Kreissportbund Oldenburg

„Die Lage ist für die Vereine nicht einfach“

Jörg Skatulla, Vorsitzender des Kreissportbundes Oldenburg, spricht im Interview über den neu verordneten Lockdown und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Sportvereine des Landkreises.
11.11.2020, 16:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Dennis Glock
„Die Lage ist für die Vereine nicht einfach“

Seit 2018 Vorsitzender des Kreissportbundes des Landkreises Oldenburg: Jörg Skatulla

INGO MÖLLERS
Herr Skatulla, aktuell legt der Sport coronabedingt deutschlandweit eine Zwangspause ein. Wie sehr hat Sie überrascht, dass in Berlin so strenge Maßnahmen auch für den Sport beschlossen wurden?

Jörg Skatulla: Wenn man berücksichtigt, in welcher Zeit wir uns befinden und wie stark sich das Virus aktuell verbreitet, dann war der Beschluss in vielerlei Hinsicht absehbar. Ich sehe diese Entscheidung aber nicht als Bestrafung an. Vielmehr ist jeder Einzelne noch stärker in die Verantwortung gerückt. Dennoch gilt es über die Ausprägung der neuen Verordnungen zu sprechen. Den Kinder- und Jugendsport sehe ich hierbei als klaren Verlierer an. Hier hätte man eine bessere Lösung finden müssen.

Der Sport hat in den vergangenen Monaten viel Aufwand betrieben, um die weitere Verbreitung des Coronavirus in seinen Bereichen zu verhindern. Jetzt wird er dennoch in die verordneten Maßnahmen miteinbezogen und ist Teil des zeitlich begrenzten Lockdowns. Sieht sich der Sport als eine Art Opfer derjenigen, welche die Corona-Regeln, vornehmlich im privaten Bereich, missachtet und damit die jetzige Situation weitestgehend heraufbeschworen haben?

Das kann man so sehen. Die Vereine haben in den vergangenen Monaten viel Geld und Zeit investiert, um ihrer Sportart nachgehen zu können. Hier haben Hygienekonzepte und das vorbildliche Verhalten aller Beteiligten sicherlich Schlimmeres verhindert. Ich kann deswegen sehr gut verstehen, dass die Maßnahmen auf viel Unverständnis stoßen.

In den vergangenen Wochen wurde kontrovers darüber diskutiert, ob der Vereinssport zu den Infektionsherden zählt oder eben nicht. Was können Sie zu diesem Thema sagen und welche Informationen liegen dem Kreissportbund des Landkreises Oldenburg diesbezüglich vor?

Aufgrund einer sehr wahrscheinlich hohen Dunkelziffer ist dies schwer zu sagen. Uns liegen keine Zahlen vor, wie viele Infektionen tatsächlich aus dem Sport gekommen sind. Die Gesundheitsämter tappen diesbezüglich ebenso im Dunkeln und können im Moment diese Zahlen nicht liefern. In erster Linie denke ich aber, dass die Vereine durch ihre vorbildlich erarbeiteten Hygienekonzepte einiges an Neuinfektionen verhindert haben.

Insgesamt betreffen die Verordnungen nicht nur den Wettkampf-, sondern auch den Trainingsbetrieb. Wie hart wirkt sich das auf die Entwicklung einzelner Talente aus?

Definitiv ist die aktuelle Lage für die Vereine und jeden einzelnen Sportler alles andere als einfach. Dazu zähle ich nicht nur die einzelnen Talente, sondern den kompletten Breitensport. Dennoch appelliere ich an die Vereine, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen und das Beste daraus zu machen. So kann beispielsweise individuell geprüft werden, inwieweit es möglich ist, Alternativen zu schaffen. Mit Blick auf den ersten Lockdown im Frühjahr fallen mir hierzu etwa virtuelle Sportkurse ein. So kann der Sport auch in diesen Zeiten den Menschen Freude bereiten.

Welche Gefahren sehen Sie durch die erneute Zwangspause vor allem auf den Amateursport zukommen?

