Schach-Talent gefordert Kleiner Meister der Großen Rochade

Grundschüler Max Weidenhöfer tritt für den TuS Varrel bei den Deutschen Schach-Meisterschaften der U12-Junioren an. Sein Trainer spricht über den talentierten Schüler und die Turnieraussichten.
02.06.2017, 14:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephan Stegmann

Weyhe. Einen der größten Erfolge seit ihrem Aufstieg in die Jugendbundesliga vor gut 16 Jahren feiert die ambitionierte Schachsparte des TuS Varrel durch eines ihrer jüngsten Mitglieder, das früh Talent im Denksport bewies: den zehnjährigen Max Weidenhöfer. „Max besucht die vierte Klasse in der Grundschule Leeste und hat es geschafft, sich für die Deutschen Schach-Meisterschaften der Altersklasse U12 zu qualifizieren. Das ist außergewöhnlich und ein Riesenerfolg für Max“, verrät Dennis Webner als dessen Privattrainer und Jugendkoordinator des TuS Varrel.

„Naturgemäß skeptisch“ sei Webner gewesen, als der blond gelockte Bub' festentschlossen mit dem Ziel vor ihn trat, zu den Deutschen Schach-Meisterschaften fahren zu wollen. „Aber ich hatte ihn bereits zuvor spielen sehen und kannte seine Spielweise schon aus dem Schach-Verein. Er gehört dort bereits zu den Talentiertesten. Deshalb wollten wir mit Intensiv-Training versuchen, seinem Ziel näher zu kommen.“ Dass es bereits in diesem Jahr für die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaftsendrunde reichte, die vom 3. bis zum 11. Juni in Willingen ausgetragen wird, war laut Webner dennoch nicht zu erwarten.

„Wir haben einen Trainingsplan aufgestellt, der Max den Weg dorthin ebenen sollte“, beschrieb der Schach-Coach. Dazu gehörten sowohl vermehrt Teilnahmen an Schach-Turnieren in der Region als auch zwei wöchentliche Meetings zwischen Lehrer und Schüler. „Wir sehen uns mindestens je einmal in der Schach-Gruppe des Vereins und zum Einzeltraining“, bestätigt Trainer Webner, der dem TuS-Nachwuchstalent sogar regelmäßige „Hausaufgaben“ auftrug.

„Ich habe bekannte Schachpartien von renommierten Spielern und Großmeistern herausgesucht und ausgedruckt, die Max zuhause nachspielen sollte.“ Darunter auch Begegnungen des amerikanischen Schach-Groß- und ehemaligen Weltmeisters Bobby Fischer, dessen extravaganter Spielstil in den Übungseinheiten als Inspiration dient.

Umso überraschter sei der Lehrer oftmals von den Reaktionen seines Schülers gewesen, als der mit den überarbeiteten Spielbögen in die nächste Übungsstunde kam. „Max hat viel über die Spielzüge nachgedacht. Er hat eine Menge nachgefragt und wollte wissen, wieso der eine oder andere einen bestimmten Zug gemacht hat, wenn sich demjenigen doch auch eine Alternative bot.“ Doch der 27-jährige Webner hat eine simple Erklärung für die Neugier seines Schülers: „Max hat einen sehr reifen Spielansatz“, umreißt der Weyher Schach-Trainer die konzentrierte Herangehensweise seines Schützlings.

„Sein Spiel ist weniger impulsiv. Er überlegt genau, bevor er die Figuren bewegt.“ Mit seinen gerade einmal zehn Jahren beweise Max Weidenhöfer „ein auffällig gutes Gespür für die Schönheit des Spiels“, ist sein Mentor überzeugt. „Er hat sowohl einen Sinn für das Ästhetische beim Schach als auch für das dynamische Spiel, was sich vor allem darin zeigt, dass er aus einer überlegenen Stellung heraus für sich Profit zu schlagen weiß.“

Bei den Deutschen Schach-Meisterschaften in Willingen sind bisher 56 junge Teilnehmer gemeldet. „Unter ihnen ist Max einer der jüngsten“, erklärt Trainer Webner, der seinen Schützling planmäßig dennoch nicht begleiten werde. „Max' Eltern sind dabei. Zudem kümmern sich die Bremer Verbandsbetreuer und ein speziell dafür zuständiger Trainer um ihn. Er ist gut versorgt, außerdem will ich ihn nicht zusätzlich nervös machen.“ Aber er werde mit ihm Kontakt halten, versichert Webner, der seinem Schüler – wie bei Schach-Turnieren üblich – eine schriftliche Nachricht „direkt an den Spieltisch“ zukommen lassen will.

Dort müssen die Schach-Talente während der Einzelmeisterschaft an sieben Wettkampftagen elf Runden ausspielen. Elf Punkte wären dabei die maximale Ausbeute, die ein Spieler erzielen könnte. Nicht ganz so hoch pokert Coach Webener, wenn es um die Erfolgsaussichten Max Weidenhöfers geht: „Realitisch wäre ein Ergebnis von unter 50 Prozent. Ich rechne mit etwa vier von elf möglichen Punkten. Max geht allerdings von fünf Punkten aus.“ Und selbst solch ein Ergebnis wäre äußerst respektabel, denn: „Er träumt nicht vom Titel, sondern weiß genau, dass er gegen die Besten seines Jahrgangs spielen wird.“ Zu denen hat auch Bobby Fischer gezählt, bis er der Beste wurde.

„Sein Spiel ist kaum impulsiv. Er überlegt genau, bevor er Figuren bewegt.“ Schach-Trainer Dennis Webner
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