Australian-Open-Siegerin zeigt erneut ihre Klasse und gleicht zum 1:1 gegen die Schweiz aus

Kerber sei Dank

„ Sie ist jetzt wirklich die Nummer eins, die man sich wünscht.“ Barbara Rittner über Angelique Kerber Leipzig.
07.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Allmeroth

Die Dramaturgie war irgendwie absehbar. Am ersten Tag des Fedcups zwischen Deutschland und der Schweiz in Leipzig gab es jeweils Siege für die Nummer eins der beidenTeams. Aber genau so gut konnte man die Art und Weise, wie dieses 1:1-Remis im brisanten Tennis-Nachbarschaftduell festgeschrieben wurde, höchst erstaunlich und höchst bemerkenswert finden.

Denn so sehr, wie der souveräne 6:3, 6:4-Sieg der erst 18-jährigen Belinda Bencic gegen die überforderte Andrea Petkovic imponierte, so beeindruckte nach den Strapazen der letzten Tagen doch auch die mitreißende, teilweise überragende Vorstellung von Angelique Kerber im zweiten Einzel gegen die Weltranglisten-Fünfzehnte Timea Bacsinszky. Kerber, die Königin von Melbourne, hatte schließlich – umjubelt und gefeiert – das letzte Wort an diesem Eröffnungstag, mit ihrem 6:1, 6:3-Kantersieg. Nach insgesamt dreieinhalb Tennisstunden ist also wieder alles offen für die deutsche Mannschaft.

„Es war ein großartiges Gefühl, wieder auf den Platz zurückzukehren“, sagte Angelique Kerber nach dem Sieg zum Ausgleich, „die Stimmung war großartig, der absolute Wahnsinn.“ Zwar spüre sie schon „die Müdigkeit in den Knochen“, so Kerber, „aber das Team und die Atmosphäre reißen mich so mit, dass ich das wegstecken kann.“ Kerber und Bencic werden auch gleich am heutigen Sonntag eine tragende Rolle in diesem Nationen-Zweikampf einnehmen – im Spitzeneinzel, dem wieder einmal wegweisende, wenn auch noch keine entscheidende Bedeutung zukommt.

Zweimal konnte Bencic schon gegen die Weltranglisten-Zweite Kerber gewinnen. Vor allem der Sieg der Schweizerin 2014 in der dritten Runde der US Open, tat der deutschen Spitzenspielerin richtig weh. „Ich freue mich richtig auf diese Partie. Es wird eine spannende Prüfung für mich“, sagte die erst 18-jährige Bencic, die sich mit einer Selbstverständlichkeit und Courage in die Partie gegen Petkovic gestellt hatte, die auch den deutschen Tennisfreunden mehr als nur pflichtschuldigen Respekt abrang.

Gegen das flüssige, variable Spiel der jungen Schweizerin wirkte Andrea Petkovic viel zu statisch und mechanisch. Es fehlte der Hessin auch ganz einfach der Plan B nach dem Verlust des ersten Satzes. Petkovics schwache Vorstellung befeuerte Spekulationen, dass Teamchefin Rittner die Aufstellung am Sonntag noch verändern könnte. Statt Petkovic könnte Annika Beck dann das letzte Einzel bestreiten, immerhin hatte Beck bei den Australian Open in zwei Sätzen deutlich gegen Bacsinszky gewonnen. „Ich werde heute Abend für mich und auch im Team entscheiden, ob ich was umstelle und wenn ja, was“, kündigte Teamchefin Barbara Rittner an.

Über Kerber war die Bundestrainerin voll des Lobes: „Da ist eine unglaubliche Entwicklung passiert. Sie ist jetzt wirklich die Nummer eins, die man sich wünscht.“ Kerber musste mit einem 0:1-Rückstand des Teams auf den Platz. Den Druck meisterte sie problemlos. Nach nur 30 Minuten holte sie sich gegen Bacsinszky - immerhin die Weltranglisten-15. - den ersten Satz.

„Wir sind jetzt alle auf Null zurück, genau so schlau wie am Anfang. Ich bin nicht unzufrieden mit dem Verlauf“, sagte der Schweizer Teamchef Heinz Günthardt, einst Coach und Wegbegleiter von Steffi Graf. Günthardt dürfte seinen beiden Einzelspielerinnen Bencic und Bacsinszky auch weiter Vertrauen schenken, zudem große Hoffnung auf das Abschlussdoppel mit Martina Hingis setzen.

Neben Vizekanzler Sigmar Gabriel und VW-Chef Matthias Müller verfolgte auch der Boss des Tennis-Weltverbands ITF, der Amerikaner David Haggerty, das Erstrundenspiel in der Leipziger Messehalle. „Ich hätte keine besser Wahl treffen können“, sagte der neu gewählte Präsident nach den ersten beiden Einzeln, „diese Partie hat Topniveau, tolle Stimmung und tolle Spielerinnen.“ Noch mehr Spannung ist am Sonntag garantiert – dem Tag der Entscheidung.

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