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Wie Läufer beim Ultra-Marathon an ihre Grenzen gehen

Olaf Dorow 16.05.2019 0 Kommentare

Weiter, immer weiter: Läufer machen bisweilen Grenzerfahrungen, Ultra-Läufer erst recht.
Weiter, immer weiter: Läufer machen bisweilen Grenzerfahrungen, Ultra-Läufer erst recht. (Wolfgang Kumm/dpa)

Tja. Wie das so ist, sagt Jan Schrobsdorff. „Irgendwann will man sich dann steigern.“ Jeden Herbst der Harz-Marathon, das war ihm nicht mehr genug. In diesem Herbst 2016 musste es sechs Tage vor dem Lauf hoch auf den Brocken und wieder hinunter nach Wernigerode: ein Marathon sein.

Der durch Bremen. Ein Jahr später die nächste Stufe, die Brocken-Challenge von Göttingen aus. Streckenlänge: 80 Kilometer. Und weil dann auch diese Steigerung gesteigert werden wollte, veranstaltet Schrobsdorff nun an diesem Sonnabend am Werdersee rund um den Kuhhirten den „Katzen Sprung’s Backyard Ultra“. Und rennt selbst mit bei diesem Marathon-Marathon ohne Limit.

Das Ding hat es in sich. Acht Laufbesessene werden an diesem Sonnabend beginnen, und womöglich wird es erst 30 Stunden später vorbei sein. Schätzt Jan Schrobsdorff. Sein Bruder, den alle nur Hecke rufen, macht auch mit. Hecke habe schon angekündigt, dass er unter 24 Stunden nicht aufhören werde. Jan Schrobsdorff hat sich vorgenommen, 15 Stunden durchzuhalten.

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Das wären dann rund 100 Kilometer. Der Modus: Im Abstand von jeweils einer Stunde begeben sich die Läufer auf eine Runde von 6,7 Kilometern. Wie schnell sie sind, was sie noch machen, bis die Stunde um ist, ist egal. Klar ist nur: In der nächsten Stunde müssen erneut 6,7 Kilometer bewältigt werden.

Und so weiter. Sie laufen und laufen. Und laufen. Bei Sonnenaufgang soll’s losgehen, 5.22 Uhr. Wie in einem Ausscheidungsrennen wird so lange zur nächsten Runde angetreten, bis nur noch einer übrig ist. Beziehungsweise auch der aufgibt. Der Bremer Run orientiert sich dabei am Original dieser Ultralauf-Variante. Am „Big Dog‘s Backyard Ultra“ von Tennessee.

Dort hatte der Schwede Johan Steene 68 Stunden durchgehalten. 68 Stunden ohne Schlaf. Laufen, kurze Pause, wieder Laufen. Nach 24 Stunden wären 100 Meilen geschafft, daher rührt die die auf Kilometer umgerechnete Runde von 6,7 Kilometern pro Stunde. Steene gab erst nach 283 Meilen auf, mehr als 450 Kilometern. Tritt da jetzt am Sonnabend ein Haufen Durchgeknallter zu einem sehr ungesunden Wahnsinn an? Das kann man so vermuten.

Man kann aber auch locker denken, dass Jan Schrobsdorff weder einen durchgeknallten noch einen ungesunden Eindruck macht. Nun ja, ein bisschen abgefahren sei das schon, was man da so mache in der Ultra-Szene, das will er gar nicht leugnen. Er begreift Laufen als Passion, ein wenig auch als Form der Meditation. Das Tempo, das Schneller-Werden interessiert ihn nicht.

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Ihn interessiert, wie lange man etwas durch- und aushalten kann. Wenn man so will: die nächste Dimension. „Ich habe entdeckt“, sagt er, „dass das Laufen da anfängt, wo das Denken aufhört.“ Seine Entdeckungsreise begann vor knapp sieben Jahren. Sie hat mit Bruder Hecke zu tun. Der rannte beim Harz-Marathon mit, im Jahr drauf rannten die Brüder gemeinsam den Brocken hinauf.

