Australian-Open-Finale am Sonnabend

Kerber und Williams: Beide bewundern Steffi Graf

Schon als 15-Jährige Schülerin wusste Angelique Kerber: "Natürlich will ich mal bei den Australian Open gewinnen." Dazu hat sie gegen Serena Williams, Nummer eins der Welt, nun tatsächlich Gelegenheit.
30.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Allmeroth

Schon als 15-Jährige Schülerin wusste Angelique Kerber: "Natürlich will ich mal bei den Australian Open gewinnen." Dazu hat sie gegen Serena Williams, Nummer eins der Welt, nun tatsächlich Gelegenheit.

Das „Schleswig Holstein-Magazin“ des NDR hat dieser Tage mal tief im Archiv nachgeforscht. Und da fand sich unter dem Stichwort „Angelique Kerber“ eine kleine Kostbarkeit, ein Filmchen aus den Teenagertagen der deutschen Tennis-Frontfrau. Auf den Spuren der Nachwuchshoffnung drehte das TV-Team 2003 auch in Kerbers Jugendzimmer, bei den Hausaufgaben der fleißigen Realschülerin.

Dann kam die Sprache auf Kerbers Tennisambitionen, und erstaunlicherweise formulierte die 15-jährige nicht nur ein für deutsche Talente naheliegendes Ziel, einen Coup auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon, sondern auch diesen Traum: „Natürlich will ich mal bei den Australian Open gewinnen.“ Dazu hat Kerber nun tatsächlich Gelegenheit – wenn es auch gegen die überragende Nummer eins der Welt geht, gegen Serena Williams.

Sollte der 28-jährigen gebürtigen Bremerin gegen die 34-jährige US-Amerikanerin der letzte Coup gelingen, wäre sie die erste Deutsche seit Steffi Graf, die wieder ein Major-Turnier gewinnt. Graf war eines der Jugendidole von Kerber, wurde später zur Mentorin der aktuell besten Deutschen. Graf war aber auch die Spielerin, deren Fitness und Professionalität stets einem gewissen Richard Williams imponierten, dem Vater von Venus und Serena Williams. Oft spielte Daddy Richard seinen Töchtern in Jugendjahren Videos von Fräulein Vorhand vor. „Es war eine unglaubliche Erfahrung, dann noch selbst gegen sie gespielt zu haben“, sagt Serena Williams.

Eines der beiden Duelle gewann sie sogar 1999 in Indian Wells, gerade noch vor dem Rückzug der Ausnahmespielerin aus dem badischen Brühl. Oft habe sie sich in ihrer Laufbahn gewünscht, „so zielstrebig und fokussiert“ wie Graf zu sein, so Williams, „geschafft habe ich das aber erst ganz spät.“ Und tatsächlich: Die effektivste Grand-Slam-Ausbeute schaffte Williams jenseits der Dreißig, in einem Alter, in dem Graf schon längst im Ruhestand war – zerschlissen und zermürbt vom Tourstress und immer neuen Verletzungen.

Williams kann Grafs Titelrekord einstellen

Zwei Spielerinnen stehen nun also auf dem Feld der Träume, auf dem Centre Court in Melbourne, die beide einmal zu Steffi Graf aufgeschaut, sich an ihr orientiert haben. Und die deutsche Graf-Erbin Kerber ist die letzte, die vorerst verhindern kann, dass Serena Williams Grafs Titelrekord für die moderne Tennisära einstellen kann – mit dem 22. großen Pokalgewinn. Und Williams hat Respekt: „Ich weiß, dass es eine ganz schwere Aufgabe wird.“

Trotzdem: Imponierend ist ihre bisherige Endspielbilanz auf großer Grand-Slam-Bühne: 25-mal kämpfte sie um den Siegerpokal, 21-mal gewann sie auch. Fast hätte sie 2015 ein makelloses Tourjahr hingelegt, in New York, daheim vor den eigenen Fans, doch sie scheiterte.

„Little Sister“ Serena hat das weibliche Welttennis zuletzt zur Ein-Frau-Show gemacht, mit Coolness und Leidenschaft oft zugleich, mit einer Hartnäckigkeit und Ausdauerkraft, die ihr niemand noch zugetraut hätte. Allen, die mir ihr zum Duell auf den Spiel-Platz schreiten, bleibt nur die Hoffnung auf nervöse Schwächemomente. Auf eine nervliche Verkrampfung wie im September 2015 in New York, als sie im Halbfinale gegen die Italienerin Roberta Vinci verlor.

Für diese Momente muss Kerber bereit sein in der Endspielprüfung, im unbedingten Glauben an sich selbst. Und in einer kompletten Furchtlosigkeit, die sie zumindest in Worten schon mal so ausdrückt: „Ich weiß, was ich kann. Ich muss mich vor niemandem mehr verstecken.“

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