VSK-Trainer Berneking würde auch im Falle eines Abstiegs in die Bezirksliga zur Verfügung stehen „Klassenzugehörigkeit spielt keine Rolle“

Zur Person: Enrico Berneking (37), verheiratet und zweifacher Vater, begann seine Fußballer-Laufbahn als Spieler des TSV Neu Sankt Jürgen. Nach zwei Jahren wechselte er zum FC Worpswede und nach sieben Jahren zurück nach Neu Sankt Jürgen.
29.04.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Thomas Müller

Zur Person: Enrico Berneking (37), verheiratet und zweifacher Vater, begann seine Fußballer-Laufbahn als Spieler des TSV Neu Sankt Jürgen. Nach zwei Jahren wechselte er zum FC Worpswede und nach sieben Jahren zurück nach Neu Sankt Jürgen. Dort war er anderthalb Jahre lang spielender Co-Trainer unter Bülent Kurtulus. Seine nächste Trainerstation war für zwei Jahre der TSV Sankt Jürgen. Im Sommer 2014 wechselte er zum VSK Osterholz-Scharmbeck – zunächst als Co-Trainer, nach der Winterpause als Chefcoach. Berneking arbeitet als Außendienstler einer Firma, die Industrieprodukte für den Sanitärbereich vertreibt.

(tmü)

Nach einer langen und erfolgreichen Ära, die die Fußballer des VSK Osterholz-Scharmbeck bis in die vierte Liga führte, droht die erste Mannschaft dorthin abzurutschen, von wo sie vor fast 15 Jahren kam – in die Bezirksliga. Als Drittletzter mit acht Punkten Rückstand auf einen sicheren Tabellenplatz bei noch vier ausstehenden Spielen sind die Chancen auf den Klassenerhalt nur noch theoretischer Natur. Die Person, die sich an erster Stelle der prekären Lage stellen muss, heißt Enrico Berneking. Der VSK-Trainer stellte sich den Fragen von Thomas Müller und schilderte, wie er, Berneking, die Situation erlebt und wie es für ihn und die Mannschaft weitergehen könnte.

Herr Berneking, wie haben Sie in der Nacht von Sonntag auf Montag, also nach der vermutlich entscheidenden Heimniederlage gegen den TuS Celle FC, geschlafen?

Enrico Berneking: Schlecht bis gar nicht. Nach dem Spielverlauf und den Begleitumständen ist das eine miese Situation für uns alle.

Was ist Ihnen da durch den Kopf gegangenen?

Bei einem so wichtigen Spiel hätte man ja aus sportlicher Sicht noch etwas verändern können. Man sucht erst mal die Fehler bei sich selbst und nicht bei anderen: Was hätte man anders machen können, um diese Niederlage zu verhindern?

Sind Sie bei sich selbst fündig geworden?

Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann. Aber in dem Fall war es das Optimum, was man an dem Tag mit dem zur Verfügung stehenden Personal herausholen konnte.

Vor diesem Spiel hatten Sie an die Adresse der Mannschaft gesagt: Wer nicht mitzieht, kann seine Koffer für die letzten Spiele packen. Nach dem Spiel haben Sie gesagt, dass die Mannschaft alles tut, um sich da unten rauszubringen. Erklären Sie das bitte.

Die Spieler haben die klare Aussage von mir verstanden. Gegen Celle gab es keinen, der nicht wollte und bis ans Äußerste gegangen ist.

Dann lag es an der Qualität der Mannschaft?

Auf die komplette Breite bezogen, gibt es ein Qualitätsproblem.

Das heißt, dass die Bank zu schwach ist?

Unser Landesliga-Kader reicht mit 13 guten Spielern nicht aus. Man muss einen Kader von 20 oder 22 guten Spielern haben. Und die haben wir nicht. Nominell nicht und von der Qualität her nicht.

Auf die Spieler wurde der Druck erhöht. Eine Nervensache. Ist der Schuss sozusagen nach hinten losgegangenen, wenn man sieht, dass es jetzt zwei Gelb-Rote Karten gab und im Spiel davor eine Rote?

Das kann man als Übermotivation auslegen. Es wollte niemand ein grobes Foul spielen, und man konnte bei keiner Situation Absicht unterstellen. Es war einfach Übermotivation. Sie wollten alles dafür tun, um das Spiel zu gewinnen.

Zum Trainingsauftakt im vergangenen Sommer hat Ihr Spartenleiter Ralf Strömer auf den großen Umbruch in der Mannschaft hingewiesen mit vielen jungen Spielern. Ein Konzept für die Zukunft, bei dem es erst mal auch etwas rumpeln könne und selbst ein Abstieg nicht ausgeschlossen sei. Danach hat der VSK kurzfristig noch mit Matthias Märtens einen Bremenliga-Spieler geholt und in der Winterpause noch drei weitere. Wie passt das zum Konzept?

