Kommentar zum Flick-Abgang beim FC Bayern

Verstörend und unwürdig

Dank des Theaters beim FC Bayern läuft dem deutschen Nationalteam der Wunschtrainer in die Arme: Hansi Flick. Die Bayern haben Flick von Beginn an unterschätzt, meint Jean-Julien Beer.
19.04.2021, 05:00
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Verstörend und unwürdig
Von Jean-Julien Beer
Verstörend und unwürdig

Die Fans lieben ihn, aber der Triple-Gewinner von 2020 hält es beim FC Bayern nicht mehr aus: Trainer Hansi Flick möchte nur noch weg.

dpa

Ein einziger Satz genügte Fußballtrainer Hans-Dieter Flick, um beim FC Bayern vom Hansi zum harten Hans zu werden: Nach vielen Streitereien mit seinem Sportvorstand Hasan Salihamidzic befreite sich der erfolgreiche Trainer selbst aus dieser Lage und verkündete, dass er den Verein um eine Vertragsauflösung nach der Saison gebeten hat.

Dann wird Flick mit den Bayern historische sieben Titel in knapp zwei Jahren gewonnen haben, darunter die Champions League und die Klub-WM. Dass er trotzdem keinen Tag länger dort arbeiten will, blamiert die Bayern in aller Welt. Auch Fans und Mitglieder finden die Entwicklung verstörend. Der Rekordmeister wurde von Flicks Verkündung überrumpelt, nicht mal zu einer gemeinsamen Erklärung reichte es noch.

Bayerns Bosse haben Flick von Beginn an unterschätzt. Nach der Trennung von Niko Kovac durfte er zunächst nur ein paar Spiele ran, dann ein paar Wochen. Erst nach vielen Siegen erhielt er einen bis 2023 gültigen Cheftrainervertrag. Die Erfolge flogen Flick aber nicht zu, sie resultierten aus konsequenten Entscheidungen. Diese Art hat er durchgezogen, nicht gewillt, sich von einem profillosen Vorstand wie ­Salihamidzic noch länger gängeln zu lassen.

Der FC Bayern wirkte wie ein schlafender Riese und tat wenig dafür, den schwelenden Konflikt zu lösen. Das ist eines Topklubs nicht würdig. Deutschlands erfolgreichster Fußballverein muss schon wieder einen Trainer suchen, es ist der fünfte, seit Pep Guardiola 2016 ging. Trainersuchen sind nicht Bayerns Stärke, und jeder halbwegs clevere Kandidat ist gewarnt, dass in diesem Verein einiges nicht stimmt.

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Flicks Konsequenz ist genau das, was Joachim Löw beim Nationalteam lange vermissen ließ. Und so läuft dem DFB der Wunschtrainer in die Arme: Schon 2014 war Flick Löws Weltmeister-Assistent. Stellen sich die Bayern nicht quer, wird er jetzt sein Nachfolger. Für Flick wäre das genial. Er mag seine Bayern-Spieler sehr. Viele von ihnen könnte er weiter trainieren, von Kimmich über Sané bis Neuer. Aber er müsste das nicht mehr im Tollhaus FC Bayern tun.

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