Fußball

Das Virus-Dilemma

Es wird zwar fast überall gespielt, doch der Sport ist weit weg von Normalität. Das Beispiel Seckenhausen und Bassum zeigt auch, wie schwer es ist, richtig und falsch in einer Pandemie auszumachen.
27.09.2020, 17:52
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup

Fußball ist während einer Pandemie ein Stück Normalität. Mehr noch sogar: Er ist Lebensqualität. Aber Sport im Zeichen des Virus – das ist auch ein schmaler Grat. Das wird am Beispiel der Partie zwischen den Bezirksligisten TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und TSV Bassum deutlich.

Kann man den Standpunkt des TSV Bassum verstehen, der nicht antreten will? Der mit einem mulmigen Gefühl angereist wäre, nachdem die TSG einige Spiele abgesagt hat? Durchaus. Kann man den Standpunkt der Seckenhauser verstehen, die spielen wollen und alles dafür getan haben, das Risiko zu minimieren? Die keinen Coronafall im Verein haben und auch deshalb nicht verlegen wollen, weil nicht klar ist, ob an einem Nachholtermin überhaupt noch gespielt werden kann? Durchaus. Genauso gut sogar.

Die Bassumer haben auf ihre Spieler und ihre Sparte gehört, den Verein über den Erfolg einer einzigen Mannschaft gestellt. Das ist ohne Frage ein starkes Signal. Dafür wird das Team sportlich wahrscheinlich bestraft. Ist das richtig? Oder hat der TSV überreagiert? Geht das überhaupt in einer Pandemie? Das ist auch eine Frage des Stellenwerts des Sports im Leben. Darauf wird jeder eine andere Antwort haben.

Seckenhausen ist allerdings nicht der Bösewicht in dieser Geschichte. Die TSG hat den Sportbetrieb dort, wo es vertretbar war, am Laufen gehalten. Das erfordert Umsicht, Entschlossenheit und Mut. Muss sie einer Verlegung zustimmen? Nein. Sie hat nichts Unrechtes getan. Die Frage, die sich vor allem diejenigen ehrlich beantworten sollten, die in den sozialen Netzwerken bereits gegen die TSG gewettert haben, ist folgende: Hätten sie und ihr Klub anders gehandelt?

Richtig und falsch lassen sich im Alltag leicht trennen. Doch auch der Sport ist von der Normalität ein ganzes Stück weit entfernt. So entsteht ein Dilemma wie dieses, über das weder Seckenhauser noch Bassumer glücklich sind. Schließlich haben sie am vergangenen Wochenende verdammt viel über Fußball geredet. Nur gespielt haben sie nicht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+