortmunder seit dem Champions-League Finale von 2012 genau 115,2 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben haben – mehr als der damalige Gegner aus München (110 Millionen). Und trotzdem versanken sie tief im Abstiegssumpf. Noch sei es „zu früh für eine abschließende Analyse“, sagt Zorc zwar, aber klar ist, dass Fehlentscheidungen getroffen wurden. Und natürlich wissen sie längst, was sich ändern muss.

Mit den Abgängen von Mario Götze und Robert Lewandowski wurden die Dortmunder ihrer wichtigsten Ausweichstrategien zum klassischen Balleroberungsfußball beraubt. Passender Ersatz wurde trotz der enormen Investitionen nicht gefunden. In dieser Saison haben die Dortmunder immer dann Probleme, wenn Gegner wie der Hamburger SV oder der 1. FC Köln tief stehen. Oder wenn eine Mannschaft weit vor dem eigenen Tor hohen Druck auf den Dortmunder Spielaufbau ausübt.

Diese Eindimensionalität des BVB-Fußballs ist jenseits der vielen Verletzungen im Kader eine große Schwäche. Daher wird die anstehende „Neujustierung“, von der Watzke spricht, im Kern darin bestehen, das Spiel wieder flexibler zu machen. Das Problem ist nur, dass die gewünschten Umbauten am Kader nicht so einfach durchgeführt werden können. Am Saisonende läuft nur der Vertrag von Sebastian Kehl aus. Alle anderen Spieler, die der BVB eventuell loswerden möchte – spekuliert wird über Mkhitaryan, Weidenfeller, Immobile, Großkreutz, Jojic, Ramos, Piszczek und Schmelzer – müssen einem Wechsel zustimmen. Und Leute wie Mats Hummels oder Ilkay Gündogan werden möglicherweise von sich aus auf einen Abschied drängen.

Zwar wären einige dieser Spieler für sich genommen ein Verlust, aber viel Bewegung im Kader könnte der Schlüssel für eine Rückkehr in die Champions League sein. Denn nach allem, was die Mannschaft durchgemacht hat, braucht das Team nicht nur neue fußballerische Lösungen, sondern auch einen neuen Geist, der nicht den süßen Jahren nachhängt, sondern einen Glauben an die Zukunft verkörpert. Wenn die Dortmunder nicht schnell in die Tabellenspitze zurückkehren, könnten die Duelle der Münchner gegen Wolfsburg bald doch mehr Fans elektrisieren als der Klassiker vom Samstagabend.

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