Paralympics-Sieger Rehm setzt nach Expertenanalyse noch auf einen Start bei Olympia Kein Vorteil zu erkennen

Köln. Markus Rehm hat seine ganz eigene Technik – auch bei der Verwendung von Kopfhörern. So lauscht der 27-jährige Paralympics-Sieger von London den Worten der Dolmetscherin zwar gespannt, aber auch mit einer gewissen Lässigkeit, während die Wissenschaftler aus Tokio, Köln und Colorado die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie präsentieren.
31.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Köln. Markus Rehm hat seine ganz eigene Technik – auch bei der Verwendung von Kopfhörern. So lauscht der 27-jährige Paralympics-Sieger von London den Worten der Dolmetscherin zwar gespannt, aber auch mit einer gewissen Lässigkeit, während die Wissenschaftler aus Tokio, Köln und Colorado die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie präsentieren. Die Forscher stellten umfangreiche Untersuchungen darüber an, ob unterschenkelamputierte Weitspringer wie Rehm durch ihre Prothese Vor- oder Nachteile gegenüber nicht behinderten Sportlern haben.

„Wir konnten Nachteile beim Anlauf feststellen, die eindeutig der Prothese zugewiesen werden konnten. Auf der anderen Seite haben wir Vorteile aufgrund der verbesserten Sprungeffizienz erkannt“, erläutert Wolfgang Potthast. Zwei Details, die der Professor vom Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln in die zentrale Erkenntnis münden lässt: „Es gibt völlig unterschiedliche Bewegungstechniken bei behinderten und nicht behinderten Weitspringern, die sich nach aktuellem Stand nicht eindeutig gegeneinander aufwiegen lassen.“

Für Markus Rehm ist das Resultat aussagekräftig genug, um seinen Start bei den Olympischen Spielen in Rio weiterhin für möglich zu halten. Ins Visier nimmt der Leichtathlet dabei vor allem den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF), der im August 2015 dafür sorgte, dass nun die Athleten nachweisen müssen, durch „mechanische Hilfen“ keinen Vorteil zu haben. Das sei mit der in Köln gerade präsentierten Studie erfolgt, sagt Rehm, spricht von einem „schönen Ergebnis“ und betont: „Im Zweifel für den Angeklagten – nach dem Motto könnte ich jetzt versuchen, mich einzuklagen. Aber das ist nicht meine Absicht.“

Dabei wäre Rehm beileibe nicht der erste Athlet mit Handicap, der bei Olympia dabei ist. Der Deutschamerikaner George Eyser war der erste bei den Spielen 1904 in St. Louis. Er trat im Turnen mit einem Holzbein an und gewann Gold. Ihm folgten seitdem weitere 20 Sportler mit Behinderungen – bis hin zum Start des beidbeinig amputierten Südafrikaners Oscar Pistorius bei den London-Spielen.

Markus Rehm vermeidet es am Montag, den Namen Pistorius auszusprechen. „Ich gehe einen anderen Weg als den, den er gewählt hat, indem er vor den Internationalen Sportgerichtshof gezogen ist. Ich will einen fairen Wettkampf – und mir nicht mit Rechtsanwälten Argumente an den Kopf werfen“, macht er stattdessen deutlich. Am letzten Mittwoch schließlich schaffte er in Innsbruck mit 8,18 Metern als erster DSV-Springer die Norm für Rio – und geht nun die IAAF an.

„Ich verstehe nicht, was dagegen spricht, sich an einen Tisch zu setzen“, ereifert sich Rehm über das Versteckspiel der Funktionäre. Unterstützung bekommt er von Friedhelm Julius Beucher, dem Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes, der schon in einem Gastbeitrag im WESER-KURIER betont hatte, dass nicht der Athlet in der Beweispflicht ist, sondern der Verband: „Der Weltverband kann sich nicht in die Büsche schlagen. Wir werden in dieser Sache Klarheit einfordern.“

Eine Entscheidung wird es frühestens beim IAAF-Council am 17. Juni geben. „Mir geht es nicht um eine Medaille bei den Nichtbehinderten. Ich möchte die Paralympischen und die Olympischen Spiele zusammenbringen, möchte, dass sie nicht so hart getrennt sind“, erklärt Rehm. „Das wäre ein großes Zeichen – für den ganzen Sport.“

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