Achimer I-Run Inklusion in Laufschuhen

Beim Achimer "I-Run" war nicht die schnellste Zeit gefragt, sondern es stand der Gedanke der Inklusion im Vordergrund. Und so begaben sich behinderte und nicht behinderte Menschen auf die Strecke.
06.05.2018, 18:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Björn Struss

Der Kopf ist noch knallrot, die Haare sind etwas verschwitzt. Corinna hat sich auf einer Holzbank ein schattiges Plätzchen zum Ausruhen gesucht. Bei 25 Grad und strahlender Sonne ist das auch dringend nötig. "Ist gut gelaufen", sagt die 39-Jährige. Nächstes Mal dürfte es gerne eine längere Strecke sein, als die 2,5 Kilometer Nordic-Walking. Neben ihr sitzt Kimberly Thibodeaux, die sich mit einem Brötchen stärkt. Dass Corinna eine Behinderung hat und Kimberly nicht, ist für einen Moment vergessen. Sport, Sonne und Schweiß vereint die beiden Frauen.

Um genau diese Momente ging es am Sonntag beim Straßenlauf "I-Run" im Gewerbegebiet Achim-Uesen. Das "I" steht für "Inklusion", also den Anspruch, dass Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammen leben. In sechs unterschiedlichen Disziplinen gingen in diesem Jahr 498 Läufer an den Start. Nach 2016 und 2017 ist es schon die dritte Veranstaltung dieser Art, die auch im Zeichen des europaweiten Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung steht.

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"Das ist ein super Konzept", lobt Kimberly Thibodeaux den Inklusionsslauf. Die 24-Jährige arbeitet als Heilerziehungspflegerin in einer Wohneinrichtung der Lebenshilfe Rotenburg-Verden. Die 2,5 Kilometer Nordic Walking hat sie in einer Gruppe von 17 Läufern absolviert, davon fünf Betreuerinnen. "Es ging uns nicht um die Zeit, sondern dass es alle ins Ziel schaffen", sagt Thibodeux. Das haben die Walker ohne Probleme geschafft, das Training im Stadtwald hat sich gelohnt. "Das Nordic-Walking wollen wir so oft wie möglich wiederholen", sagt Thibodeaux. So könnte der "I-Run" sportlich noch lange nachwirken.

150 Teilnehmer beim Zehn-Kilometer-Lauf

Während das Walking auch ohne hartes Training zu schaffen ist, gingen bei der Laufstrecke von zehn Kilometern ambitionierte Sportler an den Start. Mit rund 150 Läufern war diese Distanz die beliebteste Strecke. Und die Ergebnisse zeigen, dass der Straßenlauf nicht nur ein Inklusions-Projekt ist, sondern auch sportliche Topleistungen hervorbringt. Der Schnellste war an diesem Tag Abiel Hailu von der Leichtathletik-Gemeinschaft Kreis Verden, der die zehn Kilometer in 33 Minuten und 41 Sekunden hinter sich brachte. Beste Frau war Jenny Vilo vom Turnerbund Uphusen. Ihre Zeit: 43 Minuten und 24 Sekunden.

Die Organisatoren zeigten sich am Nachmittag zufrieden mit ihrer Veranstaltung. "Super Stimmung", urteilte Rainer Siemt vom TV Baden. Auch die ehrenamtlichen Helfer des TSV Achim und des TSV Uesen packten mit an, um den Straßenlauf zu ermöglichen. Veranstalter war die Waldheim Begegnungs- und Beratungsstelle, kurz "WABE". Freundliche Unterstützung gab es auch von oben: Die strahlende Sonne war ein Garant der guten Laune.

Wenige Starter beim Staffellauf

"Das Wetter war schon fast zu gut, etwas zu heiß zum Laufen", sagt der 57-jährige Rainer Siemt. Die Wasserstationen an der Laufstrecke seien das wichtigste Mittel gewesen, damit die Sportler bei der Hitze keine Probleme bekommen. "Eine Läuferin hatte nach dem Zieleinlauf Kreislaufprobleme, ansonsten gab es keine Zwischenfälle", freute sich Siemt, der in seinem Verein der Leichtathletikwart ist. Die einzige Enttäuschung sei für ihn die Beteiligung am Staffellauf gewesen. Dort hatten sich die Veranstalter für eine kreative Variante entschieden. Die Teilnehmer des Staffellaufs sollten die Zeit schätzen, mit der sie die viermal 2,5 Kilometer absolvieren würden.

Am Ende gewann dann nicht die schnellste Staffel, sondern jene, die am besten getippt hatte. An den Start gingen dann nur 44 Sportler – von insgesamt knapp 500 "I-Run"-Teilnehmern. Dieses Format werden die Organisatoren bis zum nächsten Jahr noch einmal hinterfragen.

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