Sie wurden Ultra-Läufer. 2004 war Jan Schrobsdorff von Braunschweig zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Bremen gekommen – und blieb hier hängen. Der Werderfan mit Dauerkarte fürs Weserstadion kickte, kurzzeitig auch mal in der Landesliga. Er schloss sich für zwei Jahre auch mal dem Unterwasser-Rugbyteam des TSC Bremen an.

Aber das Laufen, beziehungsweise die Lauf-Limits, das fand er der heute 34-Jährige dann irgendwie am coolsten. Allen Verpflichtungen des Alltags zum Trotz. Jan Schrobsdorff arbeitet in einem Mieterstrom-Projekt bei Naturstrom in Oldenburg. Seine drei Kinder sind neun, sechs und drei Jahre alt.

Und seine Frau bekommt genügend Gelegenheiten, ihn wegen des Lauffimmels aufzuziehen. Bei der Planung für den Backyard Ultra am Sonnabend, der wegen der kleinen Teilnehmerzahl als Privatveranstaltung gilt, hatte er nicht bedacht, dass sich am Sonnabend sein Hochzeitstag jährt. Zum Joggen kommt er morgens, zwischen 5.20 Uhr und sechs Uhr. „Und abends ab halb neun, wenn die Kinder im Bett sind“, erzählt er. Ultraläufer, Ultrapensum.

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Das Laufen gibt ihm aber so viel. Diese Entdeckung, was ein Körper so alles bewältigen kann. Diese Genugtuung, wenn die Ultrastrecke vollbracht ist. Diese innere Ruhe, wenn er nur noch läuft und nicht mehr denkt. Diese Grenzerfahrung und Herausforderung. In diesem Jahr sollen es gleich drei Herausforderungen werden, man wächst ja mit seinen Aufgaben.

Im Februar hatte Jan Schrobsdorff zum dritten Mal die Brocken-Challenge angenommen. 80 Kilometer Strecke, elf Stunden Laufen. Jetzt dieser Backyard-Ultra mit dem Vorhaben, es auf 100 Kilometer zu bringen. Und Ende August dann in der Braunschweiger Heimat: zehnjähriges Ultra-Jubiläum im Stadtteil Rüningen. Ein 24-Stundenlauf.

Zur Sache

Eine Spende für die Krebs-Betreuer

Der Katzen Sprung's Backyard Ultra heißt so, weil Veranstalter Jan Schrobsdorff für den Ultralauf am Sonnabend die Initialien KS verwenden wollte. KS stehe für Karsten Schultz, sagt Schrobsdorff. Einen Freund, der im Dezember an Krebs verstorben sei. Der Ultra am Werdersee ist nun ein Spendenlauf für Pegasus e.V., einem Verein, der Unterstützung für Kinder oder Angehörige von Krebspatienten anbietet. Die Startgelder sowie die Sponsoren-Einnahmen von Toi-Toi Dixie, der Firma Allos Hof-Manufaktur GmbH oder der Naturstrom AG, Schrobsdorffs Arbeitgeber, kommen dem Pegasus-Verein zugute.  


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Achimer Kurier/Verdener Nachrichten: Sport aus Achim, Verden, Ottersberg, Oyten, Sottrum, Rotenburg, Langwedel, Thedinghausen, Kirchlinteln, Dörverden

 

Regionale Rundschau/Syker Kurier: Sport aus Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Bruchhausen-Vilsen

 

Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

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Leserkommentare
WK-28203 am 22.10.2019 11:44
Nur leider sind die bestimmten Bahnen/Busse der BSAG schon überfüllt, dort gibt es einfach kaum noch Platz drin...

Um es mal direkt ...
peteris am 22.10.2019 11:19
Ach die "armen Landwirte". Monokultur,Massentierhaltung und Grundwasserverseuchung, sind das Markenzeichen der so "armen Landwirte", was auch noch ...