Die Märtens-Verpflichtung sollte dazu dienen, dass ein erfahrener Spieler die junge Mannschaft führen kann. Im Winter sind wir noch einmal auf dem Transfermarkt tätig geworden, weil uns da sieben Spieler verlassen haben. Wir haben das also nur mit nominell drei Spielern kompensiert.

Nachdem wir vom Druck auf die Spieler gesprochen haben – wie hoch ist denn der Druck auf den Trainer?

Der ist genauso groß, wenn nicht sogar noch einen Tick größer. Der Trainer steht in der Verantwortung.

Wie muss man sich das konkret vorstellen, wenn zum Beispiel der Teammanager bestimmte Ergebnisse erwartet? Er hat ja zuletzt gesagt, dass es auch deutliche Worte Richtung Trainerteam gab.

Wir haben in den letzten Wochen schon bei jedem Spieltag im regen Austausch gestanden, was wir noch verändern oder tun können, wo jeder noch seine letzten Prozente herausholen kann und muss.

Gab es darüber hinaus noch Ansagen, wie sich der Trainer in der Öffentlichkeit verhalten soll?

Nein, gar nicht. Wir haben alle ein Ziel: Dass der VSK in der Landesliga bleibt. Dem müssen sich alle anderen privaten oder persönlichen Dinge unterordnen. Das muss der Trainer leben, und das muss die Mannschaft leben. Und das muss durchgezogen werden bis Saisonende.

Stand in dem Zusammenhang auch die Frage Ihrer Vertragsverlängerung an?

Über das Thema haben wir nur lose gesprochen. Momentan ist der Stand, dass mein Vertrag ausläuft und Stand heute habe ich keinen neuen Vertrag vorliegen.

Die entscheidenden Gespräche gab es also noch nicht?

Nein, weil auch die sportliche Situation im Vordergrund stand. Wir müssen die Dinge in der jetzigen Situation nüchtern analysieren. Und zu meiner Person kann man auch noch nicht viel sagen, weil ich noch kein neues Angebot vorliegen habe, Also gehe ich davon aus, dass ich ab Sommer nicht weiter beim VSK tätig bin. Alles liegt auf dem sportlichen Fokus. Wer der nächste Trainer wird, ist momentan nicht wichtig.

Würden Sie denn weiter zur Verfügung stehen?

Ich würde zur Verfügung stehen.

Unter welchen Bedingungen? Spielt die Klassenzugehörigkeit eine Rolle?

Die Klassenzugehörigkeit spielt keine Rolle. Ich würde mir gerne das Spielermaterial so zusammenstellen, wie ich denke. Ich habe die Mannschaft ja von Dominik (Anm. d. Red.: Bernekings Vorgänger, der im Winter gefeuerte Trainer Voglsinger) übernommen. Ich war ja bei der Kaderzusammenstellung nicht komplett involviert. Ich wollte auf jeden Fall einen Co-.Trainer, den ich ja bis jetzt auch nicht habe.

Edgar Meier übernimmt nur die Rolle des Torwarttrainers?

Er übernimmt das auch als Co-Trainer. Aber in der Landesliga brauche ich einen Co-Trainer und einen Torwarttrainer. Eddi hat das bisher aber super gemacht. Für die neue Saison wäre eine Voraussetzung, dass es auch einen Co-Trainer gibt.

Wie stellt sich für Sie die Situation und die Entwicklung seit der Amtsübernahme dar?

Dominik Voglsinger und ich sind zwei völlig unterschiedliche Trainertypen. Wir hatten dann das Problem des Kaders mit sieben Abgängen und drei Neuzugängen. Nominell konnten wir nicht auffüllen. Viele sagen, dass die Mannschaft unter Dominik auf einem Nichtabstiegsplatz stand. Das ist so nicht richtig. Wir hatten ja drei Spiele schon in der Hinserie, die von der Rückserie waren. Wir haben in der Hinserie zu wenig Punkte gesammelt, wenn man es auf die Spieltage runterbricht.

Als Sie im Winter das Amt des Cheftrainers übernahmen – war das eine gute Entscheidung? Haben Sie die bereut?

Ich habe nichts bereut. Ich habe in der Zeit viel dazugelernt. Man muss sich weiterentwickeln.

Was macht man anders, wenn man ein solche Verantwortung übernommen hat?

Man steht viel mehr im Fokus, man hat viel Presse (lacht). Man spricht viel mehr mit den Spielern und hat viel mehr Aufgaben als dreimal die Woche das Training zu leiten

Wie wird denn jetzt die weitere Vorbereitung verlaufen?

Wir trainieren in dieser Woche Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Ganz normal. Wir werden uns auch fürs Etelsen-Spiel sehr gut vorbereiten. Das ist bei acht Punkten Rückstand natürlich ein schwieriges Unterfangen, die Motivation hochzuhalten. Aber das kriegen wir schon hin. Wenn man absteigt, muss man mit Würde absteigen und bis zum letzten Tag alles geben.

Es wird also schon darüber gesprochen: Was wäre, wenn?

Selbstverständlich. Das brauchen wir jetzt nicht mehr von der Hand zu weisen.

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