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Triathletin im Porträt
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Trotz Krankheit bleibt sie ihrer Leidenschaft treu

Patrick Hilmes 06.08.2019 0 Kommentare

Asthma und chronischer Knocheninfekt? Ist für Monika Reker egal, sie kann nicht ohne Sport leben.
Asthma und chronischer Knocheninfekt? Ist für Monika Reker egal, sie kann nicht ohne Sport leben. (Jonas Kako)

Vielen dürfte das Bild bekannt sein, auf dem ein Frosch in dem Schnabel eines Storches steckt, diesem aber noch mit den Händen den Hals zudrückt und so verhindert, gefressen zu werden. Darüber steht: niemals aufgeben. Aufgeben, mit diesem Wort müssen sich auch immer wieder Sportler beschäftigen. Zweifel und Frust können dafür Auslöser sein, ebenso Kritik und Rückschläge.

Aufgeben ist bequem, es ist der leichte Weg. Gibt man auf, sind Stress und Anstrengungen vorüber, das Leiden hat ein Ende – zumindest anfangs. Später stellt sich jedoch oftmals die Frage: Was wäre, wenn man nicht aufgeben hätte? Wäre es doch möglich gewesen? Monika Reker aus Verden wollte sich diese Fragen nicht stellen, für sie kamen sie gar nicht erst infrage. Denn Monika Reker ist in dieser Geschichte der Frosch und ihre Krankheiten der Storch.

Schon immer ist die heute 45-Jährige ein ambitionierter Mensch gewesen, insbesondere im Sport. Das Treten in die Pedale, das war ihre Leidenschaft, für die sie ihre Freizeit opferte. Reker sagt selbst, dass ihr Trainingspensum als Amateursportlerin teils „grenzwertig“ war. Doch sie wollte etwas erreichen, hatte sich große Ziele gesetzt und auch erreicht. So avancierte sie 2004 zur Vizeeuropameisterin in der größten 24-Stunden-Rennserie Europas mit dem Mountainbike. In weiteren Rennen ließ sie WM-Kader-Athletinnen hinter sich.

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Doch 2005 fand all das ein jähes Ende. Bei Monika Reker wird schweres Asthma diagnostiziert, hinzu gesellen sich multiple Allergien. Zeitweise benötigt sie ein Sauerstoffgerät und kann kaum Treppen steigen. Die Prognose der Ärzte: Sie müsse sich damit abfinden, niemals wieder auf das alte Level kommen zu können. Lediglich ein bisschen Sport sei noch möglich. Rekers Reaktion war eine etwas andere: „Ich war sauer.“ Die Ärzte hätten sie mit dieser Aussage aggressiv gemacht. „Es gibt Menschen, die geben nach solch einer Prognose auf. Mich hat das hingegen aus der Situation raus gebracht. In dem Moment habe ich angefangen zu denken: Ich zeige euch, dass ich das schaffe“, sagt die Triathletin.

Doch der Gedanke allein genügt nicht, Asthma blendet man nicht einfach aus und setzt sich wieder aufs Rad. Das musste auch Monika Reker einsehen. „Anfangs habe ich im Wald gesessen und dachte, jetzt gehen gleich die Lampen aus“, erinnert sie sich. So konnte es nicht weitergehen, aufgeben war aber keine Alternative. „Ohne Sport hätte ich kein Freiheitsgefühl, dann krepiere ich lieber im Wald.“ Reker suchte Wege, um trotz Asthma die alte Leistungsfähigkeit wieder zu erlangen. Fündig wurde sie in ihrer „zweiten Heimat“ auf Ibiza.

Freunde hatten ihr eine Bioresonanztherapie empfohlen. Reker war misstrauisch, versuchte es aber dennoch – mit Erfolg. „Ich hatte in einer Woche drei Behandlungen und bin ohne Medikamente wieder nach Hause gefahren.“ In Bremen ließ sie sich weiter behandeln, stellte ihre Ernährung um und therapierte sich quasi durchs Radfahren selbst. Heute ist sie beinahe beschwerdefrei.

Diverse Triumphe

Dennoch waren mittlerweile fünf Jahre vergangen, ehe sie wieder so fit war, um an Rennen teilnehmen zu können. Das war 2010. Ein Jahr später wurde Reker die schnellste Frau auf der 100-Kilometer-Distanz der Vattenfall Cyclassics mit 20 000 Startern. „Ich bin zurück im Leistungssport“, sagte sie sich damals. Damit hatte sie es sich und auch den Ärzten bewiesen. Sie konnte ihrer Leidenschaft wieder so nachgehen, wie sie es sich vorstellte. Das mündete unter anderem in den Gewinn der Deutschen Meisterschaft im 24-Stunden-Cyclocross-Achter mit dem Team Pirate und der Nominierung für das „Race of Champions“ – ein Rennen für die besten und erfolgreichsten Amateur-Strassenradsportler Deutschlands.

