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Die Grenzgänger des VfR Seebergen/Rautendorf

Die Sportanlage des VfR Seebergen/Rautendorf befindet sich sowohl im Kreis Osterholz wie auch im Kreis Verden.
26.05.2020, 18:00
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Von Reiner Tienken
Die Grenzgänger des VfR Seebergen/Rautendorf

Eine Sportanlage, zwei Fußballplätze, zwei Landkreise: Das Grün ohne Flutlicht liegt im Landkreis Osterholz.

Björn Hake

Seebergen/Landkreis Verden. Die Sportanlage des Vereins für Rasenspiele (VfR) Seebergen/Rautendorf ist mit einem kleinen Geheimnis verbunden, das nur Insidern bekannt ist. Der Flutlichtplatz liegt im Landkreis Verden. Mitten auf der Sportanlage des 1958 gegründeten Vereins verläuft kurioserweise die Grenze zwischen den beiden Nachbarkreisen Osterholz und Verden.

Jürgen Behlau hat sich in seiner langen Fußball-Laufbahn als Spieler und Schiedsrichter um den Verein verdient gemacht. Die „lebende Legende“ des VfR Seebergen/Rautendorf, die als Unparteiischer auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene zum Einsatz kam, steht seinem Stammverein seit etlichen Jahren als Spartenleiter mit Rat und Tat zur Seite. Jürgen Behlau ist sich nicht zu schade dafür, auch als Kassierer und Kreidemeister einzuspringen. Der VfR Seebergen/Rautendorf verfügt über zwei Sportplätze. Der neue Rasenplatz (ohne Flutlicht) befindet sich politisch gesehen komplett im Kreis Osterholz. Der alte Rasenplatz (mit Flutlicht) liegt laut Jürgen Behlau zum Großteil im Kreis Verden und nur zu einem ganz geringen Teil im Kreis Osterholz. Das Areal befindet sich in der Straße „Am Sportplatz“, die auch sozusagen eine Kreisgrenze bildet. In unmittelbarer Nähe der beiden Sportplätze liegen zwei Häuser, die dem Kreis Verden zugeordnet sind und zu denen auch die Müllabfuhr aus dem Kreis Verden kommt. Für einen Anbau des Vereinsheims musste der OHZ-Verein auch eine Genehmigung des Kreises Verden einholen. Der VfR Seebergen/Rautendorf verweist zudem auf einen Zusammenschluss von Orten aus zwei Gemeinden. Seebergen gehört zu Lilienthal. Rautendorf ist der Gemeinde Grasberg zugeteilt. „Sonst haben wir nichts mit dem Fußballkreis Verden zu tun“, gibt Fußballobmann Jürgen Behlau zu bedenken.

Unzählige Spiele hat der VfR Seebergen/Rautendorf auf dem Platz ausgetragen, der genau genommen zum Kreis Verden gehört. Der Verein spielt mit seinem einzigen Herrenteam aktuell in der 1. Kreisklasse Osterholz. Die Grenzgänger auf dem Flutlichtplatz beschäftigte das Novum des kreisübergreifenden Platzes in all den Jahren herzlich wenig. Selbst dem Vorsitzenden des Kreisfußballverbandes Verden war diese Rarität der durch die Kreise Osterholz und Verden verlaufenen Sportanlage unbekannt. „Wir Fußballer sind nicht an die politischen Grenzen gebunden. So lange da kein Zoll erhoben wird, ist das in Ordnung“, bemerkte Kurt Thies, der dem NFV-Kreis Verden vorsitzt, etwas humorvoll auf Nachfrage, „aber so ein Grenzfall ist ein Kuriosum“.

Ganz ohne echten Bezug zum Kreis Verden ging es in allen den Jahren beim VfR dann aber doch nicht. Mit Bernhard Böschen führte ein Mann mit Wohnsitz in Verden den Verein über Jahrzehnte hinweg als Vorsitzender. Hartmut Schidzig (TV Oyten) und Wilfried Bergmann (FC Quelkhorn) übten in der Vergangenheit ein Traineramt in Seebergen aus. Darüber hinaus bildete der VfR vorübergehend bei den Frauen eine Spielgemeinschaft mit dem FC Quelkhorn als SG Seebergen/Rautendorf/Quelkhorn. Der TSV Fischerhude-Quelkhorn ist obendrein seit Jahren ein gern gesehener Gast bei der traditionellen Herren-Fußballwoche, aus der im Vorjahr der TSV Bassen II als Sieger hervorging.

Der VfR Seebergen/Rautendorf ist richtig froh über den überwiegend im Kreis Verden gelegenen Flutlichtplatz. „Der ist zu 99 Prozent immer bespielbar“, verwies Jürgen Behlau darauf, dass die Rasenfläche aus dem Nachbarkreis viel Wasser schluckt.

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