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Warum Laufen jung hält

Eine Forschergruppe zeigt in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie, dass Ausdauertraining wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen ein gutes Mittel gegen die Zellalterung ist.
03.12.2018, 19:56
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Warum Laufen jung hält
Von Jürgen Wendler
Warum Laufen jung hält

Ausdauersport wie Laufen trägt dazu bei, die Alterung von Zellen zu verlangsamen. Neue Belege hierfür liefert eine aktuelle Studie.

Julian Stratenschulte /dpa

Bereits in den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen den Alterungsprozess von Zellen im Gefäßsystem bremse und vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche und anderen altersbedingten Leiden schütze. Eine in der vergangenen Woche im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie einer Forschergruppe um Christian Werner vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg und Professor Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig untermauert diese Erkenntnis.

Hinweise auf das biologische Alter liefern die als Telomere bezeichneten Enden der Chromosomen in den Zellkernen. Ihr Zustand hängt nicht zuletzt von der Aktivität eines Enzyms ab, der Telomerase. Enzyme sind Eiweißstoffe (Proteine), die Reaktionen in Gang setzen. Die Telomerase bewirkt die Verlängerung von Telomeren. Entdeckt wurde die Telomerase in den 1980er-Jahren von der gebürtigen Australierin Elizabeth Blackburn und der US-Amerikanerin Carol W. Greider. Gemeinsam mit dem in Kanada aufgewachsenen Wissenschaftler Jack W. Szostak, der ebenfalls zur Erforschung des Enzyms beigetragen hatte, erhielten sie 2009 den Medizin-Nobelpreis.

Arbeitsanweisungen durch Gene

Ein wesentlicher Baustein der unterschiedlichen Arten von Zellen in Organismen sind Eiweißstoffe. Damit die Zellen bestimmte Eiweißstoffe herstellen können, müssen sie entsprechende Arbeitsanweisungen erhalten. Diese liefern die Gene. Beim Menschen befindet sich der Erbgutträger, die DNA (Desoxyribonukleinsäure), in den Kernen der Körperzellen aufgeteilt in 46 Gebilde, die Chromosomen, die zur Hälfte vom Vater und zur anderen Hälfte von der Mutter stammen. Ein Molekularbiologe hat die schützende Rolle der Telomere an den Enden der Chromosomen einmal mit dem Hinweis veranschaulicht, dass sie sich mit den Plastikkappen von Schnürsenkeln vergleichen ließen. Ohne diese Kappen fransten die Enden aus, und schließlich könne der ganze Schnürsenkel seine Funktion nicht mehr erfüllen. Ungeschützte Enden von Chromosomen senden Signale aus, die dazu führen, dass die Zelle sich nicht mehr teilt, ein Zustand, den Fachleute als Seneszenz bezeichnen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der seneszenten Zellen im Organismus.

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Vor diesem Hintergrund sind längere Telomere und eine hohe Telomeraseaktivität ein gutes Zeichen, das heißt ein Hinweis darauf, dass sich Zellen weiter teilen werden. Fachleute schätzen, dass der menschliche Körper aus ungefähr 100 Billionen Zellen besteht. Diese lassen sich nach ihren Angaben mehr als 200 Typen von Zellen zuordnen. Wie lange einzelne Zellen leben, hängt von ihrer Aufgabe beziehungsweise von ihrem Typ ab. Unterschiedliche Arten von Zellen haben eine unterschiedliche Lebensdauer. Die Zellen der Haut zum Beispiel werden bereits nach wenigen Wochen erneuert, Leberzellen oft nach vielen Monaten und Knochenzellen nach Jahrzehnten. Bis vor einigen Jahren waren Wissenschaftler der Ansicht, dass sich Herzmuskelzellen bei Säugetieren schon bald nach der Geburt nicht mehr erneuern, sich also nicht mehr teilen können. Inzwischen ist bekannt, dass immerhin ein kleiner Teil der Herzmuskelzellen ausgetauscht wird.

150 Minuten Aktivitäten mit mäßiger Intensität

Die Forschergruppe um Werner und Laufs zeigt in ihrer Studie, dass Ausdauertraining wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen ein gutes Mittel gegen die Zellalterung ist. Bei reinem Krafttraining lasse sich diese Wirkung nicht beobachten, erklären die Wissenschaftler. Sie hatten 266 im Schnitt etwa 50 Jahre alte Studienteilnehmer untersucht, die zuvor keinen Sport getrieben hatten. Im Rahmen der Studie absolvierten sie über einen Zeitraum von sechs Monaten dreimal pro Woche ein jeweils 45-minütiges, genau dosiertes und kontrolliertes Training. Vor Beginn und nach dem Ende der Trainingsphase erfolgten Belastungstests. Außerdem wurden Zellen aus dem Blut der Teilnehmer untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich Ausdauersport sowohl auf die Telomerlänge als auch auf die Telomeraseaktivität positiv auswirkt. Insbesondere die Alterung der Zellen im Bereich des Herzens und der Gefäße lasse sich günstig beeinflussen. Mit Blick auf die Herzgesundheit zog Laufs aus den Ergebnissen auch diesen Schluss: „Krafttraining kann eine Ergänzung zum Ausdauertraining sein, aber kein Ersatz.“

Wie wichtig Bewegung ist, betont auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer wieder. Gesunde Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sollten nach ihren Angaben pro Woche mindestens 150 Minuten Aktivitäten mit mäßiger Intensität widmen. Bei intensivem Sport als möglicher Alternative rät die Weltgesundheitsorganisation zu wenigstens 75 Minuten. Um positive gesundheitliche Veränderungen zu erreichen, sei es ratsam, die Zeit bei mäßiger Intensität auf 300 und bei intensivem Sport auf 150 Minuten zu verdoppeln.

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