Natürlich blicken viele Vereine mit einem mulmigen Gefühl in die Zukunft. Dabei taucht immer wieder die Frage auf: Was machen wir, wenn es so weitergeht und die Zwangspause anhält? Dann nämlich sind irgendwann weite Teile der finanziellen Mitteln aufgebraucht. Einige Vereine leben vom Spielbetrieb und müssen sich so finanzieren. Sie haben beispielsweise Verträge mit Trainern und Trainerinnen, die sie erfüllen müssen. Auf der anderen Seite haben sie aber keine Einnahmen, weil Kurse nicht stattfinden oder Spiele ausfallen. Auch für potenzielle Neuzugänge zu werben, ist aktuell sehr schwierig.

Sind die Vereine Ihrer Meinung nach mit den Erfahrungen des ersten Lockdowns besser auf die aktuelle Situation vorbereitet?

Das würde ich so nicht unbedingt behaupten. Natürlich ist die Situation ein Stück weit bekannt, doch teilweise werden viele Vereine vor neuen Herausforderungen gestellt. Jedem ist klar, was ein Lockdown bedeutet und was die damit verbundenen Maßnahmen mit sich bringen. Die Vereine mussten wiedermal alles komplett auf null herunterfahren, was sehr schmerzt.

Welche Reaktionen erreichen Sie bislang aus den Vereinen?

Erst in der vergangenen Woche hatte ich die Möglichkeit, mich mit einigen Vereinen per Videokonferenz kurz zu schließen. Dabei stand natürlich der Unmut über allem. Da Trainingseinheiten in Gruppen zurzeit nicht erlaubt sind, wollen sich die Sportler aber trotzdem individuell fit halten. Die Tatsache, dass die Nutzung von Laufbahnen oder Sportplätzen aber untersagt ist, erschwert die Möglichkeiten innerhalb des Individualsports ungemein. Somit stoßen die Sportler von Tag zu Tag auf neue Fragezeichen.

Welche Unterstützung können die Vereine in dieser schwierigen Zeit vom Kreissportbund des Landkreises Oldenburg erwarten?

Naja, wir setzen uns tagtäglich für die Vereine ein. Hierzu gehören in erster Linie die Recherche- und Aufklärungsarbeiten. Auf unserer Homepage haben wir einige wichtige Informationen zur derzeitigen Lage aufgelistet, die laufend aktualisiert werden. Uns ist wichtig, dass wir in dieser doch sehr schweren Zeit für die Sportler und Vereine da sind und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Im Landkreis Oldenburg stehen wie in den meisten Teilen Deutschlands viele Sportvereine unter einer ehrenamtlichen Führung. Werden die politischen Beschlüsse Ihrer Meinung nach für eine schwindende Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement sorgen?

Neben des finanziellen Aspekts, machen wir uns auch diesbezüglich große Sorgen. Natürlich kann es sein, dass die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit aufgrund der Belastungen, die durch die Pandemie auftreten, immer weiter schwinden wird. Ich bin dennoch der Meinung, dass dies nicht zwingend der Fall sein muss. Der Sport verbindet und nimmt im Leben vieler Menschen eine übergeordnete Rolle ein. Somit denke ich, dass die Nähe zum Sport und die gegenseitige Hilfe untereinander auch nach der Pandemie allgegenwärtig sein werden.

Was gibt Ihnen Hoffnung, dass ein normaler Trainingsbetrieb ab dem 1. Dezember wieder genehmigt werden kann?

Aktuell kann keiner sagen, wo die Reise hingehen wird. Wir befinden uns in einer sehr dynamischen Zeit, wo man nicht genau sagen kann, was morgen oder übermorgen passiert. Insgesamt habe ich ein Stück weit Hoffnung, dass wir einen für alle Parteien sinnvollen Weg finden können, den Sportbetrieb ab dem 1. Dezember wieder aufzunehmen. Dabei hoffe ich, dass wir speziell für den Kinder- und Jugendsport eine Lösung finden. Gewisse Maßnahmen werden uns aber dennoch über weitere Monate hinweg beschäftigen.

Das Interview führte Dennis Glock

Info

Zur Person

Jörg Skatulla (52),

Vorsitzender des Kreissportbundes des Landkreises Oldenburg (KSB). Im Jahr 2018 übernahm Skatulla den Posten von Peter Ache, der zuvor 14 Jahre das Amt des Vorsitzenden ausübte.

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