Grüppenbührens Arne Klostermann ist trotz seiner 174 Zentimeter eine Bank im Tor Kleiner großer Rückhalt

Er ist der wahrscheinlich kleinste Handball-Torhüter der Region – zumindest im höherklassigen Bereich. Arne Klostermann ist nur 174 Zentimeter groß, was seiner Leistung beim Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg aber keinen Abbruch tut – im Gegenteil. Die Gegner verzweifeln regelmäßig an seinen schnellen Reflexen, sodass er einer der Garanten für den Aufschwung des Tabellendritten ist.
07.02.2015, 00:00
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Kleiner großer Rückhalt
Von Patrick Hilmes

Er ist der wahrscheinlich kleinste Handball-Torhüter der Region – zumindest im höherklassigen Bereich. Arne Klostermann ist nur 174 Zentimeter groß, was seiner Leistung beim Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg aber keinen Abbruch tut – im Gegenteil. Die Gegner verzweifeln regelmäßig an seinen schnellen Reflexen, sodass er einer der Garanten für den Aufschwung des Tabellendritten ist.

Zunächst geht es unter die Dusche, nach dem Abtrocknen wird dann die Anlage aufgedreht und laute Musik dröhnt aus der Wohnung. Es folgt ein ausgedehntes Einpacken der Tasche – was normalerweise in wenigen Minuten geschieht, kann dann schon mal eine Viertelstunde dauern. Sobald alles erledigt ist, geht es zum Ammerweg nach Bookholzberg, wo sich die Mannschaft des Handball-Landesligisten HSG Grüppenbühren/Bookholzberg vor jedem Spiel trifft. All dies sind Rituale von Arne Klostermann, dem Keeper der HSG. „Das mache ich jedes Mal so“, sagt er.

Und diese Rituale scheinen derzeit Glück zu bringen: Arne Klostermann ist ein starker Rückhalt für sein Team. Ein ums andere Mal hielt er den Sieg der Grüppenbührener fest, selbst wenn der Gegner versuchte, ihn mit hohen Bällen zu überwinden. Klostermann ist mit 1,74 Metern nämlich relativ klein für einen Handball-Keeper. Schaut man sich in den höheren Ligen um, besetzen diese Position zumeist Spieler die ein oder gar zwei Köpfe größer sind als er. Der Torwart kennt aber seine Schwächen und auch seine Stärken: „Was ich oben mehr kassiere, muss ich halt unten wieder rausholen.“ Dass die Gegentore im oberen Teil des Gehäuses nicht überhandnehmen, liegt laut Klostermann auch daran, dass er seinen eigenen Stil entwickelt hat und mit „einer kleinen Portion Wahnsinn“ ins Spiel geht. Sportlich ist er sehr ehrgeizig, einer, der immer alles abruft und so auch andere mitreißt. „Da gibt es dann auch schon mal einen Klaps auf den Po, um zu sagen: Gib nochmal Gas, es sind nur noch ein paar Minuten“, schildert sein Coach Sven Engelmann schmunzelnd. Die Größe seines 26-jährigen Schlussmanns ist für Engelmann kein Thema: „Die Gegner denken oft: Oh, der ist klein, ich muss nach oben werfen. Aber er achtet auf die Schulterbewegung der Schützen und liest dadurch die Wurfbilder. Daher sind auch höhere Bälle kein großes Problem für Arne.“

Die Schuldige: seine Freundin

Arne wird er aber zumeist gar nicht genannt, „Mucki“ dagegen schon öfter. „Das ist eigentlich ein Kosename. Meine Freundin hat mich mal bei einem Grillfest zur Saisoneröffnung so genannt. Das haben einige aus dem Team gehört und mich fortan natürlich nur noch so gerufen. Mittlerweile kann ich mich aber gut damit anfreunden,“ berichtet „Mucki“ lachend.

Anfreunden kann er sich auch mit dem bisherigen Saisonverlauf, mehr aber nicht: „Ich bin zufrieden, doch nicht zu 100 Prozent. Unsere Auswärtsschwäche kann ich mir nicht erklären.“ Sieben Mal traten die Grüppenbührener in der Fremde an, fünf Mal fuhren sie mit leeren Händen nach Hause. Daheim sieht es dagegen komplett anders aus: Hier stehen in sieben Spielen sechs Siege und ein Remis zu Buche. Nur der TV Dinklage entführte einen Punkt aus Bookholzberg. Und dabei soll es auch bleiben, wenn es nach Klostermann geht. Allerdings dürfte es am heutigen Sonnabend besonders schwer werden, die Heimserie fortzusetzen: Die HSG empfängt nämlich Liga-Primus TV 01 Bohmte. Ausgerechnet gegen diesen Gegner fuhren Klostermann und Co. einen ihrer beiden Auswärtssiege ein. Soll das sportliche Ziel des Torhüters schon in dieser Saison erreicht werden, muss das Team aus dem Osnabrücker Land erneut bezwungen werden. „Der Wunsch ist, mit Grüppenbühren in der Verbandsliga zu spielen, zumindest auf lange Sicht“, weiß Klostermann, was er will.

Das war schon immer so. Mit neun oder zehn Jahren, „das weiß ich gar nicht mehr genau“, schloss er sich dem TV Hude an. Dort hatte er auch mal die Position des Kreisläufers ausprobiert, merkte aber schnell, dass ihn der Platz zwischen den Pfosten mehr reizte. Bis zum ersten B-Jugend-Jahr blieb er in Hude, dann packte ihn immer mehr der sportliche Ehrgeiz und er wechselte zur TS Hoykenkamp. Bei den A-Junioren spielte er in der Oberliga, bis ihn ein Kreuzbandriss plus Operation außer Gefecht setzte. Durch eine anschließende Meniskusverletzung mit zwei weiteren Operationen fiel Klostermann für rund 18 Monate aus. Sein Comeback feierte er in der zweiten Herren der Turnerschaft, wechselte aber zwei Jahre später zur Reserve des TV Neerstedt. Da sich diese Mannschaft aber alsbald auflöste, zog es ihn zusammen mit Marcel Biedermann nach Bookholzberg, wo er mittlerweile in seiner vierten Saison spielt.

An einen weiteren Vereinswechsel denkt Klostermann überhaupt nicht. Zwischen ihm und dem anderen Keeper der HSG, Jan-Bernd Döhle, herrsche ein gesunder Konkurrenzkampf. „Wenn er gut spielt, dann feuere ich ihn an, umgekehrt genauso.“ Auch im Team generell sei der Zusammenhalt auf und neben dem Platz sehr gut. Gefallen dürfte Arne Klostermann zudem, dass vor jeder Partie Musik in der Kabine läuft.

Damit bereitet sich der Torwart bekanntlich besonders gerne auf ein Spiel vor.

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