Die Bayern überrennen den FC Porto und siegen mit 6:1 Kluges Kamikaze

München. Düstere Szenarien waren bereits entworfen worden, zumindest externe Debatten über Trainer Pep Guardiola hatten eingesetzt. Auch im Verein brodelte es durchaus, nach dem Abgang mit Knalleffekt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.
22.04.2015, 00:00
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Von Maik Rosner

Düstere Szenarien waren bereits entworfen worden, zumindest externe Debatten über Trainer Pep Guardiola hatten eingesetzt. Auch im Verein brodelte es durchaus, nach dem Abgang mit Knalleffekt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Eine ziemlich ungemütliche Gemengelage war das also vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Porto, zumal nach der 1:3-Niederlage aus dem ersten Treffen. Doch nun durften sich der FC Bayern und seine Anhänger schnell wieder in den Armen liegen – und den Einzug ins Halbfinale bejubeln. Und das nach einem 6:1, welches durch einen so imposanten wie klug inszenierten Sturmlauf herbeigeführt worden war. Vier der sechs Tore waren nach Angriffen über die Flügel erzielt worden. Die von den Bayern aufgefächerten Portugiesen wussten gar nicht, wie ihnen geschah.

Es war sogar so, dass das befürchtete Aus nach nicht einmal 45 Minuten nicht nur abgewendet war. Vielmehr stand der Einzug unter die letzten Vier noch vor Beginn der zweiten Hälfte quasi fest. 5:0 führte der deutsche Meister schon kurz vor der Halbzeit, durch die Tore von Thiago Alcántara (14.), Jérôme Boateng (22.), Robert Lewandowski (27.), Thomas Müller (36.) und erneut Lewandowski (40.). Es war ein Offensiv-Feuerwerk über die Flügel – und das ohne die verletzten Außenbahnartisten Arjen Robben und Franck Ribéry. Das späte Gegentor von Jackson Martínez (73.) und eine weitere gute Chance brachten die Münchner nur kurz in Verlegenheit. Xabi Alonso erhöhte in der 87. Minute mit einem direkten Freistoß auf 6:1, nachdem Iván Marcano Gelb-Rot gesehen hatte.

Die Bayern waren die Partie erkennbar anders angegangen als noch die erste Verabredung. Deutlich breiter war nun die Spielanlage von Guardiolas Mannschaft, was besonders deutlich wurde an Philipp Lahm. Der Kapitän besetzte in der 4-2-3-1-Formation die rechte Außenbahn. Immer wieder wurde Lahm dort mit langen Diagonalbällen gesucht, ebenso wie Mario Götze auf der linken Seite. Auseinander gezogen werden sollte der FC Porto, der den Bayern vor einer Woche beim 3:1 mit einer kompakten und aggressiven Gangart nur ganze fünf Torschüsse erlaubt hatte.

Nun aber sah sich die Elf von Trainer Julen Lopetegui rasch brenzligen Situationen ausgesetzt. Ein feiner Spielzug brachte die frühe Führung. Juan Bernats scharfe und perfekt getimte Flanke lenkte Thiago mit dem Kopf ins Tor. Im Hinspiel hatte der lange verletzte Spanier ebenfalls jenes Münchner Tor erzielt, das die Hoffnung aufs Weiterkommen am Leben hielt. Nun dauerte es nicht lang, bis auch das dafür nötige 2:0 gefallen war. Und erneut kam der Impuls von außen, als Xabi Alonso einen kurzen Eckball hereinbrachte. Holger Badstuber brachte den Ball per Kopf auf den Fünfmeterraum, wo Boateng ebenfalls mit dem Kopf abschloss. Und weil die Angriffe über die Flanken so gut funktionierten, setzten die Münchner das fort. Lahm schlug den Ball nach innen, wo Müller mit dem rechten Fuß volley auf Lewandowski weiterleitete, ehe der Stürmer ebenfalls mit dem Kopf das 3:0 erzielte.

Drei Kopfballtore nach Flanken in nicht einmal einer halben Stunde – was für eine Pointe auf die drei individuellen Fehler in der Abwehr, die zur klaren Niederlage in Porto geführt hatten. „Klug spielen, nicht Kamikaze nach vorne rennen“, hatte Müller vor dem Spiel geraten. Und was machten die Bayern? Sie rannten nach vorne, immer wieder, aber sie rannten mit Bedacht, kaum durch die Mitte, sondern meist über die Außen. Es war, wenn man so will, ein kluges Kamikaze, dem sich der FC Porto nicht erwehren konnte.

Porto wirkte eingeschüchtert. Überall klafften Löcher. Müller profitierte davon beim 4:0, als sein Distanzschuss von Bruno Martins Indi abgefälscht wurde. Und weil bei den Bayern jetzt alles klappte, konnte Lewandowski auf 5:0 erhöhen, nachdem Müller den Ball erkämpft und nach innen gebracht hatte, wo der Pole nach einem geschickten Wackler mit rechts flach ins linke untere Eck einschoss. Fünf Tore in der ersten Halbzeit waren den Münchnern bereits beim 7:1 in Rom gelungen. Der Rest war auch diesmal Formsache.

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