Nachgefragt: Hicretspor-Coach Timur Cakmak "Keiner denkt, dass wir Helden sind"

Delmenhorst. Zwölf Punkte nach vier Spielen - mehr geht nun wirklich nicht. Die Kreisliga-Fußballer des KSV Hicretspor haben einen wahren Traumstart in die neue Spielzeit hingelegt und grüßen derzeit überraschend vom zweiten Tabellenplatz.
23.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Delmenhorst. Zwölf Punkte nach vier Spielen - mehr geht nun wirklich nicht. Die Kreisliga-Fußballer des KSV Hicretspor haben einen wahren Traumstart in die neue Spielzeit hingelegt und grüßen derzeit überraschend vom zweiten Tabellenplatz. Hauptverantwortlich für die Erfolgsserie des Vorjahreselften ist Trainer Timur Cakmak, der Hicretspor seit 2007 betreut. Der 35-Jährige sprach mit Daniel Cottäus über die neuen Qualitäten seiner Mannschaft, seine persönliche Entwicklung als Coach sowie die Rolle von Rückkehrer Erdem Yesilyurt.

Herr Cakmak, vier Siege in vier Spielen - diese Ausbeute lässt sich getrost als Traumstart in die Saison bezeichnen...

Timur Cakmak: Ich denke, das täuscht. Wir hatten zum Auftakt viele vermeintlich leichte Gegner wie Berne oder Großenkneten. Auch der Delmenhorster TB wurde von vielen offenbar zu stark eingeschätzt. Wo wir genau stehen, sehen wir erst, wenn in den nächsten Wochen stärkere Gegner kommen. Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich aber natürlich zufrieden. Vier Spiele zum Auftakt muss man erstmal gewinnen.

Hätten Sie vor der Saison mit so einer Serie gleich zu Beginn gerechnet?

Ehrlich gesagt: In dieser Form nicht. Wir haben uns zwar gut vorbereitet und im Training vieles verändert. Es sind beispielsweise bei allen Übungen nur noch höchstens drei Ballkontakte erlaubt. Dass es dann vom Start weg gleich so gut läuft, habe ich aber nicht erwartet.

In der vergangenen Saison war der KSV Hicretspor so etwas wie der "Remis-König" der Liga - zehn Unentschieden waren der Spitzenwert. Siege gab es hingegen nur acht, die Hälfte davon haben Sie jetzt bereits nach vier Spielen auf dem Konto. Was macht Ihr Team alles besser als im Vorjahr?

Wir haben uns vor allem im Torabschluss verbessert. Auch in der vergangenen Saison haben wir schon gute Spiele abgeliefert und gegen Teams von ganz oben ordentliche Resultate erzielt. Vielleicht hat uns aber im Angriff einfach die Qualität gefehlt, um uns entscheidend durchzusetzen. Deswegen haben wir uns vor der Saison mit Krenar Krasniqi und Erdem Yesilyurt verstärkt, die uns beide enorm weiterbringen.

Apropos Yesilyurt, der Rückkehrer, der den Verein damals nicht ganz geräuschlos verlassen hatte, hat nun bereits vier Treffer erzielt und sorgt mit seinen Tempo-Dribblings ständig für Gefahr. Ist er jetzt schon der Führungsspieler, den Sie in ihm sehen wollen?

Erdem ist eine absolute Granate. Er hat früher einfach zu viel geredet, ist jetzt aber älter und dadurch auch wesentlich ruhiger geworden. Wenn er einmal den Ball hat, ist er davon praktisch nicht mehr zu trennen - außer, er will es so. Dazu hat er eine Pferdelunge, kann rennen ohne Ende. Er war schon beim Trainingsauftakt im konditionellen Bereich rund 50 Prozent weiter als der Rest des Kaders.

Trotz Yesilyurts Rückkehr - vor der Saison hat lediglich ein Ligakonkurrent Ihre Mannschaft als ernsthaften Anwärter auf den Titel genannt. Profitieren Sie derzeit zusätzlich davon, von den Gegnern unterschätzt zu werden?

Für die meisten Mannschaften waren wir schon immer ein unangenehmer Gegner, gegen den keiner gerne spielen möchte - das soll ja auch keiner. Ich glaube also nicht, dass uns irgendjemand unterschätzt. Wenn man aber auf die vergangenen Jahre schaut, so haben wir fast immer einen Platz im Mittelfeld der Tabelle belegt. Da ist es klar, dass wir nicht auf einmal der große Favorit sind.

Das von Ihnen ausgegebene Saisonziel - ein Platz zwischen Rang drei und fünf - schien vor der Saison auf den ersten Blick sehr optimistisch. Jetzt haben Sie allerdings einen perfekten Auftakt hingelegt. Ist vielleicht sogar noch mehr drin?

Um dazu etwas sagen zu können, ist es noch viel zu früh. Wenn wir nach elf Spieltagen zehn Siege und ein Unentschieden auf dem Konto haben, können wir gerne nochmal sprechen. Bis dahin arbeiten wir aber von Woche zu Woche weiter. Ich weiß, was für großes Potenzial in der Mannschaft steckt. Wir sind inzwischen auf allen Positionen doppelt besetzt. Wenn ich mir unsere Ersatzbank ansehe, denke ich oft: Da können andere Vereine schon neidisch werden. Außerdem habe auch ich als Trainer in den vergangenen Jahren eine Menge dazugelernt und habe mir Tipps von einigen Kollegen geben lassen.

Nun ist es ja bekanntlich so, dass ein Trainer in gewissen Situationen auch als eine Art Psychologe gefordert ist. Haben Sie keine Angst, dass bei einigen Spielern Ihrer Mannschaft aufgrund der jüngsten Erfolge die Konzentration nachlässt?

Nein, habe ich nicht. Wir werden konzentriert weiter arbeiten. Ich kann versichern: Keiner denkt, dass wir Helden sind. Wenn wir weiter ruhig bleiben - auch wenn es mal lange 0:0 steht - dann geht es auch gut weiter. Sollte dann doch einer abheben, hole ich ihn ganz schnell wieder runter.

Am Sonntag geht es nun gegen den Aufsteiger TuS Hasbergen. Wieder ein - vermeintlich - leichter Gegner. Hält Hicretspors Siegesserie?

Schwer zu sagen. Wir dürfen Hasbergen auf keinen Fall unterschätzen. Sie haben eine kampfstarke und lauffreudige Mannschaft. Wenn wir da nicht alles abrufen, kann es schnell in die Hose gehen.

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