2013 folgten diverse weitere Triumphe, Reker beschreibt es im Nachhinein als ihr erfolgreichstes Jahr. Doch zugleich schlug das Schicksal ein zweites Mal zu: Beim Heavy24 in Chemnitz (24-Stunden-Mountainbike-Rennen) erhält die Verdenerin ihren Preis für den zweiten Platz nicht bei der Siegerehrung, sondern im Krankenhaus. Nach einer Fahrzeit von 23:17 Stunden und insgesamt 368 Kilometern stürzt sie in Führung liegend schwer – Schlüsselbeinbruch. Kein Drama, doch es folgte das für Monika Reker bis heute unfassbare: Bei der Operation wird ihr ein infektiöses Implantat eingesetzt. Eindeutig diagnostiziert wird das jedoch erst viel später, lange konnte sich somit die Infektion ausbreiten. „Ich bin damit drei Monate rumgelaufen, zwei davon auf Planet Pain.

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Mir ging es richtig dreckig“, beschreibt Reker die schmerzhafte Zeit. Am Ende dieser drei Monate, in denen Reker den Arm nicht bewegen konnte, war das Implantat rausgefault. Eine zweite Operation und sogar Chemotherapie war vonnöten. Doch damit nicht genug, das infektiöse Implantat brachte noch etwas mit sich: Monika Reker leidet seitdem an einem chronischen Knocheninfekt. Heute sprechen die Ärzte bei ihr von einer beruhigten Osteitis, die jederzeit wieder ausbrechen kann. Die anschließende Therapie besagte, dass sie vier Wochen den Arm nicht bewegen dürfte. „Und danach konnte ich ihn nicht mehr bewegen. Es war ja nichts mehr da, keine Muskulatur, alles war steif. Es war ein totaler Verlust des Arms. Da kriegt man Panik.“ Und das nicht nur in sportlicher Hinsicht. Monika Reker bangte auch um ihren Job als Polizeivollzugsbeamtin.

Doch sie kannte bereits das Gefühl, einen solchen Rückschlag zu kassieren. „Irgendwann hat man ein Ur-Vertrauen in seinen Körper und kann einschätzen, ob man das schafft oder nicht. Ich finde einen Weg, auch wenn es nicht der gerade ist, sondern um drei Ecken. Dabei gibt es Momente, in denen man denkt: Ich will jetzt durch die Wand treten. Aber ich ziehe mich an jedem kleinen Fortschritt hoch.“ Langsam und unter reichlich Schmerzen baute Reker ihren Körper wider auf. Geholfen hat dabei die LNB-Schmerztherapie, die kein Zuckerschlecken sei. „Ich habe dabei den halben Laden zusammengebrüllt, aber danach war der Arm wieder beweglich.“

Die Prognose der Ärzte war erneut dieselbe. „Einer sagte mir, dass ich keine 500 Meter mehr mit dem Arm schwimmen könnte. Da bin ich aufgestanden und habe gesagt: Ich mache einen Ironman 70.3.“ Das bedeutet wohlgemerkt: 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Einzelzeitfahren und 21,1 Kilometer Laufen. 2017 war es soweit, obwohl Reker sich Ende 2016 ein zweites Mal das Schlüsselbein gebrochen hatte. Das war ein Schock für sie, stellte sich doch sofort die Frage: Wird der Knocheninfekt zurückkehren? Er kehrte nicht zurück und sie absolvierte den Ironman 70.3 auf Rügen in 5:48 Stunden.

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Damit war aus der Mountainbikerin eine Triathletin geworden. Der Umstieg ist auf die Belastung zurückzuführen, die sich beim Triathlon entsprechend verteilt. Das wurde ihr bereits nach der zweiten Operation 2013 bewusst. Dennoch und mit einem kaum belastbaren Arm nahm Reker im Juni 2014 an der Charity-Tour von Andreas Beseler teil. Der Gedanke hinter dieser Tour über 14 Tage, zwölf Etappen und 1745 Kilometer: Menschen Mut geben, sich trotz einer schweren Krankheit nicht aufzugeben. Das war natürlich wie gemalt für Monika Reker.

„Man hatte uns belächelt, mit kranken Menschen so eine Tour zu machen.“ Sie selbst sei auch an ihre Grenzen gestoßen und gestand, dass man schon ein bisschen verrückt sein muss, um so etwas zu tun. Doch es lohnte sich: Es wurden 55 000 Euro für eine MS-Stiftung gesammelt und Reker schloss „großartige Freundschaften“. Anderen Mut geben, das ist auch die Intention für den Blog von Monika Reker alias „Moni Moonreker“ (James Bond lässt grüßen). „Ich schreibe gerne und will meine Erfahrungen mit anderen teilen. Es motiviert mich, wenn ich anderen so helfen kann, wie mir der Sport geholfen hat.“ 1,62 Meter groß, durchtrainiert und mit Glanz in den Augen, wenn sie über ihren Sport spricht. Das ist Monika Reker und so wird sie auch bleiben, egal was kommt – aufgeben gibt’s nämlich nicht. Zur Not geht sie halt wieder den schweren Weg.


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Sport aus der Region
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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...