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Karriere im Doppelpack

Heinz Fricke 08.11.2018 0 Kommentare

Karriere auf der Bahn: 400-Meter-Ass Lars Figura.
Karriere auf der Bahn: 400-Meter-Ass Lars Figura. (Bernd Weißbrod/dpa)

Man kennt das ja: Spitzensport und berufliche Karriere, zumal zeitgleich betrieben, das passt nicht unbedingt zusammen. Doch wer das Thema bei Lars Figura anschneidet, erntet Proteste. „Wenn die Körperkraft verbraucht ist, kann der Geist immer noch frisch sein und etwas leisten“, sagt der heute 42-Jährige und bezieht sich dabei auf Erkenntnisse, die angeblich den alten Griechen schon vertraut waren.

Wer dann immer noch zweifelt, den belehren umgehend die Fakten im Fall Figura: Vor knapp zwei Jahrzehnten gehörte der Hüne (1,99 Meter groß, 90 Kilogramm schwer) vom SV Werder zu den besten europäischen 400-Meter-Läufern, rannte bei insgesamt sieben deutschen Meisterschaften in der Halle und im Freien als Sieger durchs Ziel. Und parallel dazu und direkt im Anschluss an die Jahre auf der Laufbahn absolvierte er Wehrdienst, Studium, Referendariat, Staatsexamen und Promotion.

Seit vier Jahren ist Dr. Lars Figura „local partner“ von PWC (PricewaterhouseCoopers), einer der weltweit größten Beratungsgesellschaften im Unternehmensrecht mit Geschäftszentrale am Domshof. Die nahezu parallelen Karrieren in Sport und Beruf sind ihm nicht unbedingt in den Schoß gefallen. „Ich war ein Spätentwickler“, sagt Figura und erzählt, dass ihn erst der alljährliche Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ zum Sport gebracht habe. Das war beim TuS Huchting, noch heute denkt er voller Dankbarkeit an das Ehepaar Kennecke zurück, das ihn auf den sportlichen Weg brachte – sie als Lehrerin, er als Abteilungsleiter.

Doch zum Leistungssportler wurde er erst beim SV Werder, spezialisierte sich auf die 400-Meter-Strecke. Und landete 1997 bei den deutschen Hallenmeisterschaften als Dritter erstmals auf dem Treppchen. Seit dem Jahr gehörte er auch zur Leichtathletik-Nationalmannschaft und verbindet damit bis heute auch eines seiner eindrucksvollsten Erlebnisse: „Als Nobody 1999 mit nach Japan zu fliegen und dann noch im Finale der Hallenweltmeisterschaften als schnellster Weißer den sechsten Platz zu belegen, so etwas bleibt hängen.“ Mehr noch als vielleicht die erste deutsche Freiluft-Meisterschaft, die ihm 2000 glückte.

Ganz spezieller Grund 

Warum es gerade in diesem Jahr so gut lief, das hat für ihn auch einen ganz speziellen Grund. „Die Doping-Szene war in dem Jahr etwas verunsichert, und das hat meine Chancen natürlich erhöht.“ Denn Doping, die Leistungssteigerung mit verbotenen Medikamenten, hat er ebenso verabscheut wie bekämpft. „Es kamen die Jahre, in denen ich immer unsicherer wurde, ob alles mit regulären Mitteln zugehen könnte. Der Argwohn wurde größer. Das hat mich dann auch beeinflusst, Ende 2004 mit dem Leistungssport aufzuhören“, sagt er. Vier Jahre später befasste er sich noch einmal intensiv mit dem Thema. Seine Doktorarbeit hat den Titel „Doping zwischen Freiheitsrecht und notwendigem Verbot“.

Lars Figura arbeitet heute in einer Unternehmensberatung.
Lars Figura arbeitet heute in einer Unternehmensberatung. (Frank Thomas Koch)

Er war und ist immer Werderaner geblieben. Obwohl Lars Figura in der Schlussphase seiner Laufbahn auch noch für Dortmund und Wolfsburg startete, aus vor allem zwei Gründen: „Im Weserstadion verschwand die Laufbahn unter den Tribünen, und ich wollte auch einmal in einer starken Staffel laufen.“ Doch die Beziehung zu Werder fand weiterhin auch außerhalb der Tartanbahn statt: Ab 1996 kümmerte er sich um das Konditionstraining der Jugendmannschaften, später koordinierte er auch die athletische Ausbildung von Profis. Und wer heute ehemalige Nationalspieler wie Torsten Frings, Tim Borowski oder Simon Rolfes fragt, dem bestätigen alle drei: „Lars hat uns in wesentlichen Dingen weitergeholfen. Er hat Ahnung und war engagiert.“

Dieses Engagement hat auch den Privatmann Figura seit jeher ausgezeichnet. Er ist einer, der sich meldet, wenn ihm etwas missfällt – auch sein Verein hat es zu spüren bekommen. Viele Mitglieder erinnern sich an kritische Figura-Worte während der Jahreshauptversammlungen, die zu heftigen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten auch mit der Führungsebene führten. Sie trugen dazu bei, dass Fußball-Fan Figura seine Dauerkarte für die folgende Saison nicht verlängerte. “Aber ein glühender Werder-Fan“, sagt er „werde ich immer bleiben.“

Sportliche Öffentlichkeit hat der dreifache Bremer Sportler des Jahres aktuell noch im Vorstand der Bremer Sportstiftung an der Seite von Peter Gargelmann und Anke Precht. Lehrbeauftragter der Bremer Uni ist Lars Figura auch noch, trotz eines wöchentlichen Arbeitspensums von bis zu 70 Stunden. Er hat eben schon immer viele Dinge unter einen Hut bekommen.

Zur Person

Lars Figura (42) wurde 1998, 1999 und 2000 zum Bremer Sportler des Jahres gewählt. Über 400 Meter wurde er je zweimal Deutscher Meister in der Halle und im Freien, zwei Titel holte er zudem in der Staffel. Bei der Hallen-EM 2000 gewann er die Silbermedaille mit der Staffel. Er war für Werder Bremen, Borussia Dortmund und den VfL Wolfsburg aktiv, bevor er 2004 seine Karriere beendete, um sein Jura-Studium abzuschließen.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...